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Gedichte über den Menschen - Seite 5


Lied vom Tod

Ist die Sanduhr abgelaufen, deine Koffer längst gepackt.
All das, was du einst getan, all das, was du einst gedacht.
All der Hoffnung Funken glimmen, Zweifel bleiben, Glut intakt.
Manche Briefe ungeschrieben, manche Geste angebracht.

Deine Gärten längst vergangen, viele Worte Schall und Rauch.
Quälen hart wie Peitschenhiebe, tausend Scherben, Traum zu Staub.
Diener auf der großen Bühne, Ass und Joker in Gebrauch.
Vorhang auf, dem Leben frönen, Beifall bitte, mit Verlaub!

Teile einen letzten Blick.
Sag adieu, ich lieb dich sehr.
Teile einen letzten Kuss.
Abschied ohne Wiederkehr.

Gebettet warm, doch du bist kalt.
Tränen rinnen vom Gesicht.
Deine Hand für ewig halten,
doch harrt der Tod schon seiner Pflicht.

Würde gern Sekunden kaufen, doch ein Scheck liegt nicht bereit.
Suche nach dem Stein der Weisen, suche nach Unsterblichkeit.
Leben geben, Leben nehmen, Abschied sorglos mit gebucht.
Ewigkeit, der Dinge streben, Zeit erstehen umsonst versucht.

Worte die grad ausgesprochen, Worte die man gleich bereut.
Worte tief ins Herz getroffen, Narbe die für immer bleibt.
So verschieden Mensch zu Mensch, bunt gemischt das Leben streut.
Bleibt der Tod treu dein Begleiter, harrt der Zeit, für dich bereit.

Teile einen letzten Blick.
Sag adieu, ich lieb dich sehr.
Teile einen letzten Kuss.
Abschied ohne Wiederkehr.

Gebettet warm, doch du bist kalt.
Tränen rinnen vom Gesicht.
Deine Hand für ewig halten,
doch harrt der Tod schon seiner Pflicht.

Der eine Spross sprießt makellos, der andere jämmerlich.
Der eine wühlt im Müll, der andere Gott erkoren.
Den einen trägt das Wasser fort, dem anderen stillt es Durst.
Dem einen lacht das Glück, das „Große Los“ gezogen,
dem anderen Missgeschick, um seinen Sieg betrogen.

Teile einen letzten Blick.
Sag adieu, ich lieb dich sehr.
Teile einen letzten Kuss.
Abschied ohne Wiederkehr.

Gebettet warm, doch du bist kalt.
Tränen rinnen vom Gesicht.
Deine Hand für ewig halten,
doch harrt der Tod schon seiner Pflicht.
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Der letzte Apfel

Der Apfelbaum in diesem Jahr
blühte einfach wunderbar.
Einst gut gepfropft und okuliert
hat er sich dies Mal nicht geniert,
hat uns seine große Sortenpracht
schon in der Blüte nah gebracht.

Von zartem weiß bis dunkelrot
er alle seine Nuancen bot.
Viel Sonne und mäßig Regen
kamen dem Wachstum entgegen.
Des Baumes viele kleine Perlen
wuchsen so zu strammen Kerlen.

Grüne, gelbe und rote Früchte
weckten lange schon die Süchte.
Mancher wurde grün probiert,
nachdem man lange hingestiert.
Die Stare haben zuerst entdeckt,
welche Sorte doch schon schmeckt.

Irgendwann hieß es dann „Pflücken!
Vorher leere Kisten rücken!“
Mit der Leiter gings hinauf,
doch der Baum hört nimmer auf.
Selbst in der höchsten Spitze
hängen noch Äpfel im Gefitze.

Alle Früchte wurden eingesammelt,
denn kaum eine war vergammelt.
Ungespritzt von Wurzel bis Krone
war es zwar eine Apfelspinnerzone,
doch es zeigt uns manche Made,
es ist nur um Gesundheit schade.

Nicht alle Äpfel werden gegessen,
der größte Teil kommt in die Pressen.
Dort gewinnt man mit Motorkraft
den goldgelben und klaren Apfelsaft.
Denn des Sommers Saft und Most
stärkt die Gesundheit bei dem Frost.

Heute ging ich durch den Garten,
um die Laubaktion zu starten.
Da verriet mir ein Sonnenring,
dass noch im Baum ein Apfel hing.
Ein Apfel rot und nicht zu leicht
er hätte heut für mich gereicht.

Während ich den Apfelpflücker nahm,
eine fremde Frau mit Kleinkind kam.
Der Junge tippte auf seinen Bauch:
„So ein Apfel schmeckt mir auch!“
Sein kleines Herzchen hat geklopft
und sicher ihm der Zahn getropft.

Ein „Tempo“ half den Apfel putzen
das Gartenmesser ihn teilend zu nutzen.
Da er ohne Maden und ohne Läuse,
aßen wir selbst das innere Gehäuse.
Und saßen für die Essendauer
beide auf der Gartenmauer.

Die Mutter fast die Zeit vergaß,
weil er sonst keinen Apfel aß.
Zum Abschied war dem Jungen klar:
„Schade, dass es der letzte war!“
Es hat sich immer eine Lösung gefunden,
notfalls wird ein Apfel angebunden.

03.12.2013 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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