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Gedichte über Mut - Seite 2


Geh weiter!

Die Stille am Strand
fühlte sich schwerer an
als je zuvor.

Ich spaziere am Meeresrand,
wo einstiger Wellenkamm
sich vorher verlor.

Von der Klippenkante hinaus
spüre ich die Zukunft kommen,
zum Horizont geradeaus
fehlt mir der Mut, sie zu formen.

Geh weiter!
Geh weiter!
Bleib nicht stehen!
Und du wirst sehen,
es wird weitergehen!

So weht mir der Wind
von vorne ins Gesicht.
Fühle mich wieder als Kind,
ich fürchtete mich nicht.

Breite meine Arme aus,
trete paar Schritte zurück,
hole nur etwas Anlauf,
vertraue auf mein Glück.

Ein perfekter Moment
als ich mich abdrück'.
Alles woran ich denk'
ist dieser Ausblick.

Atemberaubt
fliege ich ins Ungewisse.
Furchteingeflösst
zwischen Felsumrisse.

Ich bin der Sturm!
Schneller als der Wind!
Bereit zum Irrtum,
bin wieder Kind.

Im freien Wasserfall
stürze ich nach unten,
bereit für den Aufprall,
nur noch Sekunden...

Hände zerschneiden Beton,
spalten die Wasserfläche,
tauche ins Tiefe davon,
wundersam,
wie ich durchbreche!

Hinter mir spritzt es auf!
Möwen kreisen kreischend,
Wetten auf den Verlauf,
der Wellenrausch ist gleißend.

Die Gischt ebbt ab,
die Oberfläche verstummt,
der Wetteinsatz aufs Grab
verbleibt im Untergrund?

Da künden Luftblasen
vom nahenden Auftauchen!
Wie Phönix aus Aschen
bin ich Leben einschnaufen!

Es geht weiter!
Immer noch weiter!
Mut muss bestehen,
soll es weitergehen!

Geflutet von Zuversicht,
stolziere ich zurück im Sand.
Mit lachenden Gesicht,
weil ich mich erneut fand.

Gehe weiter!
Viel weiter!
Mit neuen Mut.
Was zu wagen
tut einfach gut...

© meteor 2025
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Wer wagt, gewinnt

---- Gar mancher Mensch lebt einfach so,
nicht traurig, nicht erzürnt, nicht froh.
Er sagt zu allen Dingen: Ja,
zum Staat, zum Schicksal, zur Mama.
Kein unerfüllter Wunsch, kein Traum,
sogar sein Herz bewegt sich kaum.
Und hat er Wünsche, fehlt der Willen,
sich diese Wünsche zu erfüllen.
Er denkt sich, wenn und falls er denkt,
weil nichts ihn ja zum Denken drängt:
Das, was geschehen soll, geschieht,
weil keiner vor dem Schicksal flieht.
---- Dies macht ihm zwar nur wenig Mut,
doch geht es eine Weile gut.
Er lebt ganz einfach vor sich hin,
nichts Ungewöhnliches im Sinn,
steht jeden Morgen pünktlich auf,
geht schlafen nach des Tages Lauf;
steht pünktlich auf am nächsten Tage
und kleidet sich nach Wetterlage;
legt sich am Abend müde nieder,
dann wiederholt sich alles wieder.
---- Er sucht Geborgenheit zu schaffen
gemäß dem Spruch der Weltenaffen:
Nichts sehn, nichts hören und nichts sagen,
nicht Antwort geben und nicht fragen.
Misch dich nicht ein und sei bescheiden,
denn dann entgehst du allen Leiden.
Kopf in den Sand, weil er vermeint,
so übersähe ihn der Feind.
---- Doch leider wird das Missgeschick
nicht abgeschreckt durch diesen Trick.
Todsicher trifft´s ihn irgendwo,
im Bett, beim Schwimmen, auf dem Klo.
---- So heißt das Fazit des Gedichts
ganz konsequent: Aus nichts wird nichts.
Doch dieser Satz ist letzten End´s
bestimmt nicht meine Konsequenz.
---- Die heißt: Sei Deines Glückes Schmied;
bestimme selber, was geschieht.
Lass Dich nicht einfach einverleiben
und willenlos ins Unglück treiben.
Sag deutlich: Nein! Sag ruhig: Ich.
Zeig Flagge, streite, widersprich!
Silesio
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