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Gedichte über Hochzeit - Seite 24


Das Auge

Und wieder hat die Zukunft nicht
genügend Raum mehr für ein Morgen,
da wir uns hundertmal begegnet
ganz ohne Eile grenzenloser Zeit.
Uns sagten: Warum jetzt, da ich liiert
und du als Mutter bist gebunden?
Da wir uns heut und hier gefunden,
auch morgen noch ist's früh genug.

Sofort erkannt ich dein Gesicht
und musst mir selbst kein neues borgen,
sind wir verflucht, sind wir gesegnet,
durch praller Leben Freud und Leid
zu kennen uns ganz ungeniert,
mag sein schon seit Äonen
aus grauer Zeit der Pharaonen,
und brachten's nie zu Recht und Fug.

Betraten nicht den Garten,
der Himmel kann noch warten,
die Hölle und die Erde,
bis all's vollendet werde,
wenn endlich wir zuletzt vereint,
so wie's von Anbeginn gemeint.

Wer will uns das befehlen,
wer mag die Lebenszeit uns stehlen,
so vieles gibt es zu erfahren,
für uns, die wir vertraut uns waren,
bevor wir uns gesehen,
die wir uns können nicht entgehen?

Und haben's wieder mal versäumt,
nun schau uns an, was ist geblieben,
was haben wir aus uns gemacht?
Zu Schatten unsrer selbst geworden,
gefunden uns am letzten Ort,
an dem's noch möglich schien,
wir sehen jetzt die Wolken ziehn
bald wie ein Wurm, der sich da windet.

Ein letztes Mal uns aufgebäumt,
da hier die Zwölf und dort die Sieben,
der Tag so kurz, so lang die Nacht,
ob nun im Norden oder Süden,
wär nur die Neun für immer fort!
Allein die Sehnsucht, die uns bleibt
und flüsternd zwischen Zeilen schreibt,
da plötzlich uns so kostbar scheint,
was tief in unsren Seelen weint
und wieder nicht Erfüllung findet.
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