Profil von Lena Engelbrecht

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Registriert seit dem: 21.01.2024

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Anzahl Gedichte: 155
Anzahl Kommentare: 4
Gedichte gelesen: 26.950 mal
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Titel
155 Fireflies
Vorschautext:
Ich gehe,
und niemand kann wissen
weshalb.
Zu Gerüchen von Bergrhododendron
und Sommergewittern am Wegrand.
Ich wandere,
niemand kann wissen
wohin.
Dort leuchten smaragdene Käfer
durch wilde Minze am Wasser.
Ich bin,
und niemand kann wissen
...
154 Nocturne
Vorschautext:
Ich habe ein Gedicht kennengelernt,
so lebensreich und leicht zugleich
und voller Spuren.
Traumtrunken sinken seine Lieder
wie Abendmeere ins Mondlicht.
Es blättert meine Finger,
plätschert leise,
setzt sich auf meine Schulter,
schaut mir in die Augen
und lächelt mich durch Tränen an.

© Lena Engelbrecht
153 Winterberg
Vorschautext:
Noch vor dem ersten Schnee,
Bäume flüstern geduldig am Zaun.
Oben im Atlas der Nacht
lachen unendliche Glocken
aus frostigem Glas.
Mondsplitter-Kameen
umranken Brokate der Stämme.
Kristalle zerstrahlen leise
auf dem Cordsamt der Erde.
Ein Lichtlied bedeckt alles langsam.

© Lena Engelbrecht
152 Madrugada
Vorschautext:
In Delphinium-Farben
ergeht sich Mitternacht.
Magnolie verstreut
dem Boden
Blatt um Blatt
violette Achate.
Schritt um Schritt
entfernt sich das Tagesraunen.
Hingehauchtes Wispern
blinkender Lichter
breitet sich über Dächern
Stern um Stern.
...
151 Dem Praxiteles
Vorschautext:
Im Marmortal
begegnen sich Erinnerungen,
wandern der Vergangenheit entlang,
sehen Skulpturen in den Küstenfelsen
unter der orangen Sonne strahlen,
Seewellen und die Welten
nacheinander fallen und entstehen,
Pinien und Zypressen in der Weite.

© Lena Engelbrecht
150 In Lübars
Vorschautext:
Auf einer Bank in Lübars
saß
ein nicht mehr so junger Mann
(obwohl... wer weiß).
Er schien mit etwas unzufrieden zu sein
im Sonnenschein,
schaute nachdenklich zum Himmel
und dann,
auf einmal in seinen Augen...
Ich dachte nur erstaunt:
was für ein schöner Mensch
ist das.
...
149 Mit Ocker und Siena
Vorschautext:
Mit Ocker und Siena
würde ich dich malen,
mäanderartig fällt dein Schatten
auf die runden Steine.
Als weiche Silhouette
an dem weißen Ufer in Ravenna,
ein wenig Königsblau
scheint hell durch Umbra.

© Lena Engelbrecht
148 Dea Dia - Inari
Vorschautext:
Schneeweiße kleine Inari-Kami
vermittelt blitzschnell zwischen Göttern,
im steinernen Inseltempel
zaubert für alle Wesen
aus dem blauen Fuchsfeuer Segen.

© Lena Engelbrecht
147 Bodhisattva
Vorschautext:
Om. Schaue uns bitte an,
Avalokiteshvara,
verstecke uns im unsichtbaren Schilf
bei Gefahren.
Manipadme. Schenke uns bitte
Licht Deiner Seesterne
auf unserer Reise,
Himmelszelte bei der Rast.
Hum. Lass mit tausend Armen
Deinen unendlichen Blumenregen
auf uns niedersteigen
bei Freude.
...
146 Salto impossibile
Vorschautext:
...und manchmal
kommt aus der Metaebene
ein Ruf der Sanduhr-Trommel.
Dann erblühen Kastanienbäume
im September auf dem Hügel
und erstaunte Kolibris irisieren
über dem Schwanensee
unter den Linden.
Eifach so,
als ob es nicht unmöglich wäre
und schon immer so war.
Und mein Mikrokosmos bäumt sich,
...
145 Čiurlionis
Vorschautext:
Wer könnte malen
Gerüche von anderen Sternen,
wo Schmetterlinge zwitschern
auf blauen Korallenbäumen?

