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Gedichte über Schmerz - Seite 359


Ballade der letzten Silvesternacht

Die am Tag so lauten Straßen
träumen nachts, sind still und leer;
fangen sich, entlehnt den Massen
vom Schatten des Alltags-Verkehr.

Und der Mond kippt um die Schale,
Milch fließt aus sehr hohen Sphär´n.
Katz und Mäusen tropft´s zum Mahle.
Tages Streit liegt weit und fern.

Alter Mann hinter den Scheiben,
ihn flieht Schlaf, noch hat er Zeit.
Die Gedanken, die ihn treiben,
reichen in Vergangenheit.

Feuer fiel vom hohen Himmel,
und es krachte weit und breit.
Damals lacht´ drob kleiner Lümmel,
begriff gar nicht, was Mutter schreit.

Was war mit ihr denn bloß geschehen
in jenen lauten grellen Stunden?
Die Mutter konnt er nie mehr sehen,
er hat sie niemals mehr gefunden.

Man sagte ihm, sie gäbs nicht mehr.
Bomben hätten sie getötet!
Von da an war sein Leben schwer,
sein Himmel blieb stets blutgerötet.

Nur eine Nacht scheint schmerzgemindert,
Silvesternacht mit ihrem Krachen!
Selbst wenn es seine Angst nicht lindert,
er hört der Mutter sanftes Lachen.

Zusammenfließt, was mal zerbrochen.
Heut Silvester, damals Krieg.
Erinnerung kommt angekrochen,
dieweil ein Schrei zum Himmel stieg.

Wenn Böllerschußwerk jubelnd kracht,
Sehe ich an jenem Fenster
immer zur Letztjahresnacht
den alten Mann und die Gespenster…

Und laut bejubeln heut viel Knaben
mit Gelächter und Geschrei,
warum die Alten sich so haben.
Was ist an lautem Spaß dabei?

D e r darf uns nicht die Freud verderben!
Er glaubt nicht an des Friedens Macht.
Wie sollt´ er auch, sah Mutter sterben
und hielt´s nur für Silvesternacht...

Ich will behutsam mit ihm reden,
nachdem ich neben ihn getreten.
Sein Schicksal bracht ihm schwere Schäden
Nun wollen wir gemeinsam beten.

Er schaut mich an , schiebt mich zur Ecke:
„Denk nur nicht, dass ich´s nicht bieg.
„Mama, schnell, - ich dich verstecke .
Wir haben und wir feiern Krieg!“

Da schießt´s in sonst so dunkler Gasse
hell wie Scheiterhaufen auf.
Und - es stürzt auf mich als Masse,
und ich hör´s als letzten Schnauf:

„Meine Mutter muss ich schützen,
damals konnt ich´s nicht, doch jetzt...“
In des Feuerwerkes Blitzen
seh ich in blut´gem Morgenrot
den alten Mann, und er ist tot...

Ich selbst blieb völlig unverletzt!

11.12.12-Bln
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Der Stadtbrand von Tuttlingen 1803

