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Gedichte zur Scheidung - Seite 3


Der Rosenkrieg

Sie trafen sich das erste Mal
im Tante-Emma-Laden.
Er kaufte Weißbrot, lang und schmal,
sie brauchte Haarshampoo zum Baden.

Er schaute ihr noch lange nach,
sie hatte ihn beeindruckt.
Tage später im Park beim Schach
hat er bei ihr geguckt.

Zufall war es jedes Mal,
dass sie sich beide trafen,
am Tag beim Joggen am Kanal
und abends im „Discohafen“.

Das Leben ging seinen gewohnten Gang,
doch plötzlich raunte es der Wind,
sie wär nicht mehr so rank und schlank
denn sie bekäme ein Kind.

Großes Staunen, viele Fragen,
neue Nichten, Neffen und Gevatter.
Regsamkeit an jenen Tagen
bis zum Hochzeitsausstatter.

Hochzeit, Wehen, erstes Kind,
ein Junge war es, sieben Pfund,
die Ärzte kontrollierten geschwind,
doch alles war gesund.

Die Omas und Opas strahlten,
sie ließen es sich was kosten,
die Kinder sich im Wohlstand aalten,
Dank gut bezahlter Posten.

Das Haus, das Pferd, das Segelboot,
alles war vom Feinsten.
Man schmeckte niemals trocken Brot
und speiste nur im Reinsten.

Die Kinder wuchsen bald heran,
Langeweile kam ins Haus.
Eine Freundin suchte sich der Mann,
ne Kameradin die Frau sich aus.

Sie schliefen zwar nackt wie immer,
weil sie sich dran gewöhnt,
doch nicht im gleichen Zimmer,
denn vieles war verpönt.

Bis alles mal zu Stuhle kam,
von einem Rechtsanwalt vertreten,
der gemeinsam sie als Klienten nahm
und dann auch beider Moneten.

Die Rosen die er mitgebracht,
waren bald verloren,
er dankte ihr für jede Nacht,
sie schlug ihm blau die Ohren.

25.03.2019 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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Falsche Entscheidung

Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung
Manchmal gibt es kein richtig und falsch
Ich höre Schreie
Es sind eure Stimmen
Ihr, die ihr mir geschworen habt
Immer für mich da zu sein
Mir zu helfen
Aber wo seid ihr jetzt?
Ich war sieben Jahre alt
Als alles anfing und doch alles endete
Als meine kleine Welt
Von euren Händen gehalten
Drohte zu zerbrechen
War es meine Schuld?
War es eure Schuld?
Spielt das heute überhaupt noch eine Rolle?
Ihr habt euch gestritten
Um mich
Aber habt mich dabei ganz vergessen
Habt mich zu einer Entscheidung gezwungen
Aber manchmal gibt es keine richtige Entscheidung
Manchmal gibt es kein richtig und falsch

Ich kann sie jetzt noch hören, wisst ihr?
Eure wütenden Beschimpfungen und Anschuldigungen
Ihr habt beschlossen, dass eure Liebe nicht stark genug ist
Dass sie nicht stark genug ist
Um zusammen zu bleiben
Ihr habt beschlossen, dass ich mich entscheiden soll
Dass ich mich entscheiden soll
Wen ich lieber hab
Mit wem ich lieber leben möchte
Aber manchmal gibt es keine richtige Entscheidung
Manchmal gibt es kein richtig und falsch

Für wen hättet ihr euch entschieden?
Für den Held eurer Kindheit?
Für denjenigen, der euch vor allem Bösen beschützt hat
Und immer hinter euch stand?
Zumindest schien es immer so
Oder doch für diejenige, die sagte, keiner würde euch so lieben
Wie sie es tut
Wie sie beide es tun
Haben sie mich etwa so geliebt
Wie sie sich geliebt haben?
Haben sie mich immer noch geliebt
Als sie mich ausgenutzt haben
Um dem anderen zu zeigen, dass sie ihm überlegen sind?
Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung
Manchmal gibt es kein richtig und falsch

Ich war sieben Jahre alt als alles anfing und doch alles endete
Als die Kluft in meinem kleinen Ich
Drohte mich zu zerreißen
Der Riss, der sich durch mein Herz zog
Ich wollte mich nicht entscheiden
Ich konnte nicht
Und doch habt ihr mich dazu gezwungen
Ihr wolltet beide den Kampf gewinnen
Den Kampf um mich
Ohne Rücksicht auf Verluste
Aber ihr habt nicht gemerkt
Dass niemand diesen Kampf gewinnen kann
Wenn ich einer der Verluste bin
Die ihr für den Sieg in Kauf genommen habt
Manchmal gibt es keine richtige Entscheidung
Manchmal gibt es kein richtig und falsch

Manchmal ist jede Entscheidung falsch
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