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Gedichte Über Gedanken - Seite 685


Fragen, die ich nicht stellen durfte aus Angst

Es gibt Fragen, die begleiten mich, seit ich denken kann.
Sie waren immer da, leise, schwer, unausgesprochen.
Nicht, weil sie unwichtig waren, sondern weil sie zu groß waren für ein Kind.

Hast du mich wirklich gewollt?
Nicht aus Pflicht. Nicht, weil es eben so kam.
Sondern aus deinem Herzen heraus.
Ich habe es nie gefragt, weil ich spürte, dass ein Nein mich hätte zerbrechen können.
Also habe ich gelernt, mich anzupassen, statt dieses Risiko einzugehen.

Wie hast du mich geliebt?
War deine Liebe still, unbeholfen, überfordert?
Oder war sie einfach nicht erreichbar für mich?
Ich habe mich oft gefragt, ob ich sie nicht sehen konnte
oder ob sie nie so da war, wie ich sie gebraucht hätte.
Und ob es für ein Kind überhaupt einen Unterschied macht.

Habe ich etwas falsch gemacht?
War ich zu sensibel, zu laut, zu viel?
Oder einfach nicht das Kind, das du dir vorgestellt hast?
Ich habe es nie gefragt, weil ich die Schuld lieber bei mir trug,
als zu riskieren, dass sie wirklich bei euch liegt.

Warum hast du mich nie in den Arm genommen,
wenn ich Trost gebraucht hätte?
Warum musste ich lernen, mich selbst zu halten,
obwohl ihr da wart?
Ich habe es nie gefragt,
weil ich irgendwann glaubte,
Nähe sei etwas, das man sich verdienen muss.

Hast du mich wirklich gesehen?
Nicht das brave Kind.
Nicht das funktionierende.
Nicht das stille.
Mich.
Mit all dem, was ich nicht sagen konnte.
Oder war ich nur dann sichtbar,
wenn ich keine Arbeit gemacht habe?

Hast du gemerkt, wie ich leiser wurde?
Wie ich weniger fragte, weniger wollte, weniger fühlte?
Wie ich früh gelernt habe, stark zu sein,
bevor ich mich sicher fühlen durfte?
Ich habe es nie gefragt.
Dein Schweigen war Antwort genug.

Gab es einen Moment, in dem du gesehen hast,
wie viel Angst ich hatte?
Wer war da, um mich zu schützen,
als ich es selbst noch nicht konnte?
Ich habe es nie gefragt,
weil ich früh verstanden habe,
dass für meine Unsicherheit kein Platz war.

Durfte ich traurig sein?
Oder war das zu viel?
Durfte ich wütend sein?
Oder war das gefährlich?
Ich habe gelernt, sie leise zu machen,
damit sie niemanden überfordern.

Ich habe früh verstanden, dass Fragen gefährlich sein können.
Dass sie Ablehnung nach sich ziehen.
Dass sie Dinge berühren, für die kein Raum war.
Also habe ich geschwiegen.
Und dieses Schweigen wurde zu meinem Schutz
und zu meinem Käfig zugleich.

Diese Fragen trage ich noch heute in mir.
Ungestellt.
Unbeantwortet.
Sie liegen schwer in meiner Brust,
schwerer als jede Wahrheit,
die man mir hätte sagen können.
Denn Ungewissheit lässt Raum für Zweifel.
Für Schuldgefühle, die nie meine waren.
Für den Gedanken, dass mit mir etwas nicht stimmt.

Heute weiß ich:
Dieses Schweigen war nicht meine Schuld.
Ich war ein Kind.
Und Kinder sollten nicht lernen müssen,
sich Liebe zu erklären
oder Einsamkeit auszuhalten,
während Erwachsene wegsehen.

Manchmal wünsche ich mir,
ich hätte den Mut gehabt zu fragen.
Und manchmal weiß ich,
dass ich ihn nicht haben konnte.

Heute lerne ich langsam,
mir selbst das zu geben,
was ich nie bekommen habe.
Ich lerne, meine Gefühle nicht mehr zu verstecken.
Ich lerne, Nähe zuzulassen,
ohne sie mir zu verdienen.

