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Gedichte über Reichtum - Seite 10


Wenn das Volk durch die Gassen schreit (Song)

[Strophe 1]
In den Straßen liegen Schatten, die kein Morgenlicht mehr kennt,
Kinder stehen an den Tafeln, weil ihr Hunger niemals pennt.
Alte zählen ihre Münzen, doch der Monat ist zu lang,
und im Amt sitzt ein System, das sie bricht — Stück für Stück, Jahr für Jahr, lebenslang.

Mütter tragen leere Tüten, Väter schweigen ihren Schmerz,
Hartz‑4‑Briefe wie Fesseln, schwer wie Steine auf dem Herz.
Und die Bosse füllen Kassen, während wir die Reste zählen,
und die Eliten trinken Sekt — auf das Volk, das sie bestehlen.

[Strophe 2]
Da sind Bettler an den Brücken, da sind Kinder in den Archen,
da sind Flaschensammler nachts, die durch die kalten Straßen marschieren.
Da sind Menschen an Suppenküchen, die mal Träume hatten, groß,
doch der Preiswucher frisst Löhne, und der Mietwucher frisst das Dach überm Kopf.

Da sind Obdachlose im Winter, die der Frost im Schlaf umarmt,
da sind Mülltonnensucher, deren Würde längst verarmt.
Und am Rand der großen Städte, wo kein Kameralicht mehr steht,
liegen Armutsgräber stumm — weil niemand ihren Namen trägt.

[Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — wir wollen leben, nicht nur überleben,
wir wollen Mensch sein, nicht nur Akten in Behördenregalen kleben.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Mauer aus Schweigen endlich zerreißt.
Gerechtigkeit — für die, die niemand sieht,
für die, die fallen, während oben einer verdient.

[Strophe 3]
Regierungen zählen Zahlen, doch sie zählen keine Tränen,
sie reden von Reformen, doch sie meinen nur ihr eigenes Lehnen.
Sie bauen goldene Paläste aus den Steuern unsrer Not,
und sie nennen es Verwaltung — doch es ist Verrat am Brot.

Sie feiern ihre Diäten, ihre Boni, ihre Macht,
während unten ganze Leben in der Dunkelheit verbracht.
Doch ein Funke wird zur Flamme, wenn die Masse sich erhebt,
und ein Schrei wird zur Bewegung, wenn das Volk zusammensteht.

[Final-Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — für die Kinder, die frieren,
für die Alten, die kämpfen, für die, die verlieren.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Kälte der Welt endlich weicht.
Gerechtigkeit — für die, die niemand hört,
für die, die leben wollen, bevor ihr Leben stirbt.

© Horst Bulla
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Frau Frigg im märkischen Heideland

Die Seuche war ins Haus gekommen,
sie hatte Kind und Kuh genommen,
auch noch die Katze weggerafft
Den Bauer hatte das geschafft!

Nun saß er arm und still am Feuer,
die Zwölften kamen ungeheuer:
der Wind, der fegte um das Haus,
die Tür sprang auf, ihn packt der Graus

Doch draußen in der bitt‘ren Kälte
stand nur ein kleiner armer Welpe
Die Frau, sie holte ihn herein -
Von nun an fiel ein heller Schein

ganz warm und freundlich in ihr Leben
Das Hündlein konnte sie erheben
Ein Jahr, da ging‘s den dreien gut
Dann kam erneut die Zeit, die ruht

Es klopfte drei Mal an die Tür  
Der Bauer hatte ein Gespür
und öffnete der Himmelsfrau
Die sprach: ‚sei ohne Furcht, vertrau,

mein Hündlein fordere ich zwar,
das ich verlor im letzten Jahr
Doch ihr ward ja sehr gut zu ihm
und hattet Böses nie im Sinn

So geb ich euch den Segen drauf
Mit eurem Hof geht's nun bergauf!'
Frau Frigg, sie rief den Hund zurück
Der sprang zu ihr und war verzückt

Das neue Jahr bracht' reiche Ernte
Das Unglück sich fortan entfernte
Viel Kälber gab es, Ferkel, Lohn
- und sogar noch einen Sohn


Zu einer alten Sage in der Zeit der Rauhnächte, den 12 geweihten Tagen zwischen dem Mond- und dem Sonnenjahr, die eine Zeit der Ruhe und der größeren Durchlässigkeit zwischen Himmel und Erde waren. Frigg(a), die Frau Odins,  ist die nordische Göttin des Herdfeuers und des Haushaltes, die in Deutschland in der Holle und ihren Parallelgestalten weiterlebte. Sie ging in dieser Zeit durch die Lande und sah nach dem Neuanfang. - Die märkische Heide liegt in Brandenburg.
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