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Gedichte über Reichtum - Seite 22


Wo der Reichtum regiert (Song)

[Refrain]
Und die Straßen schreien laut nach Gerechtigkeit,
denn wo der Reichtum regiert, ist die Armut nicht weit.
Deutschland geteilt in Arm und Reich,
und keiner da oben sagt: „Wir tragen die Schuld vielleicht.“
Wo der Reichtum regiert, ist die Armut zu Hause,
und das Volk zahlt den Preis – Tag für Tag, ohne Pause.

[Strophe 1]
Armut wächst in den Schatten der Städte,
Tafeln voll, Suppenküchen überfüllt.
Kinderarchen retten, was der Staat längst vergisst,
Hartz‑4‑Aufstocker zählen Münzen, bis der Monat zerbricht.

Kinderarmut – ein Stempel auf kleinen Seelen,
Altersarmut – ein Leben lang geschuftet, doch nichts zum Leben.
Hartz‑4‑Depressionen, Hartz‑4‑Suizide,
ein System, das bricht – und keiner übernimmt die Verantwortung dafür.

[Refrain]
Und die Straßen schreien laut nach Gerechtigkeit,
denn wo der Reichtum regiert, ist die Armut nicht weit.
Deutschland geteilt in Arm und Reich,
und keiner da oben sagt: „Wir tragen die Schuld vielleicht.“
Wo der Reichtum regiert, ist die Armut zu Hause,
und das Volk zahlt den Preis – Tag für Tag, ohne Pause.

[Strophe 2]
Flaschensammler laufen im Neonlicht,
Mülltonnensucher hoffen auf ein kleines Stück Würde.
Bettler, Obdachlose – unsichtbar gemacht,
leben und sterben auf deutschen Straßen,
während die Welt an ihnen vorbeirennt.

Mietwucher frisst die Löhne,
Preiswucher frisst die Hoffnung,
Inflation frisst die Zukunft,
und der Steuerraub frisst das Vertrauen in den Staat.

[Refrain]
Und die Straßen schreien laut nach Gerechtigkeit,
denn wo der Reichtum regiert, ist die Armut nicht weit.
Deutschland geteilt in Arm und Reich,
und keiner da oben sagt: „Wir tragen die Schuld vielleicht.“
Wo der Reichtum regiert, ist die Armut zu Hause,
und das Volk zahlt den Preis – Tag für Tag, ohne Pause.

[Bridge]
Wohlstand für Eliten,
Luxus für Bosse,
Privilegien für Banken, Manager, Finanzkartelle.
Konzerne, Regierungen, Abgeordnete, Beamtenstaat –
alle bedienen sich,
alle profitieren.

Und dann sagen sie:
„Das alles nur zum Wohle des gesamten deutschen Volkes?“
Oder doch eher zum Schaden derer,
die dieses Land tragen –
Arbeitnehmer, Mieter, Kunden, Verbraucher, Steuerzahler.

[Finaler Refrain]
Und die Straßen schreien laut nach Gerechtigkeit,
denn wo der Reichtum regiert, ist die Armut nicht weit.
Deutschland geteilt in Arm und Reich,
doch das Volk erhebt die Stimme –
„Wir tragen die Last – und ihr tragt die Pflicht!“

Wo der Reichtum regiert, ist die Armut zu Hause,
doch wir stehen auf,
wir stehen zusammen,
und wir schweigen nicht mehr.
(Nein! Wir schweigen nicht mehr)
(Wir schweigen nicht mehr)

© Horst Bulla
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Mein Padua

Mein Padua

Das ist meiner zweitliebsten Stadt Verhängnis,
Dass viele ihrer Begriffe so sperrig sind.
Sehenswürdigkeiten kommen in Bedrängnis,
Weil ihre Namen schwer verstehbar sind.

Mein Padua, was hast Du alles geschaffen,
Das wir Heutigen allzu leicht vergessen,
Geist und Kultur, ganz ohne Waffen,
Der Größe Deiner Tradition angemessen.

Da ist Shakespeares Widerspenstige Zähmung,
Auch Goethes Faust und Brechts Galileo Galilei,
Bei denen Du als bedeutende Stadt findest Erwähnung,
In der Nähe Abano Terme, viel weiter weg Pompeji.

An Santos Kirche mit den acht Kuppeln der Basilika
Wurde achtzig Jahre in byzantinischem Stile gebaut –
Für Antonio, davor die Reiterstatue des Gattamelata,
Den das Volk als Verschlagenen längst durchschaut'.

Am Prado della Valle ein sehr großer Markt,
Dort grüßen Berühmtheiten aus Stein.
Und weil die Renaissance mit Giotto erstarkt',
Gehen wir ehrfürchtig zur Scrovegni hinein.