Die Fragen sind noch da.
Aber sie haben nicht mehr die gleiche Macht.
Denn ich darf heute fühlen.
Ich darf Nein sagen.
Ich darf bleiben.

Mein Schweigen war kein Versagen.
Es war Überleben.
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Nähe und Angst ich weiß nicht, wie beides geht

Manchmal frage ich mich, wie es für mich weitergehen soll.
Ich habe so viel erlebt, und das Schwerste davon ist mit Männern verbunden. Zwei Erfahrungen haben Spuren hinterlassen, die tief in mir sitzen. Ich kenne keine gesunde, sichere, schöne Beziehung zu einem Mann. Nichts, worauf ich innerlich zurückgreifen kann.

Deshalb taucht diese Frage immer wieder in mir auf:
Ist es überhaupt möglich, eine gute Beziehung zu einem Mann aufzubauen?
Kann Vertrauen wachsen, wenn so viel Angst da ist?
Kann es wirklich sein, dass nicht alle Männer gleich sind und dass Nähe sich gut anfühlen kann?

In mir kommen so viele Zweifel hoch. Die Angst, dass ich nie bereit sein werde. Dass ich etwas verpasst habe, das für andere ganz normal ist. Dass mir Erfahrungen fehlen, die scheinbar selbstverständlich dazugehören. Und dass genau das mich für Männer zu kompliziert macht.

Ich wünsche mir Nähe in einer Beziehung.
Wärme, Verbundenheit, jemanden, bei dem ich mich sicher fühlen darf.
Und gleichzeitig habe ich Angst davor. Angst, dass Nähe Erwartungen mit sich bringt, denen ich nicht gerecht werden kann. Angst, dass ich wieder über meine Grenzen gehen muss, dass mein Bedürfnis nach Sicherheit und Vertrauen nicht ausreicht, dass es für manche Männer zu viel ist oder zu langsam.

Am stärksten wird diese Angst dort, wo Nähe tiefer geht als nur Gespräche.

Allein der Gedanke daran zieht alles in mir zusammen.
Mit einem Mann so nah zu sein, dass ich mich nicht mehr schützen kann. Dass mein Körper gesehen wird, berührt wird, etwas von ihm erwartet wird. In diesem Moment zieht sich alles in mir zusammen.

Mein Körper erinnert sich.
Er kennt Schmerz, Enge und dieses Gefühl, etwas aushalten zu müssen. Ich konnte mich nie entspannen, nie wirklich fallen lassen. Es war nicht schön, es tat weh, und ich habe gelernt, innerlich auf Abstand zu gehen, um es zu überstehen.

Genau hier entsteht der Gedanke, dass ich keinen Mann finden werde.
Nicht, weil ich mir Nähe nicht wünsche.
Sondern weil ich glaube, dass das, was ich brauche, für viele zu langsam ist. Zu vorsichtig. Zu viel Rücksicht. Dass mein Wunsch nach Sicherheit und Vertrauen nicht ausreicht, wenn etwas anderes erwartet wird.

Ich habe Angst, dass mein Körper nicht mitgehen kann.
Dass er sich verschließt. Dass es wieder wehtut.
Und dass ein Mann dafür kein Verständnis hat. Dass meine Grenzen zu viel sind. Dass ich am Ende das Gefühl bekomme, nicht zu genügen, weil ich anders bin.

Diese Angst lässt mich glauben, dass ich etwas verpasse.
Dass andere etwas erleben dürfen, was für mich immer mit Angst verbunden bleibt.
Dass ich nie selbstverständlich in Nähe sein kann, ohne innerlich auf der Hut zu sein.

Und vielleicht ist das die tiefste Angst von allen.
Nicht allein zu bleiben.
Sondern mich zu etwas zu drängen, wofür ich noch keinen sicheren Boden habe, nur um dazuzugehören.

Ich wünsche mir Nähe.
Und ich habe Angst davor.
Nicht, weil ich sie nicht will,
sondern weil ich gelernt habe, vorsichtig zu sein.

Manchmal weiß ich nicht,
wie beides gleichzeitig in mir Platz haben soll.
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