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Gedichte über das Leben - Seite 312


Aber bitte mit ohne

Was wär in dieser weiten Welt
der Himmel ohne Sternenzelt?
Und ohne Sonne, ohne Licht? -
Wir alle existierten nicht.

Was wär'n Gebirge ohne Täler,
was wären Wahlen ohne Wähler?
Was wär Genie, das nur so heißt,
was wäre Einstein ohne Geist?

Was wäre Ostern ohne Eier,
die Bundesliga ohne Bayer?
Die Feuerwehren ohne Spritzen,
ein volles Euter ohne Zitzen?

Was wärn Kamele ohne Wüste
und stramme Mädchen ohne Brüste?
Ein Grandhotel ganz ohne Diebe,
was wär ein Brautpaar ohne Liebe?

Was wär die Wallstreet ohne Börse
und was ein Dichter ohne Verse?
Was wärn Musiker ohne Noten,
ein scharfer Krimi ohne Toten?

Was wären Muttern ohne Schrauben,
was wär Venedig ohne Tauben?
Was wären Schotten ohne Röcke
und eine Mühle ohne Säcke?

Was wär ein Segler ohne Masten,
und ein Piano ohne Tasten?
Was wären Tage ohne Stunden
und Supermärkte ohne Kunden?

Was wäre Sex heut ohne Pillen,
was wäre Fielmann ohne Brillen?
Was wär ein Bierfreund ohne Bauch
und Millionäre ohne Jauch?

Was wären Ketten ohne Glieder,
was ist ein Mietshaus ohne Mieter?
Was wären Blumen, die nicht blühten,
was wär ein Flugzeug ohne Tüten?

Was wär ein Zahnarzt ohne Zahn
und Meißen ohne Porzellan?
Was wär \'ne Glucke ohne Kücken,
und Eheleute, die nicht --- stricken?

Was wär Schneewittchen ohne Zwerge,
was wärn die Alpen ohne Berge?
Ein Spuk, vor dem es keinen graust,
was wäre Goethe ohne Faust?

Was wär Antike ohne Griechen
und alte Socken, die nicht riechen?
Was wär ein Pilzwald ohne Pilze
und Bratkartoffeln ohne Sülze?

Was wär ein Garten ohne Bohne,
ein Strandbad ohne "oben ohne"?
Was wär die Liebe ohne Kuss
und eine Dichtung ohne Schluss?
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Neue Länder

Die Tage gleichen sich so. Ich versuche klar zu
kommen. So mit Allem. Mit Behinderung. Mit
Krankheit. Mit Einsamkeit. Ich sitze am Com-
puter und spiele so rum. Ich sitze am Fenster
und trinke Tee. Ich gehe Einkaufen. Ich gehe in
Cafes. Und hin und wieder finde ich hinter all
dem etwas. So dieses Denken: "So die Ideen die
Wahrheit werden! Die Sätze nur aus Farben!
Die Bilder nur aus Licht! Die Wege nur aus
Wissen!“ Und ich bin Gut! Und ich bin Schön!
Und ich bin Liebe! Und ich bin alles Leben!

Die Tage gleichen sich so. Ich sitze irgendwo.
Und bin Erinnerung an andere Länder. Und bin
Erinnerung an alte Freunde. Und höre Musik.
Und mache Pläne. Und vergesse so was ist. So
alles mit Rollstuhl. Alles mit Tabletten und
Krankheit. Und lasse es so geschehen das Leben.
Mit Gedanken die mich Berühren. Mit Worten
die Freunde werden. Mit Licht das mich nicht
allein lässt. Und hin und wieder finde ich hinter
all dem etwas. So einen Traum: „Leben wahr
wie ein Spiegel. Tage still wie eine Umarmung.
Wissen, das sich allen Blicken offenbart.

Die Tage gleichen sich so. Irgendwie gebe ich
nicht auf. Irgendwie finde ich immer wieder
Kraft. Irgendwie komme ich immer wieder Klar.
Und hin und wieder gelingt es: „Ein Lied mit
dem ich über allem fliege! Einen Tee mit dem einige
Sekunden vollkommen sind. Eine Stunde die mir
alles Leben erklärt. Einem Lächeln, mit dem ich
wieder die Liebe finde. Und hinter all dem was
verloren ist tanzen ein paar Engel. Und hinter
all dem was ich weiß, entdecke ich neue Wünsche.
Und hinter all dem was ich noch will, betrete
ich neues Leben.

Klaus Lutz

4/2011
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