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Gedichte über Fantasie - Seite 12


Seelenregen

Der Geruch des Regens hüllt uns ein,
während du mich sinnlich verführst,
deine Lippen verbrennen meine,
in deinen Augen steht, was du spürst.

Wir nehmen uns die Zeit zuzuhören,
lassen unsere Augen mit sich reden,
wie sie sich mit Blicken betören,
sich unsere Liebe visuell eingestehen.

Vier Pupillen erfassen ihr Gegenüber,
vier schwarze Löcher ziehen sich an,
verlieren sich im Sog hinter Lidern,
ein Regenbogenhorizont aus Persipan.

Beim freiwilligen Sturz ins Inferno,
im freien Fall durchs Seelentor,
mit Freifallschein ins Herzcasino,
dringen wir in unsere Zentren vor.

Donner dröhnt aus unseren Herzen,
Gefühle prasseln auf Fingerspitzen,
heißer Strom züngelt in Zündkerzen,
springt über in Zungenkontaktblitzen.

Tauchen ab in ein Meer aus Küssen,
unsere Haut steht unter Feueralarm,
stoßen uns ab mit beiden Füßen,
springen umarmt in den Sinnesozean.

Unserem Schicksal ist es egal,
ob wir darin ertrinken,
es lässt uns keine Wahl,
müssen uns ineinander winden.

In uns bricht ein Sturm los,
ein Gefühlsbeben bahnt sich frei,
wie in einem gigantischen Erdstoß,
zerreißt eine Welle uns entzwei...

Aber unsere Seelen sind längst eins,
in sich verschmolzen, verbunden,
treiben in sich verschränkt vereint,
bleiben weiter in sich gewunden.

In einem schier endlosen Ausgleiten
stranden wir auf einem Berggipfel,
über uns sich Regenwolken ausbreiten,
Tropfen fallen auf Haut wie I-Tüpfel.

Mit jedem Einschlag ein Erreger,
eine Sinneswahrnehmung, ein Laut,
wir liegen auf uns, spiegeln uns wider,
im Seelenregen in uns vertraut.

© meteor 2025
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Die Dracheninsel

Gemeinsam auf des Drachen Rücken
Flogen wir zu unserem Entzücken
Hinfort über die offene See hinweg
Zu unserem heimlichen Inselversteck

So golden die Sterne am Himmelszelt
Einen Gruß hinaus wir schon entsandt
Von hier oben so klein erscheint die Welt
Wie weit wohl noch bis an deren Rand?

Dein Herz dir längst im Leib entbrannt
Zwar immer schon heimlich gedacht
Ob wohl die Chance zum Mitflug bestand?
Niemals damit gerechnet in dieser Nacht!

Verwegen du aufgestiegen auf den Drachen
konntest keinen Rückzieher mehr machen
Wolltest endlich auch mal was wagen
Nicht länger mehr nur Träumen nachjagen

So hoben wir ab in die klare Dunkelheit
Erreichen nun dieses Eiland im Nebelkleid
Hinterm dichten Schleier sich uns offenbart
Ein wahres Paradies, die Sinne genarrt

Ein Berg mit schwindelnder Felsenschlucht
Eine Quelle entspringt aus seiner Mitte
Mündet weit unten in einer malerischen Bucht
Ein Wald von einer Lichtung zerschnitten

Vom Flugwind wir ganz berauscht zerzaust
Wieder festen Boden unter den Füßen
Wie ungläubig und froh du doch schaust
Von über uns die Sterne uns zurück grüßen

Wie der Drache sucht sich ein Ruheplätzchen
Auch wir lassen uns im warmen Grün nieder
Wohlig rollt sich das Reptil wie ein Kätzchen
Wie auch wir finden uns daliegend wieder

Aneinander geschmiegt zählen wir die Sterne
Ziehen Verbindungslinien zwischen ihnen
Erbauen neue Fantasiegebilde in der Ferne
Zu was auch immer sie uns noch dienen

Unweit vernehmen wir des Flusses Rauschen
Begleitet von Grillenzirpen und Nachtigalgesang
Leise wir beide ihrem Zusammenspiel lauschen
Finden Ruhe im Herzen bei solch Wohlklang

© meteor 2024
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