Sortieren nach:

Gedichte über die Meinung - Seite 51


Eins plus Eins

(Kein Ideal ist dem andern gleich...)

Da vermutet unser geschulter Geist
Der sich logisch zumeist beweist
Das sich Eins und Eins summieren lassen
Wenn wir gedanklich sie mit Hirn erfassen

Als gleich, als Masse, als Exemplar
Stimmen wir, das ist ganz klar
Dieser Theorie natürlich in Gänze zu
Doch passt er wirklich, dieser Schuh?

Abstrakt ist unser Zentimeter
Misst er genau zehn Millimeter
Beim Gramm ist es doch zumindest ähnlich
Das Kilo zeugt den Faktor tausend nämlich

Zeit gemessen in Minuten und Sekunden
Lässt sich zählen durch des Zeigers Runden
Doch deucht mir, dass da was nicht stimmt
Wenn man die Zeit so nacheinander sinnt

Gibt es doch gute Zeiten, schlechte Zeiten
Und um das begrifflich etwas aufzuweiten
Zeit lässt sich nur begrenzt verschieben
Ganz klar, Umkehr ist uns hintertrieben

Als Mensch ist man vom Maß gefangen
Von Sekunde, Kilo und Meter hintergangen
Addieren lässt sich so nur was gleich
Absolutes macht die Grenzen weich

So werden aus dem einen Apfel zwei
Etwas Witz ist natürlich auch dabei
Das Wurmloch ist perfekt getarnt
Der Wurm vom Hirn mit eingegarnt

Reicht Ähnlichkeit ... uns schon aus
Gleich gibts ... nicht in unsrem Haus
Genau Nichts ... gibts in unsrer Welt
Um das ... absolute Einigkeit bestellt

Wir hoffen auf diverse Konstruktionen
Mathematisch physikalische Illusionen
Darauf, das schneller Fortschritt löst
Was zur Zeit verspannt, ja, was verdöst

Wir lauschen auf die innere Stimme
Auf dass die nach rechtem Wege sinne
Wir feilen an Technik, mehren Wissen
Wollen kaum mehr Wohlstand missen

Wir potenzieren, abstrahieren
Nähern uns an und iterieren
Geist, Verstand und Glaube
Das Zeichen ein weiße Taube

Trachten danach zu kommunizieren
Wollen den Gleichstand wohl zitieren
Doch die Röhren scheinen verschlossen
Durch Potentialunterschied verdrossen

Gemeinsam sind wir ... nicht allein
Es muss jeder ... für sich selber sein
Nicht zwei sind ... einander gleich
Licht nicht ... Dunkel unser Reich

Sacht, mit viel Gefühl verloren
Dichterisch noch unvergoren
Zur Theorie des Eins und Eins ein Nein!
Ein Quellgebiet der unseren Pein

© Auris cAeli
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Anzeige


läuft...

Es tropft vor Selbstherrlichkeit
die bequeme Anonymität.
Die eigene innere Zerissenheit
nach außen um sich schlägt.

Wofür man selber sich gerne hält,
trägt man unerkannt zur Schau.
Was unerreicht lange schon quält,
jetzt ist die Zeit reif für die Show.

Mangels Personal Multitasking gilt,
eine Rolle alleine ist eh zu wenig.
Schlüpft mehrmals ins Bühnenbild,
omnipresent, das Talent rührselig.

Ist die Lebensrealität noch so bitter,
im Virtuellen kann man alles sein.
Ob Polizist, Politiker oder gar Richter,
ob Demonstrant oder Kritikerlein.

Wozu einem real der Mut fehlt,
traut man sich hier tapfer aufzutragen.
Kann behaupten, was nichts belegt,
blockiert lässig lästige Nachfragen.

Schwindet die begeisterte Gemeinde,
schafft man sich paar neue Rollen.
Doch sicher ist man nie ganz alleine,
paar Unzufriedene das Gleiche wollen.

Die Echokammer im Gleichklang hallt,
worin die schöne neue Welt verfängt.
Wer sich permanent mit Hass verstrahlt,
ins aggressive Krebsgeschwür einlenkt.

Alte weiße Männer und alte weiße Frauen
träumen von einst priviligierten Zeiten,
von einer letzten Generation aus Blauen,
dafür wollen sie jetzt den Weg bereiten.

Selbst unverbesserlichste Weltverbesserer
sind dabei, frustriert ihr Ideal zu verlieren,
zwischen Zähnen lauern Hetze und Messer,
als Feindbild vorbereitend sich zurückzieren.

Es scheint als dreht sich alles stets im Kreis,
nicht nur die Natur läuft so durchs Jahr.
Geschichte holt sich wieder ein als Beweis,
nicht jeder Mensch lernt aus dem was war.

© meteor 2025
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen


Anzeige