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Gedichte über Gefühle - Seite 2553




Zu nah, um loszulassen

Es ist merkwürdig, wie schnell alte Nähe wieder auftaucht. Wir sind längst getrennt und trotzdem landen wir wieder zusammen im Bett. Nicht, weil wir glauben, dass alles wie früher ist. Eher weil zwischen uns etwas hängt, das wir beide nicht richtig greifen können. Es fühlt sich warm an und gleichzeitig ein bisschen verloren. Und jedes Mal frage ich mich, was das eigentlich bedeutet. Ob es nur Erinnerung ist oder ein Rest von etwas, das nie wirklich zu Ende ging.

Und trotzdem passiert es wieder. Vielleicht weil wir wissen, wie der andere sich bewegt, wie man sich berührt, ohne viel reden zu müssen. Es ist vertraut, ein bisschen falsch, ein bisschen richtig. Wir sprechen kaum darüber, wahrscheinlich weil Worte alles nur schwerer machen würden oder weil wir beide Angst haben, dass ein Gespräch uns zwingt, Entscheidungen zu treffen, auf die keiner von uns vorbereitet ist.

In diesen Momenten genieße ich, dass es keine Mauern gibt, keine Distanz. Ich kann einfach loslassen, mich fallen lassen, so wie ich wirklich bin. Kein Verstecken, keine Schutzschicht. Es tut gut, einfach da zu sein, neben ihr, diese Nähe zu spüren, ohne dass wir etwas erklären oder rechtfertigen müssen. Es fühlt sich klar und ehrlich an, auch wenn es gleichzeitig so kompliziert ist.

Danach liege ich oft da und denke nach. Nicht über richtig oder falsch. Eher darüber, wo wir eigentlich stehen. Wir sind nicht zusammen, aber ganz los sind wir eben auch nicht. Es fühlt sich an wie ein Faden, der immer noch zwischen uns hängt, auch wenn er längst dünn geworden ist. Ich weiß nicht, wohin das führt. Vielleicht ist es nur ein letzter Rest Nähe, den keiner von uns so einfach wegwerfen kann. Vielleicht ist es ein Übergang. Oder ein Abschied in Etappen. Aber im Moment ist es einfach das, was es ist warm, verwirrend, schön und schwer loszulassen.

Manchmal scheint es, als würden wir diese körperliche Nähe wie einen kleinen Schutzraum nutzen. Für ein paar Stunden gibt es keine Zukunftspläne, keinen Streit, keine alten Verletzungen. Nur uns zwei, die sich sehr gut kennen und trotzdem nicht wissen, wie sie zueinander stehen sollen.

Doch sobald der Alltag zurückkommt, drängen die Gedanken wieder nach vorn. Ob ich mir damit selbst schade. Ob ich an etwas festhalte, das längst vorbei ist. Oder ob es vielleicht doch ein Zeichen ist, dass nicht alles verarbeitet ist. Ein Teil von mir will Klarheit, der andere genießt genau diese verschwommene Nähe, die sich vertraut und gleichzeitig unverbindlich anfühlt.

Vielleicht ist es nur ein letzter Rest von uns. Vielleicht ein Abschied in Zeitlupe. Vielleicht einfach das, was gerade noch bleibt. Ich genieße diesen Moment, die Nähe, das Gefühl, ohne Mauern und Distanz einfach ich selbst sein zu können. Und doch weiß ich, dass es nicht richtig ist. Dass wir irgendwann eine Entscheidung treffen müssten, weil beides festhalten und loslassen auf Dauer weh tut. Es ist ein Augenblick zwischen Wärme und Schmerz, zwischen Vertrautheit und der Ahnung, dass wir uns eigentlich selbst im Weg stehen. Und genau dieser Moment macht alles so intensiv und schwer.


Noch einmal, warum war und ist immer noch mein Ex-Mann mein Traummann

Er war anders wie andere junge Männer.
Gut, damals war ich noch kein Kenner.
Aber ich sah, etwas in ihm, was niemand sah.
Da war eine gewisse Arglist da.

Aber auch etwas schüchternes war anwesend.
Manchmal war es so, als würde er neben sich stehen.
Irgendetwas Geheimnisvolles war in seinem Leben.
Zuerst wollte ich seine Schüchternheit nehmen.

Dies war eine sehr schwierige Aufgabe.
Denn er selbst hatte eine Gabe,
seine eigenen Problemen zu verheimlichen.
Nur ab und zu ist ihm etwas entwichen.

So wusste ich, er wurde als Kind missbraucht.
Eine ähnliche Aussage ist auch bei meiner Mutter aufgetaucht.
Dadurch wurde dieser Mann für mich noch interessanter.
Vergessen machen wollte ich ihm diese Schandtat.

Gefunkt so richtig hat es, da war ich erst 14 Jahre alt.
Auch bei ihm schien es klick gemacht zu haben
und was war bei ihm die erste Annäherungstat?
Ein kleines Küsschen auf meine Wange, das sich in diese eingebrannt hat.

Dieses Küsschen kam mit 16 Jahren.
Zwei Jahre hatte er mich auf Händen getragen.
Freunde sagten, ich solle den doch laufen lassen.
Das konnte ich nicht, denn dann müsste ich mich selber hassen.

Erst nach weiteren zwei Jahren gab es den ersten Sex.
Nach über 30 Jahren zusammenseins war er leider mein Ex.
Nach 25 Ehejahren habe ich ihn total betrogen.
Ich hatte ihn beleidigt und belogen.

Trotzdem wollte er an diese Ehe fest halten.
Gemeinsam wollte er unser Leben gestalten.
Nur ich hatte wirklich keine Lust mehr.
Ich fand, der Inhalt unserer Ehe wäre leer.

Heute nach weiteren 20 Jahren schwirrt er schon wieder in meinen Träumen eine Rolle.
Meine eine Tochter meinte, das er nur eins wolle.
Einen vernünftigen Umgang mit allen Familienmitgliedern.
Er brächte mir auch keinen Flieder.

Sie hat in ihm einen gebrochenen Mann entdeckt.
Was mich total hat erschreckt,
denn das hatte ich absolut nicht gewollt.
Ich habe aber Angst, das er mir immer noch etwas grollt.

Wie kann ich diese Angst nur besiegen.
Ich wundere mich, warum ich bin wieder in seiner Gunst gestiegen.
Er scheint mich immer noch zu lieben.
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