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Gedichte Über Meer - Seite 69


Nordsee Impressionen

Nordsee- Impression.
www.leitheim-gedichte.de
Nr. 587
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Auf der Nordsee Stürme stoben
Sturm die Segel hat zerfetzt,
Meterhoch die Wellen wogen
eingeholt schon lang das Netz.
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Pumpend sie zum Hafen ziehen
denn die Küste ist schon nah,
So dem Sturm dem Meer entfliehen
doch der Fang recht reichlich war.
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Möwen Kutters, Ritt begleiten
durch das brausend tosende Meer,
hungrig ihre Schnäbel weiten
Zug zum Hafen geht einher.
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Viele schwingen nun heran
bis sie mächtig, großer Schwarm,
wenden sich und steigen auf
Möwen Rufe, da zu Hauf.
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Heftig tobt das raue Meer
weitere Schiffe ziehn einher,
schwerbeladen, groß der Fang
reichts zum Hafen Frage bang.
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Tückisch, gelblich Wolke strebt
schiebt sich über Himmels Grau,
Windsturm übern Deich nun fegt
und die Möwen schreien Laut.
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Beifang sich ins Meer ergießend
Zinn grau Wolkenfetzen fließen,
polternd Anker, Schlamm aufwühlt
Wellenbug zum Ufer wiegt.
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Feucht vibrierend Wasser, Luft
salzig schmeckt der Algenduft,
Kähne träg von Schiffbauch, Lasten
weiterhin noch Ladung fassen.
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Wellen schwappen hin zum Hafen
wogende Boote die dort warten,
Himmel nun sein Gelb entlädt
Hagelschauer nieder strebt.
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Doch gerettet Schiff und Mann
heil am Hafen kam noch an,
doch manch Seemann aufgewühlt
da sein Tod er schon gefühlt.
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Peter Leitheim Gedichte
In Lichtenstein / württ.
Deutsche Gedichte Bibliothek.
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Grenzgänger Natur

Der Trockenwald atmet schwer,
doch er atmet.
Unter seinen Wurzeln liegt die Tiefe der Torfschichten,
schwarz und kühl,
tausende Jahre alt —
ein Archiv der Erde.

Fester Boden unter den Füßen,
doch nichts daran ist wirklich fest:
Jeder Schritt ruht auf Geschichten
aus unvollständig verrottetem Holz,
auf Wesen,
deren Spuren in der Dunkelheit lagern,
auf Pflanzenresten,
die das Wasser einst trug
und dann bewahrte.

Der Grundwasserspiegel,
salzig im Ton,
meerähnlich in seinem Klang,
lagert Kohlenstoff ein,
5000 Jahre tief
und still wie ein Versprechen,
das nie gesprochen wurde.

Hier,
oberhalb des Blätterdachs,
an der Grenze zwischen Wald und Himmel,
steht ein Ökosystem,
das Monate — nein, Jahre —
für eine einzige Veränderung benötigt.
Und doch kann es in einem Sommer
verloren gehen.

Trockenwälder und Moore:
Zwei Welten,
die Wasser brauchen,
um Feuer zu zähmen
und Zeit zu speichern.
Sie sind die leisen Klimapuffer,
die selten besungen werden —
aber sie tragen die Last.

Moorpflanzen wie Torfmoose
halten das Vielfache ihres Gewichts an Wasser,
bremsen Brände,
filtern Licht,
speichern Kohlenstoff
in einer Geduld,
die menschliche Lebensspannen übersteigt.

Zwischen ihnen leben Arten,
die nur hier entstehen konnten:
Wurzelpilze,
Moorlibellen,
Sonnentau,
Moorbirken,
und Kleinstlebewesen,
die ganze Nahrungsketten tragen
und dennoch namenlos bleiben.

Je mehr wir wissen,
desto klarer wird:
Dieses Ökosystem steht nicht nur
vom Aussterben bedroht —
es ist bereits im Rückzug begriffen.
Jeder abgesenkte Wasserspiegel
öffnet ein Tor für Feuer,
jeder Hitzetag beschleunigt den Zerfall
jahrtausendealter Kohlenstoffspeicher.

Doch Wissen ist ein Werkzeug,
ein Hebel,
ein Anfang:
Je genauer wir verstehen,
wie Torf entsteht,
wie Wasser wandert,
wie Arten sich verweben —
desto besser können wir schützen,
was uns schützt.

Und so bleibt der Trockenwald
kein sterbender Ort,
sondern ein Lehrmeister:
ein stiller Gigant,
dessen größte Stärke
die Erinnerung der Erde ist.


© Marcel Strömer
[23.11.2025]
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