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Gedichte über Tiere - Seite 324


Warum Sturmmöwen auf Dächern brüten

Am Strand, wo Möwen einst Nester bauten,
liegen heutzutage die vielen lauten
Touristen, eine jeder auf seinem Tuch.
Das steht so in keinem Vogelbuch.
Die wollen da in der Sonne braten.
Den Sturmmöwen schien es drum angeraten,
an einen ruhigeren Ort zu entfliehen,
um dort ihre Kinder aufzuziehen.
Da ihr gemütliches Leben am Strand nun vorbei war,
nahmen sie eben den Platz, der noch frei war.
und wählten als müden Ersatz die tristen
Flachdächer der Stadt, um auf ihnen zu nisten.
Um die Aufmerksamkeit ihrer Brut zu erheischen,
übertönen sich da nun die Möwen beim Kreischen.
Sie selbst bezeichnen das als Gesang.
Wie dem auch sei - besagter Klang
der Möwen im gemischten Chor
drang vordem an keines Städters Ohr.
Heut' bereitet ihnen an Nichtbadetagen
die Geräuschkulisse Unbehagen.
Nur für Verkehrslärm sind sie unsensibel.
Den Möwengesang nehmen sie diesen übel.
Auf ihrenden Vorschlag, an den Wochentagen
ihre Nester doch an den Strand zu tragen,
haben die Möwen sich nicht eingelassen.
Das will so manchem Städter nicht passen.

Anstatt auf die Möwen zu schimpfen, die bösen,
wär‘s doch besser, schien mir, das Problem zu lösen.
Ich empfehle, meiner Idee zu lauschen:
Am einfachsten wär‘ es, die Plätze zu tauschen.
Künftig seien, um in der Sonne zu baden,
die Städter herzlich eingeladen,
auf ihren eigenen flachen Dächern
die Badetücher aufzufächern,
denn wenn sie sich nicht am Strand ausbreiten,
gibt es auch keinen Grund, mit Möwen zu streiten.
Diesen überlasse man wieder den Strand.
Damit wäre das Problem gebannt.
Meine Lösung, man wird es mir bescheinigen,
hat Potential, den Konflikt zu bereinigen.
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7000 Eichen –

Stadtverwaldung statt Stadtverwaltung,
ist der Titel für eine grüne Gestaltung,
der Stadt Kassel mit vielerlei Bäumen,
die seit 1982 die Stadtstraßen säumen.

Joseph Beuys, Initiator vom Projekte,
den ersten Spaten in die Erde steckte,
seine Eiche vorm Fridericianum steht,
kraftvoll, sowie vom Winde umweht;

eine Basaltstele sie göttlich bewacht,
am Tage und sicher auch in der Nacht,
ihre Spurenelemente die Eiche nähren,
so sie kann Schutz und Halt gewähren.

Alle Basaltstelen zum Fels arrangiert,
die Spitze in Richtung Eiche drapiert,
haben Menschen zur Liebe inspiriert,
7000 Mal Bäume pflanzend installiert.

Es sind Eichen, Linden, Weltenbäume,
Verwirklichung der Menschen Träume,
Platanen, Rosskastanien, Spitzahorne,
Hainbuchen, Robinien und Apfeldorne.

1987 das riesige Projekt sein Ende fand,
am Friedrichsplatz die letzte Eiche stand,
von documenta 7 bis zur documenta 8,
die umfängliche Arbeit wurde gemacht;

bekam einen Preis für Landschaftskunst
und so stieg’s mehr in der Bürger Gunst,
nun kann es wachsen, prächtig gedeihen,
auch Atemluft von Schadstoffen befreien.

Das Projekt, Vorreiter für Nachhaltigkeit,
war weit voraus dem Denken seiner Zeit,
es jetzt die „Stiftung 7000 Eichen“ pflegt,
auch, weil es unter Denkmalschutz steht.

Der Joseph Beuys hat’s nicht mehr erlebt,
dass sein Projekt komplett in Kassel steht,
uns kann‘s vielfältig der Ansporn werden,
für soziales Zusammenwirken auf Erden! -

© Barbara Mewes-Trageser
DieSozialeBildhauerin
2022
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