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Gedichte über das Geld - Seite 6


Die Seele ist nicht käuflich

Blättert man durch Internetsachen
muss man mehr weinen, als lachen.
Da gibt es doch einige Irrwegsläufer,
die nennen sich Seelenverkäufer.

Seelenverkäufer waren einst Schiffe,
die altersschwach wogten an Riffe.
So etwas soll es heute noch geben,
wenn Afrikaner nach Europa streben.

Die Seele meldet sich zwar zuweilen,
doch sie hat weder Spalten noch Zeilen.
Sie ist weder schwarz noch weiß
und sie meldet sich nicht laut, nicht leis.

Ohne die Seele kann man nicht sein,
sie transplantiert aber kein Chefarzt ein.
Sie hat kein Konto auf einer Bank
und keine Werbung mittenmang.

Die Seele ist zwar sehr reich,
doch keine ist der anderen gleich.
Jede Schule wird von ihr besucht,
sie ist dabei, wenn man betet und flucht.

Sie kann nicht wie wir erkranken,
und muss auch niemand danken,
selbst in der allergrößten Not,
wenn es mangelt an Wasser und Brot.

Sie fährt mit auf Straßen und Wegen,
um sich im größten Verkehr zu bewegen.
Sie kennt weder Alkohol- noch Drogensucht,
aber existiert nicht mehr, wenn man sie sucht

Sie fällt bei der Arbeit mit vom Baum
und Gesetze hindern sie kaum.
Sie liegt dann sehr ruhig und nett
beim Patienten mit im Pflegebett.

Sie fliegt mit Astronauten durchs All
und stürzt mit ab im seltenen Fall.
Sie schwebt nur durch die Luft,
ohne Gestank oder lieblichen Duft.

Die Seele mag Tiere, egal wir groß,
Wale im Wasser und die Katz auf dem Schoß.
Sie ist unverletzbar, beim Unfall und Raufen,
doch eine Seele kann man nicht kaufen.

29.03.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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Die Tücke mit der Lücke

Das Einkaufsnetz, von Oma selbst gehäkelt, es ist stabil und hält,
an dem wird nichts bemäkelt. Ganz ohne Ösen und auch Laschen passt es in alle Hosentaschen. Du nutzt es schon seit dreißig Jahren und willst es sorgsam aufbewahren.
Viel besser ist’s als Plastiktüten, drum wirst du’s pingelig behüten.
Es hält, da wag ich jede Wette, nach jenem Urgesetz der Kette:

Zwar ist da nichts als Loch an Loch - und es hält doch.
Das Omanetz erklärt dein Leben. Nichts lief perfekt. So war es eben.
Das ist des Menschen Daseins Tücke. Hier half dir stets - der Mut zur Lücke.
In deinen Schränken gibt es Kleidungsstücke, die du nicht magst.
Was du beklagst. So manches, das du einstmals heiß begehrt, es stand dir nie.

Drum ist es nicht verkehrt, wenn du dir wünschst, ganz frei von Ironie,
sie kämen dir alsbald abhanden. Als erstes fragst du die Verwandten.
Sie winken müde ab und sagen, den ollen Kram woll’n wir nicht tragen.
Du kannst die Sammelwut besiegen, wenn du das ungeliebte Zeug in große Tüten
packst und hin zum Roten Kreuz nun schaffst.

Und nach vollbrachter Tat, da stehst du vor halb leerem Schrank und seufzt
erleichtert - Gott sei Dank. Und denkst, o Wunder, jetzt hast du Platz für neuen
Plunder, du klopfst dir stolz an deine Brust nach dieser scheinbar guten Tat
und hältst ein Eigenlob parat. Wie sehr du deinen Nächsten liebst,
wenn du ihm so was Tolles gibst!

Doch hast du’s eigentlich gewusst, nun heuchle nicht, du seiest gekränkt.
Viel eher solltest du’s bejammern - ein Teil nur landet in den Kammern, wird
an Bedürftige verschenkt. Hier geht’s wie meistens in der Welt doch nur um Geld.
Denn was passiert mit unsren eh’mals teuren Sachen?

Die edlen Stücke werden bald schon second hand gehandelt.
Die schlechten durch den Wolf gedreht in Garn verwandelt. Es geht
hier um’s Geschäftemachen. Nein, da gibt’s wirklich nichts zu lachen.
Denn wieder wird betrogen und gedealt. Der Rubel rollt, es wird auf Zeit gespielt.

Der Rest der abgelegten Kleider landet in Hungerländern, leider.
Und wieder Händler sich ins Fäustchen lachen, die sich nicht schämen,
selbst mit den Ärmsten dieser Welt noch ein Geschäft zu machen. Doch kennst
du auch die wahre Ironie? Ich weiß, du hast davon gehört:
Textile Industrie vor Ort wird so zerstört.

Nun sag mir bitte, wo bleibt deine Ethik? Kannst du dich wirklich
schmücken mit dieser Art von Garderobenlücken?
Und wo bleibt schließlich die Ästhetik?
Sah’n sie nicht schöner aus in herkömmlichen
Gewändern – als in dem Ramsch aus unsren Ländern?

Ich will’s beklagen, möglichst laut:
Fühl mich nicht wohl in meiner Wohlstandshaut.









©M.M.
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