Ich habe früh gelernt, dass ich nicht einfach nur ich sein kann.
Also habe ich angefangen, Masken zu tragen.
Eine nach der anderen.
Manche leise, manche stark aber alle mit demselben Ziel: dazugehören, nicht auffallen, nicht verloren gehen.
Da ist die Stimme in mir, die sagt, ich sei nie gut genug.
Egal, was ich tue es reicht nicht.
Also strenge ich mich mehr an. Noch mehr.
In der Hoffnung, irgendwann dieses eine Gefühl zu erreichen: Jetzt bin ich okay.
Ich habe gelernt, fröhlich zu sein.
Zu lächeln, zu funktionieren, leicht zu wirken.
Auch dann, wenn es in mir schwer ist.
Weil ich gespürt habe, dass meine Traurigkeit keinen Platz hat.
Ich habe mir Stärke angezogen wie eine Rüstung.
„Reiß dich zusammen.“
Also habe ich aufgehört zu weinen.
Habe geschluckt, was zu viel war.
Und heute halte ich durch selbst dann, wenn ich innerlich längst zerbreche.
Ich wurde brav.
Leise. Unauffällig.
So, dass ich niemandem zur Last falle.
Ich habe mich kleiner gemacht, als ich bin
und irgendwann geglaubt, dass ich genau so richtig bin: nicht zu viel, nicht zu laut, nicht zu sichtbar.
Dann kam die Perfektion.
Der Versuch, alles richtig zu machen.
Fehler zu vermeiden, Erwartungen zu erfüllen.
Weil irgendwo tief in mir dieser Satz sitzt:
Vielleicht werde ich geliebt, wenn ich nur gut genug bin.
Ich habe gelernt, unsichtbar zu sein.
„Du brauchst doch nichts.“
Also habe ich aufgehört zu fragen.
Habe meine Bedürfnisse so lange zur Seite geschoben,
bis ich selbst nicht mehr wusste, dass sie überhaupt da sind.
Ich war das erwachsene Kind.
Vernünftig, angepasst, stark.
Ich habe funktioniert, als hätte ich nie etwas gebraucht.
Und heute fällt es mir schwer, Leichtigkeit zuzulassen,
weil ich nie gelernt habe, wie sich das anfühlt.
Ich war der Problemlöser.
Für alle da. Immer.
„Wenn du es nicht machst, wer dann?“
Also habe ich getragen, gehalten, aufgefangen.
Nur mich selbst hat dabei niemand gehalten.
Und heute weiß ich oft nicht, wie man überhaupt um Hilfe bittet.
Und ich habe mich angepasst.
So lange, bis ich mich selbst kaum noch erkennen konnte.
Bis ich nicht mehr wusste, was wirklich von mir ist
und was nur das ist, was ich geworden bin, um zu passen.
Heute trage ich diese Masken noch.
Nicht immer sichtbar, aber spürbar.
Sie flüstern mir zu, wie ich sein soll.
Wie ich funktionieren muss.
Wie ich nicht zu viel bin.
Und gleichzeitig ist da etwas in mir,
ganz leise, aber echt.
Etwas, das müde ist vom Kämpfen.
Das fühlen will, ohne sich zu schämen.
Das Raum einnehmen will, ohne Angst zu haben.
Das nicht perfekt sein muss, nicht stark, nicht angepasst.
Ein Teil von mir, der einfach nur ich sein will.
Ich weiß nicht genau, wie das geht.
Ich weiß nicht, wer ich ohne all das bin.
Aber vielleicht darf ich anfangen, es herauszufinden.
Ganz vorsichtig.
Ganz ehrlich.
Schicht für Schicht.
Und vielleicht…
bin ich am Ende nicht zu viel.
Sondern zum ersten Mal einfach genug.