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Gedichte über Arbeit und Beruf - Seite 160


Die Sicherheitsunterweisung oder die Leiden eines Daumens

Ein armer Daumen, ein arg gequetschter
wurd umsorgt von einer Krankenschwester.
„Ich wundere mich schon, kleiner Mann,
wie so etwas bloß passieren kann.“

„Ach Gott“, sprach der Daumen, „du meine Fresse.
Ich kam halt einfach unter diese Presse.
Plötzlich, mit Gewalt, sauste sie danieder.
Eh ich es sah brach sie all meine Glieder.
Der Meister hat nichts von der Gefahr erzählt“,
sagte der Daumen, der sich vor Schmerzen quält.

„Das ist nicht wahr“, rief der Meister lautstark und sichtlich empört.
„Er hat bei der Unterweisung einfach nur nicht zugehört.
Ich sprach von Sicherheit und den möglichen Gefahren,
und wie wir uns bei der Arbeit vor Schaden bewahren.
Ich sprach von Schutzhandschuhen und unserem Verhalten,
und wie wir unsere Arbeit sicherer gestalten.
Doch der Daumen spielte mit dem Smartphone, die ganze Zeit.
Es mangelte bei ihm an gespannter Aufmerksamkeit.
Da, wo er dann schließlich war, dort durft er nicht sein.
Die Schuld, die trifft ihn letztlich ganz und gar allein.“

Ach, du lieber Daumen, bist so sehr zerdrückt,
aus Dir wird nie wieder ein gesundes Stück.
Leider, ich mag es gar nicht laut benennen,
müssen wir Dich von deinen Brüdern trennen.

So verlor ein Daumen aus Unachtsamkeit sein Leben.
Es könnte aber auch einen anderen Schluss geben.

Ein Mensch, jetzt schweißgebadet, erwacht
aus dieser alptraumdurchtränkten Nacht.
Er sucht seine Daumen an jeder Hand,
froh, dass er jeden auf seinem Platz fand.
Doch solch ein Glück wird sicherlich aber nur jenem beschert,
der bei Sicherheitsunterweisungen aufmerksam zuhört.


Belix Bahei
belixbahei@hotmail.com
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Sie schufen die Lausitz

Der Schöpfer bei der Schöpfung empfand
hier in der Gegend fehlt nicht nur der Sand.
Wo sind flache Berge mit langen Rücken,
große Felsen mit sichtbaren Lücken?
Vom Luckauer Fläming bis zum Muskauer Bogen
nur sehr tiefe Gräben das Land durchzogen.

Doch flache Hügel mit manch Findlingsstein
und zahllose raue Felsen sollten es sein.
Soweit seine Blicke auch durch die Lausitz zogen
und sich seine Augen verbogen,
über den tiefen Baruther Urstromtal Graben
flogen nicht einmal die neugierigen Raben.

Der Schöpfer kratzte sich am großen Zeh,
Dahme, Spree und Schwielochsee
fließen wasserreich und ringsum doch
was wird nur aus dem unheimlichen Loch?
Hinter Oder und Neiße gab s Rübezahl
und den Flint im Iser Gebirge mit Tal.

Doch es lockte ihn, den Architekten zu spielen,
das Abendwetter auf der Hausbank zu fühlen.
Noch während er zeichnete und modellierte
der Teufel doch sorglos mit Ungeduld stierte.
Er fütterte soeben die Ochsen vorm Pflug
3 Zentner Rüben waren dabei nicht genug.

Als Rübezahl aus seiner Klause trat,
sah er des Teufels neue frevelnde Tat.
Die letzten Rüben, die noch nicht gezählt,
hatte der Teufel für die Ochsen gewählt.
Wie sollte er nun das Zählen beenden,
seine Liebe finden bei Sorben und Wenden?

Sein Hals schwoll an, die Ohren glühten,
die Hände sich mit den Rüben mühten.
Der Schöpfer sah den Fehlbedarf
und alles in die Gruben warf.
Rüben, Blätter, Sträucher, Bäume,
langsam füllten sich die Räume.

Der Teufel hatte bisher zugeblickt
und hielt den Schöpfer für verrückt.
Wo dieser alles fein planiert
sind die Ochsen mit Pflug marschiert.
Sie zogen kreuz, sie zogen quer,
das Spreewasser wogte hin und her.


In kurzer Zeit der Spreewald entstand
und hügelig wurde das Lausitzer Land.
In der Tiefe das seltene Kupfer spross,
dazwischen das Erdgas und Erdöl floss.
Und unter der obersten Ackersohle
beschäftigt uns die wertvolle Kohle.

17.02.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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