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Gedichte Über Denken - Seite 70




Zu wohl ist auch nur wohl

Ihm ist zu wohl an manchen Tagen,
was andere wohl nicht verstehn.
Warum sollte er drüber klagen,
wenn sie ihn dauernd lächelnd sehn?

Zuviele grummeln, zetern, neiden;
stehn scheinbar gern in langer Schlange,
an Schalter, Kassen, oder beiden
und meist gewollt auch ziemlich lange.

Da steht auch Hans und summt für sich
ein federleichtes Sommerlied.
Die Dame, vor ihm, mag das nicht.
Wörtlich: > Sie gehn mir auf´s Gemüt! <

Er fragt sie, ob er ihr nachher,
den Einkauf heimwärts tragen soll?
Da hat sie keine Antwort mehr,
aber von ihm die Nase voll.

So geht's die liebelangen Tage...
Er lächelt tapfer vor sich hin:
summt selig, grüßt; ist keinem Plage.
Nur: irgendwie macht´s keinen Sinn...

...Bis er dann schrieb ein Kleingedicht,
ohne großartig nachzudenken:
in einer Bar, bei schwachem Licht,
um es dann wieder herzuschenken...

...Zu tauschen - denn sein Portmonee
war dünn und, wie gehabt, oft leer.
> Ein Blatt, ein Bier. Der Deal, okay?, <
brummte der nette Wirt leger.

So fand Hans endlich einen Freund,
der ihn zudem vollstens verstand.
Der packt sein Werk; bot ihm ´nen Joint
und brach ihm fast die hagre Hand.

> Ein Dichter, Leute!, < rief er aus
und wedelte vergnügt das Blättchen.
Hans weiß dann nur noch...Der hieß Klaus.
Zu arg dröhnte das Zigarettchen.

*

Am andern Tag erwacht er froh
und leicht verschwitzt an weichen Brüsten.
Die schöne Fremde lächelt so,
als wenn sie alles von sich wüssten.

Sie winkt ihm später noch im Gehen.
Hans schaut ihr lange hinterher.
Ihn schüttelt´s heftig, nur vom Sehen
und wohlig kneift´s auch vom Rever.


(c) Ralph Bruse
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Fühl den Schmerz

Lauf barfuss über die Scherben von deinem Herz!
Worte spenden keinen Trost.
Worte sind wie Schall und Rauch -
Wenn nichts dich tröstet, glaub mir,
Verlierst Du deine Hoffnung auch.
Wer oder Was aktiviert die Krankheit in unserem Körper?
Wie kam sie da rein, oder hat sie von Anfang an darin gelebt?
Wie stell ich mir das vor?
Wenn die Krankheit sich zeigt,
bedeutet das, daß mir nur noch wenig Zeit zum Leben bleibt?

Wir werden geboren, und erfahren dann das niemand ewig leben kann.
Alles, woran du geglaubt -
was dir wichtig gewesen ist, zählt nicht mehr wenn Du verloren bist.
Am Ende bist Du allein in deinem Leben. Du fragst Dich :"wieso gerade jetzt, und wieso ich?"
Bin nur noch wütend, will nicht verstehn!
Nichts und niemand kann etwas für dich tun.
Ich hadere mit diesem Schicksal,
weil das Ende so Menschenunwürdig ist. Weil die Angst wie ein Schatten vor Dir schwebt. Wer entscheidet, geh-du mußt jetzt ruhen?
Schmerzen in deiner Seele -
Schmerz, der deinen Körper zerfrißt
Weil jeder Mensch vergänglich ist.

Was wird aus den Menschen die du liebst? Für die Du gelebt!
Und nichts und niemand weiß,
Was-und wo Du nach deinem Tode bist.
Nichts ergibt in deinem Leben am Ende einen Sinn!
Du wartest was geschieht!
Tränen, Traurigkeit, Schmerzen und Pein, werden deine einzigen Begleiter sein.
Plötzlich kämpfst du nicht mehr dagegen an, versuchst Frieden zu finden, weil man nichts ändern kann.
So viele sind vor mir gegangen, und viele werden nach mir gehen.
Die genau wie ich das Ende nicht verstehen!
Ich lasse los!
Fühle den Schmerz, bis zum letzten Schlag von meinem sterbenden Herz.
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