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Gedichte über den Schlaf - Seite 42


Gedankenübernachtung

es ist schon oft richtig verrückt
vorallem, wenn mich was bedrückt
starre ich einfach vor mich hin
obwohl ich bewegt bin, in mir drin

um mich herum die Zeit verrinnt
ich sitze immer noch im selben Raum
doch der dreht sich im Uhrzeigersinn
um die Erdachse, das spürt man kaum

die Erde selber dreht sich um die Sonne
einmal im Jahr umkreist sie ihren Stern
was wäre die Milchstraße nur so ohne
eine Lücke würde sie sicher sehr stören

wieso startet ein neuer Tag am Morgen?
nur weil nachts das Sonnenlicht fehlt?
das Leben hält sich nachts verborgen
manche haben sich ein Nachtleben erwählt

mein Schlafrhythmus hängt ab von Gedanken
tagsüber verdrängen sie übliche Dinge
die meistens auch ohne mich stattfanden
nachts erheben sie sich in mir wie Rasierklingen

sie schneiden sich in meine Gehirnwelten
springen in meine Träume, platzen hinein
ich höre, wie sie in ihnen davonschnellen
ich jage ihnen hinterher, bin mit ihnen allein

sie lockten mich in einen Hinterhalt
umkreisen mich von allen Seiten
zwischen ihnen bleibt kein kleiner Spalt
beobachte, wie sie um mich streiten

der Sieger tritt hervor und fordert mich
zwingt mich im Dunkeln ins Rampenlicht
umschlingt mich mit sich augenblicklich
ich begreife ihn als er ergreift mein Ich

ergriffen blitzt es in mir durch die Nacht
als der nächste Gedanke in mir erwacht
eben noch im Blitzlichtgewitter
zerrt er mich hinter ein Fragengitter

über mich ergeht ein Hagel aus Fragezeichen
ich ringe nach Antworten im Nichts
diese Fragen wollen einfach nicht weichen
ich schreie im Schlaf mit stummen Gesicht

angekettet an den bohrenden Fragenstäben
fühle ich mich gepeinigt in mir schwebend
ein Geräusch von außen eilt mir herbei
aus meinem Verließ ließ man mich endlich frei

verschwommen im Blick starr ich auf die Uhr
in LED Strichen chiffriert steht was von zwei
dreh mich auf die andere Seite meiner Statur
außen fällt der Vorhang, innen wartet Nr. 3 ...

© meteor 2025
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DAS THRYMLIED

Ein Schläfchen hält der Donnergott
den ganzen langen Winter
Wenn er sich räkelt und erwacht,
freu'n sich die Menschenkinder

auf neues Leben, Sonnenschein,
den warmen Frühjahrsregen
Doch hört, wie das sich einst zutrug
als THOR da so gelegen,

da kam ein Riese, sah den Gott
nebst seinem Hammer liegen
Er stahl ihn leis und nahm ihn fort
Und THOR, der war am Wüten!

Der LOKI flog nach Riesenheim
und hörte TRYMR lachen
„Ihr bringt die schöne FREYA mir,
d a n n kann’s am Himmel krachen!“

Die Liebesgöttin darf nicht geh’n,
der Frühling braucht sie wieder!
Die Götter schmieden einen Plan,
Nur: THOR ist der zuwider

Denn sie verkleiden ihn als Frau,
so fliegen sie zum Riesen
Der freut sich schon auf seine Braut
und möchte sie genießen

Doch diese ist noch tief verschleiert
So wird erst mal gegessen
Die Braut verzehrt den ganzen Ochs
samt Fisch-Delikatessen

Drei Fässer Wein trinkt sie dazu
Der Riese kriegt Bedenken
"Gefastet hatte sie," hört er,
"sie möchte sich Euch schenken!"

Den Riesen schmeichelte das sehr:
„den Hammer holt mir, los!"
Also befahl er seinen Dienern,
tat ihn in i h r e n Schoss

Die nahm und warf - so kam er gleich
auf seiner Stirn zu sitzen
Er sank zu Boden, starb sofort
Am Himmel sah man’s blitzen

und freute sich: sie ist zurück,
die Kraft des Wettergottes!
Die List war einwandfrei geglückt -
und mancher voll des Spottes

Anm.: In der Þrymskviða („Lied von Thrymr“), einem altnordischen Götterlied in der Lieder-Edda, wird erzählt, wie der Riese Thrym(r) den Thorhammer Mjölnir stiehlt und wie Thor, als Braut verkleidet, seinen Hammer zurück erlangt. Hier ist die alte Saga in eine Ballade gekleidet.
Der Thorshammer war in alter Zeit ein Schutz-, Kraft- und ein Fruchtbarkeitssymbol. Die Ballade als Lied gesungen: https://youtu.be/jZqowkYnjxM
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