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Gedichte über den Mann - Seite 27


Unsere Nacht

Heute Nacht
Du erzähltest von schwarzen Löchern in den Herzen der Menschen,
und dass viele deiner Gebete sie niemals erreiche. Alle seien jetzt wieder zu Hause und auch du wärest auf deinem Heimweg, zurück von der Stille die einsam mache. Sie redeten wütend mit tausend Zungen durcheinander, die geballten Fäusten in ihren Taschen, sie in ihrem Temperament zu zügeln, das fiele dir so schwer. Als ob es die letzte wär, hattest du in den Zigarettenstummel gebissen, so leer fühlte sich dein Inneres an.

In derselben Nacht
Ein Mann warf verzweifelt eine Kiste Leergut-Flaschen in Richtung seiner Frau, dabei wurde sie an der linken Hand getroffen und unbestimmten Grades verletzt. Du wundertest dich, wann sie jemals aus ihren eigenen Gefängnissen entsteigen würden, wie oft sie sich noch gegenseitig die Treppe hinunterstürzen werden?

Im TV zeigten sie den Terror der Welt
Wie eine ganze Stadt in Schutt und Asche versank. Die Angst ging wieder um, sie hing an den Schürzen der jungen Mütter, schmuggelte sich in die Babymilch. Sie beantworteten Feigheit mit Feigheit, bedrohten sich erneut mit Schattengespenstern und Rauch. Du spürtest den zugefrorenen Traum, wie das Blut in den Geschichtsbüchern versickerte, sahst die Kinderschaukeln zwischen Hass und Henkersstaub knien.

Die Würde des Menschen sei ein Stern
Der versunken in den toten Müllbergen und den leergeträumten Meeren sich zu verankern sucht. Armut und Scham bettelten um Akzeptanz, die Flaschensammler legten sich in die chicen Receyclingtonnen, sie versuchten mit einer Hand am Saum der Nacht mitzuträumen.

Wenn das Geld nicht reiche
Reicht es auch nicht über die sieben Brücken zu gehen, sie hätten schon längst davon die Nase voll. Wo heilbringende Kirchen nachts verschlossen blieben, hinter Tür und Riegel hingen die Jesus-Kreuze jetzt, mit heiligen Sprüche an die Gemeinde gerichtet, an verwünschten Maibäumen und für den Tourismus sanierten Kapellen geheftet.

Neulich erinnertest du mich
An eine Zeit, die sehr schön war,
vielleicht in den 80igern, wir lagen Seite an Seite,
Im Nachtschattenblick, während all die anderen noch schliefen,
flüsterte dein offenes Herz in mein Ohr, du sagtest zu mir,
wie sehr du meinen Sonnenaufgang in das Heute liebtest!

Heute Nacht aber,
erzähltest du von schwarzen Löchern in den Herzen der Menschen,
und dass viele deiner Gebete sie niemals erreiche.



© Marcel Strömer
[Magdeburg, den 14.05.2018]

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Der Liebe Schuld?

Der Liebe Schuld?

Er liebte schon mit sechzehn Jahren junge Dinger,
Die ihm im Traum als Überlegenheit geboren.
Die wickelte er so leicht um die eigenen Finger,
Weil jene bisher nicht auf Liebe eingeschworen.

So kam es, dass er nur noch wechseln konnte,
Wenn Langeweile sich bei ihm einstellte,
Die Seele seinen Körper bindungslos bewohnte,
So dass er ständig Neukontakte wählte.

Er meinte: Mit den neuen Liebesreizen
Könnt' zum Olympus er leichter gelangen,
Denn mit viel Charme musst' er nicht geizen,
Im Ausgeh'n Zärtlichkeiten leicht verfangen.

Am Ende konnte man ihn nicht ausbilden,
Er machte krank und hatte keine Interessen,
War immer wieder heimatlos unter den Wilden
Und hielt sich lieber zeitnahe Mätressen.

So kam er schließlich in Hartz IV,
Saß oft gelangweilt in den Beizen,
Trank einsam dort sein Billigbier,
Suchte am Handy nach den Billigreizen.

Er meinte, an dem Schicksal wär'n die Frauen schuld,
Dass er sei zum Sozialabstieg verdammt.
Und dabei hatte er für sich doch keinerlei Geduld,
Die Lehre durchzuhalten, bis er anerkannt.

Dabei wäre alles einfach gewesen,
Denn er war klug und durchaus wohl erzogen,
Konnte den Eltern früher jeden Wunsch ablesen
Und blieb der Bildung lange Zeit gewogen.

Doch er sah in den Frauen keine Macht,
Die ihn hätten aufbauen können.
So fiel er in die Langeweile, in die Nacht,
Musste sich dieses Ziel nun abgewöhnen:

Einen Beruf erfolgreich auszuüben
Und eine feine Liebe aufzubauen,
Urlauben sommers in dem schönen Süden
Und nicht dem Herrgott Lebenszeit zu klauen.


©Hans Hartmut Karg
2018

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