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Gedichte über das Miteinander - Seite 20


Einfach mal wehren...

Der Ferdinand ist blitzgescheit,
introvertiert und hilfsbereit.
Er ernährt sich meistens ungesund,
drum zwickts und kneifts am Hosenbund.
Die Donuts schlagen aufs Gewicht,
doch das stört den Jungen nicht.

In der Schule hat er es schwer,
man behandelt ihn nicht fair.
Er wird gehänselt und gemobbt,
und auf dem Heimweg oft verkloppt.
Sein Schulalltag ist eher schaurig,
wenn er heimkommt, ist er traurig.

Die Mutter tröstet ihren Sohn,
„mach dir nichts aus Spott und Hohn,
lass´ die Kerle doch links liegen
und dich nur nicht unterkriegen.“
All´ ihre Ratschläge prallen ab,
er fühlt sich müde, elend, schlapp.

Seine Mitschülerin, die Jule,
fährt gern mit dem Rad zur Schule.
Eines Morgens sieht sie Ferdinand,
auf einer Bank, - am Straßenrand.
"Warum sitzt du hier auf der Bank?
Du wirkst so traurig, bist du krank?"

"Nein, mir ist nur flau im Magen,
wegen der Typen, die mich schlagen."
Jule versteht erst einmal nicht,
wovon ihr Mitschüler gerade spricht.
"Die schlagen mich und filmen Das,
- dabei haben sie ihren Spaß."

"Ferdinand, du musst dich wehren,
das solltest du noch heute klären.
Lass´ uns zum Direktor gehen,
ich werde an deiner Seite stehen."
Mobbing hat Jule, vor zwei Jahren,
selbst am eigenen Leib erfahren.

Das Mädchen macht ihm wieder Mut,
vielleicht wird ja noch alles gut.
Im Büro hört sich Herr Oppermann
die Anschuldigungen des Schülers an.
Er glaubt nicht, was er gerade hört,
reagiert aufgebracht und ist empört.

"Gewalt und Mobbing dulde ich nicht,
die Drei hole ich aus dem Unterricht!"
Oh, weh, wie jetzt die Türen fliegen,
die werden was zu hören kriegen.
Lauthals schimpft er auf dem Gang:
"Denen ziehe ich die Ohren lang!"

Jule lauscht noch ganz gespannt...
"Na siehste, geht doch, Ferdinand!"
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Demenz

Erinnerst Du dich noch daran
Was vor den Worten kam?
Selbst nur so dann und wann
Kindersprachlich: Ham, ham, ham

Mamas waren es, die uns hegten
Uns Kinder schützten, pflegten
Papas waren ihnen nah
Waren irgendwie auch da

Wir fühlten uns mit ihnen 'hin'
Mehr wie Seele als mit Sinn
Waren Bauch und Bewegung
Weit mehr als eine 'Gedankenregung'

Mit zunehmender Geschicklichkeit
Bewusst gesteuerter Beweglichkeit
Nahmen Gedankenkräfte stetig zu
Sprechen wurd' zum größten Clou

Stimme ward nach vorn getragen
Im Schädel trug man viele Fragen
Achtsamkeit und kluge Führung
Vertiefte Sinne, Geistes Rührung

Wir wuchsen weit über uns hinaus
Und ernteten auch mal Applaus
Wir fanden Regeln und Gesetze
Spannten auf, des Fischers Netze –

Scharten um uns interessierte Hörer
Entlarvten manchen argen Störer
Wir schwammen in Erfolg und Ehren
Wollten uns gegen Glück nicht wehren

Sahen Kind und Kindeskinder kommen
Neben unsrer einen manch andre Sonnen
Wir hörten Lieder, Musikanten
Des Homo Sapiens Anverwandten

Assoziierten, koordinierten, wurden klug
Umgingen so manchen Selbstbetrug
Und gerieten doch so manches Mal
An einen Hang, zu einem tiefen Tal –

In dem ein Fänger schlug und wachte
Sich an unserer Kraft zu schaffen machte
Die ganz und gar der Ordnung vorbehalten
Die gedacht unser Gedächtnis zu verwalten

Kaum abgestürzt in dessen Tiefe
Trug uns Erschrecken gleich empor
Im Erinnern verblieb nur eine Riefe
Darüber, dass man sich für kurz verlor

Sortiert, geübt und beinah unverdrossen
Erstieg man erneut die alten Sprossen
Doch der Fänger gewann an Macht
Hat sich den Erfolg selbst zugedacht

So harren heut' Geist und dessen Fänger
Mit Jahren nun schon lang und länger
Und kämpfen um die Ausschließlichkeit
Ob nun Körper oder Verstandes Einigkeit
Anspruch aufs Regiment allein erhebt
Ob rege Geisteskraft der Mensch erlebt
Ob die Ratio dem Verfalle überlegen
Am Ende von unseren Lebenswegen

Ob des Geistes Schwingen anzulegen
Ob Götterzorn will sich starr erheben
Den Menschenfrieden zur Seite drängen
Sich trüb rund ums Schicksal zwängen –
Philosophie erst sanft blockierend
Dann Erinnern barsch kaschierend
Gedankenlücken aneinander reihend
Dem Gedankenlicht noch verzeihend
Beobachten wir aus der Distanz
Des "Ich's" Verschwinden ganz
Die Rückentwicklung des Vertrauten
Der Nähe alles Aufgebauten –

Wir suchen fürs Geschehen Worte
Die der Betroffene vor Orte
An seinem Lebensende
Sicherlich noch gerne fände –
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