San Giustina ist eine der größten Kirchen der Welt,
Sie hat ständig ihre vielen Besucher und Beter.
Und Galileo Galilei, zum Professor bestellt,
Galt der Katholischen Kirche lange nur als Verräter,

Lehrte an der zweitältesten Universität der Welt,
Dazu gibt’s den ältesten anatomischen Hörsaal.
Nachts sezierte man heimlich, hatte Leichen bestellt,
Denn Hingerichtete gab es ja ohne Zahl...

Padua hat den ältesten Botanischen Garten,
Wo Goethe bereits seine Palme beschrieb.
Stadtstreicher durften im Caffe Pedrocchi erwarten
Wasser, Journale, weil man sie nicht vertrieb.

Lord Byron, Maxim Gorki und viele andere saßen,
Wo 1848 Studenten gegen Österreich konspirierten,
Im Liston konnte man edle Waren anfassen,
Welche immer schon zum Kauf animierten.

Maler wie Tizian und Veronese schufen ihre Bilder,
Die Universität erstrahlte in neuem Glanz,
Wo frisch Promovierte feierten und Schilder
Zeigten uns an, wo des Stadtlebens Tanz.

Als ältester Supermarkt der Welt gilt der Salone,
Er ist Paduas heimliches Wahrzeichen.
Es gab ja nicht nur Don Camillo und Pepone,
Man wollte mit der Kultur auch Größe erreichen.

Der Ponte Molino stammt aus der Römerzeit
Und überspannt Paduas größten Fluss,
Wo Palladio geboren, zur Architektur bereit,
Empfing früh der Musen großartigen Kuss.

Auch Kopernikus weilte in dieser Stadt
Und Paracelsus lehrte an der Universität,
Wo das Geistesleben ständig Aufenthalt hat,
Es bis heute für keine Forschung zu spät.

Da wirkten selbst Bischöfe in großer Zahl,
Auch der liebe Casanova war schon hier,
Wo alles Kulturaura mit freier Wahl,
Der Kunstsinnige hinkommt mit viel Gespür.

Selbst Legenden haben bis heute ihr Leben:
Antonius' Stimme war angeblich so laut,
Dass Dreißigtausend er konnte Botschaft geben,
Worauf er selbst auf Jesus Christus gebaut.

Doch Leonardo da Vincis Fistelstimme
War hoch und erreichte fast keine Studenten.
Die hörte sich an wie die Stimme der Imme,
Deshalb sollten Studenten den Zustand beenden.

Also bauten sie ihm einen Hochstuhl aus Holz –
Den allerersten Lehrstuhl der Welt.
Bis heute erreichen Worte deshalb voll Stolz
Studierende, wenn man da Vorlesungen hält.

Mein Padua ist schon eine großartige Stadt,
Im Augenblick leider ein wenig vergessen,
Wo die Kultur bis heut' Sitz und Stimme hat,
Weil dort Geist und Kunst eigen' Urwesen.


©Hans Hartmut Karg
2021

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Gottlieb Braun

Leute, man nennt mich - Gottlieb Braun
Ich bin der wahrgewordene Traum
Mein Auto ist schnell, die Zähne strahlend weiß
Ich mache mein Geld - aus jedem Scheiß
Meine Eltern zahlten mir - die Privatschule
Sogar dort war ich schon - der Obercoole
Die Mädels und Lehrerinnen wollten Sex mit mir
Mit den Jungs trank ich schon morgens ein Sixpack Bier

Oh Gott, ich bin das Beste der Menschheit
Mit Achtzehn Jahren erreichte ich in der Arbeit
Den Titel Vize CEO von Papi verliehn
Es ist nur normal, dass alle vor mir niederknien

Höre ich Feministinnen herumschreien
Geselle ich mich gleich in ihre Reihen
Ihnen biete ich an, mein bestes Stück
Damit sie wieder Freude empfinden und auch Glück
Rassismus ist für mich schon längst tabu
Ich bin mit einem Neger auf du und du
Er ergänzt farblich meinen Freundeskreis
Sonst wäre der für mein Image viel zu weiß

Oh Gott, was bin ich für ein Prachtexemplar
Für die Frauenwelt wurde endlich ein Wunder wahr
Und ist eine Frau dennoch irgendwann mal weg
Steht die nächste Tussi gleich um die Eck

Beim Umweltdemos steh ich vorderster Front
Mit meinen Privatjets schaffe ich das gekonnt
Den wenn keine Tiere mehr empor sprießen
Auf was soll ich in der Freizeit dann schießen
Lande ich dennoch mal vorm Strafgericht
Ist der Freispruch ja nur förmliche Pflicht
Weil der Richter und ich vor einigen Jahren
Schon damals die besten Bros auf der Uni waren

Oh Gott, oh gott, was bin ich doch fresh
Ich kann mir alles kaufen, ich hab das Cash
Mit Politikern gehe ich gerne jeden Tag mal fort
Mit genügend Spende habe ich sie dann an Bord

Glaubt ihr, dass es mich mal auf die Schnauze haut
Ich würde mich darauf nicht zu sehr vertrauen
Denn die Welt wurde für Leute wie mich gebaut
Leute wie mich den wahren Gottlieb Braun
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