Wenn das Volk durch die Gassen schreit (Song)
Ein Gedicht von
Horst Bulla
[Strophe 1]
In den Straßen liegen Schatten, die kein Morgenlicht mehr kennt,
Kinder stehen an den Tafeln, weil ihr Hunger niemals pennt.
Alte zählen ihre Münzen, doch der Monat ist zu lang,
und im Amt sitzt ein System, das sie bricht — Stück für Stück, Jahr für Jahr, lebenslang.
Mütter tragen leere Tüten, Väter schweigen ihren Schmerz,
Hartz‑4‑Briefe wie Fesseln, schwer wie Steine auf dem Herz.
Und die Bosse füllen Kassen, während wir die Reste zählen,
und die Eliten trinken Sekt — auf das Volk, das sie bestehlen.
[Strophe 2]
Da sind Bettler an den Brücken, da sind Kinder in den Archen,
da sind Flaschensammler nachts, die durch die kalten Straßen marschieren.
Da sind Menschen an Suppenküchen, die mal Träume hatten, groß,
doch der Preiswucher frisst Löhne, und der Mietwucher frisst das Dach überm Kopf.
Da sind Obdachlose im Winter, die der Frost im Schlaf umarmt,
da sind Mülltonnensucher, deren Würde längst verarmt.
Und am Rand der großen Städte, wo kein Kameralicht mehr steht,
liegen Armutsgräber stumm — weil niemand ihren Namen trägt.
[Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — wir wollen leben, nicht nur überleben,
wir wollen Mensch sein, nicht nur Akten in Behördenregalen kleben.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Mauer aus Schweigen endlich zerreißt.
Gerechtigkeit — für die, die niemand sieht,
für die, die fallen, während oben einer verdient.
[Strophe 3]
Regierungen zählen Zahlen, doch sie zählen keine Tränen,
sie reden von Reformen, doch sie meinen nur ihr eigenes Lehnen.
Sie bauen goldene Paläste aus den Steuern unsrer Not,
und sie nennen es Verwaltung — doch es ist Verrat am Brot.
Sie feiern ihre Diäten, ihre Boni, ihre Macht,
während unten ganze Leben in der Dunkelheit verbracht.
Doch ein Funke wird zur Flamme, wenn die Masse sich erhebt,
und ein Schrei wird zur Bewegung, wenn das Volk zusammensteht.
[Final-Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — für die Kinder, die frieren,
für die Alten, die kämpfen, für die, die verlieren.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Kälte der Welt endlich weicht.
Gerechtigkeit — für die, die niemand hört,
für die, die leben wollen, bevor ihr Leben stirbt.
© Horst Bulla
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