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Gedichte über Gefühle - Seite 1184


Tote Augen

Sie sehen mich an, aus allen Richtungen,
schrecklich, neugierig, ich habe Angst,
Augen, die mich durchbohren, zerstechen,
wie Spieße, durchforsten, wie nach allem
grapschende Hände, zerwühlen wie ein
Grenzen verachtender Wirbelsturm.
Grauenvolle Hände greifen nach mir, nach
meinen Augen, die alles sehen können, alles
mit ansehen, mit ansehen müssen,
oft möchte ich sie verschließen, zumachen,
zulassen, um nichts mehr zu sehen, nichts
mehr sehen zu müssen.
Nicht mehr zuzusehen, wenn Kindern die
Augen genommen werden, wenn kleinen
Mädchen und Jungen ausgestochen wird,
was andere, Große suchen lassen, sich
einfach nehmen, ohne jemals gefragt
zu haben, ohne sie auch nur einmal
angeblickt zu haben, Blicke ausgetauscht
zu haben, sie auch nur eines einzigen
Blickes gewürdigt zu haben, das erleichtert,
befreit und nimmt das Grauen, den
Schmerz, die Verantwortung, darauf zu
reagieren, die eigenen Gefühle wahrzunehmen,
ernst zu nehmen und danach zu handeln.
Wie gut tut es, nicht handeln zu
müssen, nichts mehr sehen zu müssen,
die Augen schließen zu können, verschließen
zu dürfen, wenn schmerzverzerrte Münder
ihre Angst herauszuschreien versuchen, wenn
blutende Augenhöhlen versuchen, ihre Augen
wieder zu finden, um heilen zu können?
Meine Augen sehen Deine Augen, in anderen
Menschen, aber Deine Augen können
meine nicht sehen, unterbrochen, abgebrochen,
erbrochen, verbrochen, zerbrochen, auch mein
Herz, blutend und leidend, ähnlich wie Du,
frage mich, wie Du das aushältst, frage Dich,
wie ich das aushalten soll...


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Tropfsteinhöhle

Irgendwie verwirrst Du mich,
machst mich konfus
kann nicht richtig schlafen
wie wird das erst, wenn Du neben mir liegst?
Bin aufgeregt und entspannt zugleich
ich möchte Dich empfangen und warte auf Dich
ein Kribbeln im Bauch kündigt Dich an
Wann werden wir uns das nächste Mal sehen?
Wann werde ich Dich das erste Mal spüren?
Ein Kuss, oder ein Streicheln Deiner Hand?
Was wird es sein? Wie wird es sein?
Ich weiß es nicht und freue mich trotzdem darauf
Bis jetzt verbinden uns schöne Gefühle,
Nasi-Goreng und eine große Apfelsaftschorle
miteinander, und...
Telefonkosten,
zehn Mark hier, zehn Mark da,
um Deine Stimme zu hören,
um Dich kennen zu lernen,
noch weiß ich wenig von Dir –
bruchstückhafte Biographie,
lose Lebenszusammenhänge
Du bist das schwierigste Puzzle, das ich kenne,
das ich kennen lernen möchte, um es zusammenzufügen,
Stück für Stück, bis Du ein Bild ergibst,
etwas, das ich greifen und begreifen kann
Noch bis Du mir ein Rätsel, aber ich möchte Dich
ein bisschen entschlüsseln, um Dir nahe sein
zu können, möchte wissen, wie es ist,
für Dich da zu sein, Dir nah zu sein,
bin gespannt, was Du mir von Dir zeigen magst,
Deine Bilder, Deine Gefühle, Dein Lachen, Deine Tränen?
Kann es kaum erwarten, Dich in den Arm zu nehmen,
freue mich wie ein kleines Kind, Dich zu sehen,
Dich zu halten und gehalten zu werden,
möchte Dich spüren, Deine nackte Haut spüren,
eine Sekunde wie eine Ewigkeit,
in der alles fließt:

Energie, Blut, Schweiß und Tränen,
ein Meer voller bunter Tropfen
wie in einer Tropfsteinhöhle mit Regenbogen
so dunkel und tief,
fast schon unheimlich,
unheimlich schön
möchte mit Dir wachsen und erwachsen werden
wie ein Stalagmit in einer Tropfsteinhöhle,
möchte bunt und fröhlich sein wie ein Regenbogen
an einem Herbstnachmittag,
ohne Dich zu drängen, ohne Dich einzuengen,
oder gar einzusperren,
Vögel brauchen ihre Freiheit,
strecken ihr Gefieder aus,
um Flugerfahrung zu sammeln,
um irgendwann in die Zweisamkeit
fliegen zu können,
mit Dir...


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