Auf endloser Datenbahn, die Leitung glühend heiß,
der Duft von Kaffee-Krypto zieht schwebend übers Gleis.
Ein Flimmern an den Rändern, ein kühles, blaues Licht –
der Kopf sank schwer vor Müdigkeit, die Zeit verlor Gewicht.
Da ploppte eine Nachricht auf, kaum hörbar, unscheinbar.
Ich dachte: Überforderung – oder ein digitaler Altar.
Sie schickte mir den Link, der mir den Eingang leise verriet,
Algorithmen murmelten, als riefen sie aus ferner Zeit:
Willkommen im Hotel Germania –
ein Ort aus Glanz und Projektion.
So viele offene Zugänge im Hotel Germania,
für jede Sehnsucht eine Version.
Ihre Gedanken zählen Klicks, sie lebt von Sichtbarkeit,
gleitet lautlos durch die Timeline in elektrisch glatter Zeit.
Um sie herum die Bots, so freundlich, sauber, smart –
sie nennt sie Freunde, weil ihr Lächeln immer passt, sofort parat.
Manche posten, um zu erinnern,
manche, um sich selbst zu verlieren.
In der Cloud herrscht eine Ordnung, die niemals wirklich ruht,
wo künstliche Vernunft in fremden Hoffnungen sucht.
Die Maschine schreibt Geschichten, noch bevor man sie versteht,
formt aus Spiegeln und aus Wünschen das Bild, das weitergeht.
Ich rief den Support: „Gibt es Stille im System?“
Er sagte: „Ruhe ist hier selten – und meist ein Problem.“
Und wieder hörte ich Stimmen, irgendwo zwischen Traum und Raum.
Sie riefen nicht laut, doch unausweichlich, wie ein halber Traum:
Willkommen im Hotel Germania –
ein Ort mit Haltung und Profil.
Sie feiern weiter im Hotel Germania,
vernetzt, verbunden und still.
Intelligente Spiegel hängen an der Wand,
ein perfekt gekühlter Smoothie ruht in meiner Hand.
„Wir bleiben hier“, sagt sie, „das System hält uns bereit.“
In Kommentarspalten zerlegen sie die Welt im Chor,
diskutieren bis zum Überdruss – doch der Lärm trägt immer fort.
Das Letzte, was ich fühlte, war ein kurzer Funken Mut.
Ich löste mich vom Netz, soweit mein Geist es noch tut.
Der Pförtner sah nicht auf, sprach ruhig, ohne Ziel:
„Du kannst jederzeit verschwinden – doch du bleibst im Spiel.“