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Steinharte Bänke im Hörsaal
sind für Sitzfleisch die reinste Qual,
das gewiss nicht nur ein- zweimal,
und längerer Verzicht aufs Mahl
steigert die erleidende Qual,
auch diese nicht nur ein-zweimal.
-2-
Das Loch im hungernden Magen
erzeugt Frust und Unbehagen
und man beginnt, sich zu fragen:
„Wer hat m Hörsaal das Sagen?
Der Dozent mit sattem Magen
oder lautes Hungernagen?“
-3-
Nimmt der Vortrag nun seinen Lauf
nimmt man Frust, Hunger, Durst in Kauf,
rutscht auf Sitzen runter und rauf,
fühlt sich noch unwohler darauf,
Druckschmerzen sich mehren zuhauf.
Gottlob endet jeder Verlauf.
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In den Gliedern steckt Müdigkeit,
macht sich zudem im Gehirn breit,
flugs ist es nicht mehr lernbereit
und Augen, erst neugierig weit,
nun in Traumes Versunkenheit,
schlafen fest für den Rest der Zeit.
-5-
Schlafende halten ihren Mund,
Wache schwätzen Stunde um Stund
tun ihre Langeweile kund,
wetzen dabei sich Zungen wund
und manch allzu vorlauter Mund
zerredet Vortrag, macht Redner rund.
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Nun ist, s der Dozent, der zürnt, grollt,
keiner von ihnen hat, s gewollt,
jeder fürchtet, dass er sich trollt,
ist nicht Schweigen Silber, Reden Gold
für Redner, denen man Respekt zollt,
zu oft wird mit Augen gerollt
-7-
Flügellahm, müde, abgeschlafft
fehlt fürs Denken nötige Kraft,
auch fließt träge der Lebenssaft,
Inhalt des Vortrags man nicht rafft,
wäre man weniger geschafft
ist, s nicht gesagt, dass man, s besser rafft.
-8-
Wenn das Gehirn ein Magen wär,
wär geistiges Verdauen nicht schwer,
denn fehlt als stete Gegenwehr
Sturkopf, der sagt: „Ich will nicht mehr“,
bleibt, mit Wissen vollgestopft, leer,
der Kopf wegen der Gegenwehr.
-9
Nur halb so schlimm im Nachhinein,
auf den Regen folgt Sonnenschein,
schales Wasser schmeckt gut wie Wein
schnell vergisst man Mühe und Pein,
künftig will man wachsamer sein,
darauf schwören sie Stein und Bein.