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Gedichte über das Leben - Seite 1803


Die Zeitung

Ich bin der Mann, der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor es die Post gibt.
Noch, bevor die Werbung kommt.
Noch, bevor andere Nachrichten da sind.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über die Kriege auf der Welt!
Mit Artikeln,
über die Ökonomie auf der Welt!
Mit Artikeln,
über die Politik auf dieser Welt!
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe sie nur zu den Leuten.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Kriege beenden.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Ökonomie begreifen.
Und ich weiß,
einige Leser werden die Politik verändern.
Einfach, in dem sie lesen. Und nachdenken.
Und mit anderen Menschen reden.
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung.
Ich bringe auch das,
mit dem Sie sich wehren können.
Ich bringe Ihnen die Sprache.


Ich bin der Mann der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor die Leute wach sind.
Noch, bevor die Leute geredet haben.
Noch, bevor die Leute etwas getan haben.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über die Geburt von Menschen
Mit Artikeln,
über den Tod von Menschen
Mit Artikeln,
über die Hochzeit von Menschen.
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe sie nur zu den Leuten
Und ich weiß,
einige Leser werden das Leben neu lieben
Und ich weiß,
einige Leser werden die Welt neu lieben
Und ich weiß,
einige Leser werden den Mensch neu lieben.
Einfach indem sie lesen. Und Nachdenken!
Und sich mit anderen Menschen treffen.
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung.
Ich bringe auch das,
mit dem Sie das Leben begreifen.
Ich bringe Ihnen die Sprache.


Ich bin der Mann, der die Zeitung bringt.
Ich stehe Morgens an den Briefkästen.
Noch, bevor die ersten Autos fahren.
Noch, bevor die Sonne aufgeht.
Noch, bevor das Leben beginnt.
Und werfe die Zeitung ein.
Mit Artikeln,
über neue Bücher die alles verändern.
Mit Artikeln,
über neue Erfindungen die alles erleichtern!
Mit Artikeln,
über neue Erkenntnisse die alles verbessern!
Ich schreibe keinen dieser Artikel.
Ich bringe Sie nur zu den Leuten.
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert die Welt
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert das Leben
Mit dem Wissen,
einige Leser interessiert der Mensch.
Einfach in dem sie Lesen. Und nachdenken.
Und auf andere Menschen zugehen
Und dann auch mich richtig sehen.
Ich bringe nicht nur die Zeitung!
Ich bringe auch das,
was die Welt retten könnte.
Ich bringe Ihnen die Sprache.

Klaus Lutz
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Ich Du Wir

Gemeinsam sind wir stark!

Gemeinsam könnten wir einer Überzeugung folgen,
um im Leben Sinn und Ziel zu haben
damit wir,
durch unerschöpfliche,
manchmal anspruchsvolle Gaben,
die für uns am Weg dahin getragen,
lernen
und Bewusstheit erlangen,
ohne im Anderen die völlige Hingabe
im gemeinsamen Wir zu verlangen.
Das Ich muss folgen seinem eigenen Weg,
seiner eigen sich gestellten Aufgabe,
damit die Seele sich
an ihrer Bestimmung erlabe.

Was macht uns gemeinsam stark?

Sich gegenseitig Halt zu geben
und sich zu tragen,
oder Bauch an Bauch zu stehen,
die Augen zu schauen
und sich im Anderen zu sehen?
Oder im Anderen zu erkennen,
was er seinem Wesen nach ist,
ein auf zwei Beinen stehendes, individuelles Gerüst,
welches lernen sollte,
sich durch Anstrengung selber zu halten,
denn nichts kann in der Natur auf zwei Beinen walten,
ohne das nötige sich Einbringen
durch achtsames Balancieren ins Gleichgewicht einzuschwingen.
Den Ausgleich so zu schaffen,
nicht erbarmungslos
mit der sich verlierenden Balance
in Schwere und Leere dahin zu raffen.

Oder gar Rücken an Rücken
der eine fallend,
der andere haltend
vertrauensvolles auf einander Schalten und Walten,
obwohl man weiß,
einer kann das Halten nicht loslassen
da sonst,
er würde Zeuge sein,
wie der sich fallen Lassende fällt
in die unaufhaltsame Leere hinein.
Das nennt sich ein Wir und gemeinsame Stärke,
wenn Abhängigkeit ist am Werke?

Das Wir zu gestalten ist eine große Kunst,
die Einigkeit mit der Besonderheit in der Zweisamkeit,
gemäß eines Perpetuum Mobile,
welches aus sich heraus,
dem eigenen Motore,
die Figur in Bewegung hält,
ohne zu bremsen
ohne zu schalten,
nichts zu fordern
oder das schon Erreichte nur noch zu verwalten,
sondern allein die Bewegung sich im Flusse hält,
um Veränderungen in sich zu gestalten.

Mit jeder Bewegung mag die Veränderung kommen,
mit jeder Veränderung mag das Wir erkennen
dass es braucht,
das Ich und Du im eigenen Schuh.
Das Wir kann und sollte nicht blieben
Im festen, starren und unbiegsamen Verharren.
Nur durch das immer wieder Schwindende und Flüchtige,
das Ziehende und Vergehende,
daraus neu Entstehende,
kann das Ich und Du,
gemäß seiner Aufgabe vortrefflich wachsen,
um an einem neune Wir anzuzapfen.


07/12
Solyluna
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