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Gedichte über das Leben - Seite 1807


Der Blick

Ich arbeite an dem Blick der alles sagt: „Über
das Leben! Über den Mensch! Über die Welt!“
Und ich denke, der Blick gelingt mir. Und
eines Tages bin ich so weit. Ich gehe auf die
Strasse. Sehe die Menschen. Und mein Blick
sagt mir: „Rufe die Telefonseelsorge an!“ Ich
sitze in der Ecke. Sehe mir die Welt an. Und
mein Blick sagt mir: „Trinke noch einen Tee!“
Ich sitze am Schreibtisch. Und denke über
das Leben nach. Und mein Blick sagt mir:
"Glaube wieder an das Christkind!"

Ich arbeite an dem Blick der alles weiß: „Über
die Siege! Über das Jetzt! Über die Wahrheit!“
Und ich denke der Blick gelingt mir. Und eines
Tage bin ich so weit. Ich denke an Waldbrände.
Und mein Blick sagt mir: "Glaube an die
Feuerwehr!" Ich denke an das was Sinn hat.
Und mein Blick sagt mir: "Spiele mal wieder
Verstecken!" Ich rätsele was das Glück ist.
Und mein Blick sagt mir: „Koche Dir eine
Portion Spaghetti!“ Aber Carbonara! Und
alle Rätsel des Lebens sind gelöst!!

Ich arbeite an dem Blick, der alles erklärt:
"Über die Macht! Über das Wissen! Über
den Erfolg! Und ich denke, der Blick gelingt
mir. Und eines Tage bin ich so weit. Ich laufe
durch die Strassen. Und der Himmel singt.
Und mein Blick sagt mir: "Du kannst fliegen!"
Ich lese eine Zeitung von Gestern. Und ich
weiß wie Zwerge träumen. Und mein Blick
sagt mir: "Kaufe ein paar Blumen!" Ich finde
die Sekunde die nur Kunst ist. Und sehe den
Clown. Und mein Blick sagt mir: „Ich gewinne!“

Klaus Lutz
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Eine alltägliche Begegnung

Ein Mann hatte einen wichtigen Termin und wollte dringend zum Flughafen, vorher musste er aber noch einige notwendige Dinge einkaufen. An der Kasse drängelte sich eine ältere Dame vor, mit der Begründung, dass sie ja nur eine Sache zu bezahlen hätte und auch nicht mehr so lange stehen könnte.
Zähneknirschend lies er sie vor und sah dabei hektisch auf seine Uhr.
Die Zeit schien nur so zu rasen.
Die Dame, eitel, eine Brille aufzusetzen fand nicht sogleich das passende Kleingeld in ihrer Geldbörse und so schüttete sie dessen ganzen Inhalt auf das Laufband des Kassenbereiches, so dass sich die Kassiererin den passenden Betrag heraussuchen konnte.
Natürlich fiel auch die Hälfte der Münzen auf den Boden und langsam wurde alles wieder aufgehoben.
„Nun aber los“ dachte sich der Mann, als er endlich seine Sachen bezahlt hatte
„Ich werde jetzt ein Taxi nehmen und das Flugzeug, hoffentlich, noch rechtzeitig erreichen.“
Das Taxi fuhr so schnell es konnte, er zahlte und eilte zu seinem Abflugschalter. Auf halbem Weg, sah er, wie sich die Türen schlossen und er blieb zurück.
Das letzte Flugzeug verpasst und dadurch, dass er diesen Termin nicht wahrnehmen konnte, waren einige finanzielle Einbußen zu erwarten. Verärgert fuhr er wieder nach Hause.
„Zehn Minuten, nur wegen zehn Minuten ist mir so ein lukratives Geschäft entgangen.“ Jammerte er. „Dieses alte Weib hat mich um den Erfolg gebracht, warum musste ich sie auch vorlassen.“

Da er nun Zeit hatte, schaltete er den Fernseher ein.
In den Nachrichten berichteten sie von einem Flugzeugabsturz, bei dem keiner überlebt hat.
Es wäre sein Flugzeug gewesen.


© Michael Jörchel