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Gedichte über das Leben - Seite 696


pressefrei

Wenn ich nicht sage, was ich denke
Sondern mich auf das beschränke
Was mir zum Vorteil gereicht
Wenn ich ganz bewusst ablenke
Keinen reinen Wein einschenke
Bin ich schon so gut wie geeicht
-
Fürs Politikerdasein
Da muss gar nichts wahr sein
Die müssen`s nur glauben
Die sollen`s brav schlucken
Wie flüssige Trauben
Ganz ohne zu mucken
-
Einst kam Dank `Brot und Spiele´
Auch der Despot zu seinem Ziele
Das Volk will unterhalten sein
Dann schluckt es jede Lüge
Egal wie sehr ich es betrüge
Da fällt mir grade etwas ein
-
Wein, Weib, Gesang – da war doch was
Wohlan! In vino veritas:
„Trink, trink, Brüderle trink!
Pack die Keule aus und wink!“
Sein Blick in ihren Ausschnitt zeigt
Wie Wein zur nackten Wahrheit neigt
-
Santé! Chantez! Vérité
Auf geht’s, rein ins Dekolleté!
Danach, statt echter contenance
Heißt`s:`Honi soit, qui mal y pense´
Wird jetzt, wer aufdeckt, aufgehängt
`Ein Schelm, der Böses dabei denkt´
-
Schon drängt die Presse wie im Rausch
Zum Täter-Opfer-Rollentausch
Zum Abschuss frei, pullt Männer, pullt!
Die Alte ist doch selber schuld
Was hinterher für gut befunden
Zeigt, wer mit wem wie gut verbunden
-
Betret ich jetzt mit `pot de vin´
So völlig anderes Terrain?
Wahrscheinlich nur, wenn du nicht weißt
Was `Schmiergeld´ auf Französisch heißt
Bloß ein Gerücht, oder gibt’s tatsächlich
Politiker, die unbestechlich …?
-
Was aber, wenn sie andre schmieren
In das Geschmiere investieren?
Wozu? Die denken selber so
Die gibt’s umsonst auf dem Niveau
Und das `en masse´, da läuft brutal was schief
Auch Pressefreiheit ist mitunter relativ
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Das Haarwuchsmittel

In Malta hab ich einst gecampt,
bei der Hitze nur mit Shorts und Hemd.
Und dazu noch ohne Hut,
das tut der Glatze gar nicht gut.
Drum bin ich in den Ort gelaufen,
um mir einen Hut zu kaufen.

Der Verkäufer meinte dann:
„Der rettet auch nichts, lieber Mann.
Was soll denn der Hut schon nützen,
wenn nichts da ist, es zu schützen.
Wenn sie reich sind, um zu bezahlen,
hätt ich ein Mittel gegen Glatzenqualen.

Es handelt sich um Fischhormone
und Lava aus der Ätna-Zone.
Einen Tropfen täglich auf den Kopf,
mit dem Stein verrieben, wächst ein Schopf.“
Der Preis zu hoch, mein Glaube gering,
der Verkäufer zu spotten anfing:

„Geh du nur mit deiner Perücke,
nur deine Frau streichelt das Stücke,
Lass dein Geld im Keller liegen
und die anderen die Haare kriegen.“
Dabei ließ er je nen Tropfen
auf die Kniescheiben mir klopfen.

Und rieb nicht lange und sehr fein
das Mittel in die Haut mir ein.
„Eines Tages wirst du es bereuen,
diese Geldausgabe zu scheuen.“
Ich nahm den Hut, bezahlte, ging,
der Gedanke bald an anderen hing.

Drei Wochen später zu Haus
schlugen Haare auf den Kniescheiben aus.
Jetzt bereute ich mein Handeln
und kaufte ein Ticket um nach Malta zu wandeln.
Taxi, Flugzeug, Rüttelbus,
das letzte Stück ging ich zu Fuß.

Noch drei Schritte bis zur Ecke,
doch das Hutgeschäft ich nicht entdecke.
Im Straßencafé sagt ein Gast:
„Da haben viele was verpasst.
Der Hutverkäufer hat jetzt Geld
und reist nur durch die schöne Welt.

Ein Wunder war bei ihm geschehen,
statt Glatze ihm nun Haare stehen.
Richtig gesunde lange Loden
wachsen ihm bald bis zum Boden.“
Um den Spott nicht noch zu fordern,
musste ich lange Hosen ordern.

Nun suche ich ihn wo und wann
und frage euch: „Kennt ihr den Mann?“

08.08.2015 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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