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Gedichte über Zorn - Seite 5


Zensur

Zensur

Du glaubst, Demokratie sei frei
Von Wildgewächs und von Hassesnöten,
Es gäbe weniger Geschrei,
Nur Bestes füllt' im Netz die Läden?

Schau Dich doch endlich um,
Hör' das Geschrei, Gebrumm,
Mit dem die Superkalten
Den Schweinehund erhalten!

So kennt das Netz auch die Zensur –
Selbst in der besten Volksherrschaft!
Es bleibt Teil menschlicher Natur,
Dass man sich Dominanzen schafft.

Dazu verprellt man das Genie
Mit gleichmachender Strategie,
So dass nur noch der Kluge merkt,
Wie die Kritik sich selbst verstärkt.

Man gibt sich beispielsweis' naiv
Und tut, als würd' man nichts verstehen,
Treibt nun den Dichter an ein Riff,
So dass bedroht er sich muss sehen,

Wenn er begründet, was erfragt,
Womit man ihn dann weiter jagt,
Bis er sich blutend aufgeschürft
Schließlich entnervt das Handtuch wirft.

Die zweite Strategie ist klar:
Man wirft ihm vor, zu viel zu schreiben.
Das fänden alle sonderbar,
Im Forum kann er so nicht bleiben.

Gepuscht von Missgunst und von Neid:
Der Pfützendichter schreibt Blödsinn!
Ein Kritikaster sucht gern Streit,
Sieht in dem Dichten nur Unsinn.

Die Kommentare sind nicht frei
Von Hinterhalt und Keilerei.
Man muss da schon genauer schauen,
Ob sie auch auf Erkenntnis bauen.

Wer nicht verstehen will und kann,
Der hat sich darum nie bemüht.
Er ist und bleibt ein armer Mann,
Der von Geistreichtum kaum besprüht.

Hat man genügend Feind' beisammen
Bekämpft man mit Spießen und Stangen
Den kranken, alten Dichterwicht,
Geht hart mit ihm dann ins Gericht!

Er kann nicht mehr, wie er so will,
Die Massenwut will ihn ersticken:
Man hält für ihn schon heiß den Grill,
Wird ihm damit zuleibe rücken.

Das schafft nun die Community:
Sie brandmarkt, der sich Musen lieh
Und treibt – verborgen gern im Netz! –
Ohne Anstand das Hassgehetz'.

Wir wissen aus Mobbingprozessen,
Wie krankenreif man Menschen quält.
Der Bösewicht will das vergessen,
Weil bei ihm nur Lustquälen zählt.

Die Forumsleitung muss entscheiden,
Ob sie mitträgt das Quälen, Leiden
Oder mit menschlichem Verstand
Fairnis besorgt im Dichterland.

Doch das setzt Sittlichkeit voraus,
Auf jeden Fall Charakterstärke,
Dann kann frei sein das Dichterhaus
Vom Böswill' der Banausenzwerge.


©Hans Hartmut Karg
2018

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Knüppel aus dem Sack!

Insekten sterben, Blüten verderben,
der Wald wird gefällt
Unser Vieh, das leidet, seine Würde beschneidet
der Mensch, der sie hält

Die Meere vermüllen mit Plastikhüllen,
werden leer gefischt
Die Lüfte verschmutzen, Eisberge rutschen
Wer nimmt uns in Pflicht?

Viel‘ Arten verschwinden, die Menschen versinken
in ihrer Welt.
Man ist gut vernetzt und meistens gehetzt
und hat es erwählt

Unser Tisch ist gedeckt, der Esel gestreckt,
nur die Freude ist fort.
Der Knüppel im Sack war für’s Diebespack
und gehorchte auf’s Wort

Wer die Erde ausraubt, wer sich alles erlaubt,
d e r muss ihn spür’n
Der Jüngste und Klügste, der wachsam Liebendste,
d e r soll ihn führ’n


Anm.: Das Gedicht ist eine kleine Hommage an Hofmann von Fallersleben, der 1837 ein Wutgedicht auf die Entlassung von 7 liberalen Professoren in Göttingen schrieb, darunter die Gebrüder Grimm:
Knüppel aus dem Sack
Von all den Wünschen auf der Welt
nur einer mir anjetzt gefällt
KNÜPPEL AUS DEM SACK!
Und gäbe Gott mir Wunschesmacht,
ich dächte nur bei Tag und Nacht
KNÜPPEL AUS DEM SACK!

Dann braucht‘ ich weder Gut noch Gold,
ich machte mir die Welt schon hold
mit: KNÜPPEL AUS DEM SACK!
Ich wär ein Sieger, wär ein Held,
der erst´ und beste Mann der Welt
mit: KNÜPPEL AUS DEM SACK!

Ich schaffte Freiheit, Recht und Ruh,
und frohes Leben noch dazu
beim: KNÜPPEL AUS DEM SACK!
Und wollt ich selbst recht lustig sein,
so ließ ich tanzen Groß und Klein
beim: KNÜPPEL AUS DEM SACK!

Oh, Märchen, würdest Du doch wahr,
nur Einen einzigen Tag im Jahr
KNÜPPEL AUS DEM SACK!
Ich gäbe drum, ich weiß nicht was,
und schlüge drein ohn´ Unterlaß
Frisch: KNÜPPEL AUS DEM SACK!
Aufs Lumpenpack!
Aufs Hundepack!
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