Wer könnte schreiben
Meeresmusik aus Funken der Nacht,
die helle Riesen in ihren Händen halten
wie wertvolle Träume?

Wer könnte sehen
die ganze Welt im Augenblick,
...
144 Regenmadrigal
Vorschautext:
Hochsommerliche Ähre
im Ultramarin,
es wurde unbemerkbar Abend.
Es wurde ungeahnte Gnade.
Wasser-Andante
dauerte am Stadtrand,
floss unaufhörlich in Staccato über,
klang im Spätgras aus.
Der unerwartet laute Duft
der Dämmerungs-Levkoje
durchdrang die Straßen und Gedanken
unauslöschlich.
...
143 Weit weg
Vorschautext:
Berghänge am Meer,
der Nebel wird dichter.
Ein weiter Weg,
aber runde Laternen sind überall
auf grauen lautlosen Ästen -
Bergorangen im Spätherbst.

© Lena Engelbrecht
142 Silbertal-Variationen
Vorschautext:
Es war ein Wort, ein Licht,
ein Blick.
Ich dachte nur ich sehe
einen Traum:
es war ein Tag, ein Jahr, ein Leben
in dem Silbergarten.
Ich kletterte auf Bäume
in den Bergen,
ich wollte wissen wo ich wirklich bin.
Ich war am Anfang.

© Lena Engelbrecht
141 Magritte
Vorschautext:
Hinter der Mauer - ein Garten
mit einer weißen Bank.
Hinter der Bank - Apfelbäume,
Äpfel sind auf dem Kiesweg,
auf der Bank, auf dem Rasen.
Hinter den Bäumen - ein Haus
mit dem Kamin, über dem
hängt ein Bild von dem Garten,
dem kleinen Haus, dem Kamin
und einem Bild darüber.

© Lena Engelbrecht
140 Nobless oblige
Vorschautext:
Die Gute Liselotte
war wirklich eine flotte.
Fleißig an der Oboe,
gewandt bei der Gavotte.
Mitnichten Trödelliesel -
ein Gobelin pro Monat
im Lot, mit bunter Schleife,
in munterem Galopp.
Selbst raufgeschleppt zum Burge,
selbst aufgehängt im Turme,
das alles ohne Klagen
und summend "Greensleeves"
...
139 Commedia dell'arte
Vorschautext:
Die Handelsschiffe sind
in der Lagune alle eingetroffen,
der Kaufmann von Venedig ist erlöst.
Der Tod war schon beinahe unvermeidlich,
das Leben ist in diesem Akt
der Preis der Ehre.
Ave Vita.
La Serenissima erstrahlt
erneut zur kalten Jahreszeit.
Galantes Treiben am Kanal
im Garn der Mandoline.
Wie immer heiter bis bewölkt
...
138 In Pastellgold
Vorschautext:
Gott der Verzweifelten der Verlorenen
der Verstoßenen der Du bist
manchmal weinst Du aufgelöst
aus beschlagenen Spiegeln
steigst Du vor verregneten Fenstern auf
mannigfaltig von Anfang an
der Du bist im Beginn und im Ende
Dein pastellgoldenes Lächeln
gilt im Vergehen und Werden allen.

© Lena Engelbrecht
137 Fluss aus Seide
Vorschautext:
Jetzt war sie endlich wieder da,
ihr weißes Kleid bestickt mit Silber.
Sie sprach wie immer wenig, leise,
und lächelte so mild und strahlend
und lauschte dem Laub
wie einem alten Freund.
Dann war sie wieder weg wie immer,
mit einem Wimpernschlag verschwunden,
mit einem Kranichschwarm nach Osten,
dem Chaos und dem Chronos zu entkommen,
meine Minerva, deren Kleid
wie Fluss aus Seide.
...
136 Blumenfest
Vorschautext:
Am elften Anthesterion ist alles anders.
Ein Seeschiff fährt durch das Land
wie durch ein Wunder zum Limnáion.
Wo immer nackte Steine waren
blüht ein Meer aus wilden Tulpen,
Anemonen, Hyazinthen.
Bekränzte Diener werden feierlich bedient
von ihren Herren in erstaunlicher Verkleidung.
Tempel sind verschlossen,
nur der eine ist geöffnet
von der Basilínna an den Choen.
Am Abend wird der junge Wein entfesselt,
...