Im Jahr 1803, niemand weiß genau wie er entstand,
wütet in Tuttlingen ein höllischer Brand,
am 01.11. nach 4:00 Uhr hört man lautes Geschrei:
„Feurio, Feurio!!“ und alles eilt schnell herbei.
Zu sehen ist es in der Nähe des unteren Donautor’s,
da lodern Rauch und prasselnde Flammen hervor.
Hat man dort ein Hausschwein geschlachtet,
und dabei nicht auf’s brennende Feuer geachtet?
Oder hat Nachbars Knecht, der elende Wicht,
voller Bosheit gezündelt mit einem Licht?
Der späte Hilferuf des Hausherrn war voller Tücken,
er konnte das Feuer nicht selber ersticken.
Kurze Zeit später tut‘s einen furchtbaren Knall,
brennende Trümmer fliegen nach überall.
Auf der Bühne des Hauses, zu allem Jammer,
war explodiert des Kaufmanns Pulverkammer.
Der kräftige Nordwind facht die Bruchstücke an,
so schnell, dass niemand sie mehr löschen kann.
Feuerreiter wurden schnell ausgesandt,
um Hilfe zu rufen aus dem ganzen Land.
Sie eilten so schnell wie möglich daher,
doch viel zu löschen gab es nicht mehr.
Bis sie ankamen, brannt‘ es schon überall,
sie konnten nur retten aus Haus und aus Stall.
Die ganze Not konnte so manchen nicht hindern,
aus den Häusern auch noch zu plündern.
Ein Dieb stahl sogar eine Kuh aus dem Stall,
man erwischte ihn damit erst im Ludwigstal.
Doch dann, der Turm des unteren Tores stürzt ein,
niemand kam jetzt mehr heraus oder herein.
Menschen und Tiere wollten hinaus ins Land,
andere kamen von draußen herein gerannt.
Furchtbares Gedränge, Rufen, Schreien, und Wut,
doch alles half nichts , das Stadttor war zu.
Jetzt traf es alle, die Reichen und Armen,
die Viecher im Stall schrien zum Gott erbarmen.
Das Wasser der Donau konnt‘ niemand erreichen,
so mussten die Helfer der Hitze schnell weichen.
Um halb acht ist die ganze Stadt voller Feuer,
es frisst alles auf, das furchtbare Ungeheuer.
Niemand kann jetzt mehr löschen in dieser Hitze,
aus den Flammen ragt nur des Kirchturm‘s Spitze.
Menschen, Tiere, Wagen drängen dem oberen Tor nun zu,
den bleibenden Rest verschlingt das Feuer im Nu.
In knapp 4 Stunden liegt die Stadt ganz in Trümmer,
und sie rauchen nach 4 Wochen noch immer.
Von der Kirche stand nur noch der Turm,
die Glocken zerschmolzen im Feuersturm.

- 2 -



Auch zwei Menschen starben in den Flammen,
es war ein Wunder dass nicht noch mehr umkamen.
Untere Vorstadt und Wöhrden wurden verschont,
und nach dem Brand von vielen Opfern bewohnt.
2200 Menschen verloren das Dach überm Kopf,
kein Bett, keine Kleider, kein Teller, kein Topf.
Verbrannt auch Werkzeug und Wintervorrat,
viele retteten nur das, was man getragen hat.
In der ganzen Stadt herrscht nun große Not,
nichts ist mehr da, kein Korn mehr, kein Brot.
Das Futter der Tiere ist im Feuer verdorben,
kein Metzger, kein Bäck‘ die für Nahrung nun sorgen.
Ein schlauer Bäcker baute jedoch,
einen einfachen Backofen in einem Loch,
für diese Leistung wurd‘ er bekannt,
und fürderhin nur noch als „Lochbeck“ benannt.
Mit Mehl aus den Hilfen von allen Seiten,
konnte er so Brot für die Menschen bereiten.
Doch sehr viel Hilfe kam von allen Seiten,
alle wussten, wie nun die Tuttlinger leiden.
Der Kurfürst selbst ging als Beispiel voran,
er spendet viel Geld, und die Hilfe begann.
Selbst König Wilhelm I der schnell aus Paris,
eine große Spende an die Opfer überwies.
Aus Baden und Bayern, Frankfurt und Dresden,
auch die Schweiz hatte nicht zu spenden vergessen,
die ganzen Nachbargemeinden, fast alle Welt,
schickte nun Hilfe und auch viel Geld.
Doch groß war die Not trotz Hilfe noch immer,
es wohnten bis zu 12 Menschen in einem Zimmer,
kein Essen, keine Ställe, kein Futter für Tiere,
und bald stand der Winter vor der Türe.
Erst im Jahr 1817 war die Stadt neu erbaut,
keinen gab’s dem es nicht nachträglich graust.
Mit der Weihe der Kirche war der Aufbau vollbracht,
doch an den Stadtbrand wird noch bis heute gedacht.


Janfried Seeburger 08.09.2011
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