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Gedichte über das Leben - Seite 1721


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Das Bernsteinzimmer

Wissenschaftler und Sammler, wie immer,
suchen noch emsig das Bernsteinzimmer.
Am Ende des letzten verlorenen Krieges,
schleppte man Beute anstelle des Sieges.
Der Staat mit den größeren Möglichkeiten,
organisierte heimlich den Transport beizeiten.
Während allen im Winter die Hände froren,
ging das Zimmer auf dem Transport verloren.

Direkt nach dem Ende des Krieges
gedachten die Russen nicht nur des Sieges.
Bei der zur Suche nach dem wichtigen Uran,
sie auch in jedes Bergwerk sah’ n.
Selbst das, wo kein Deutscher mehr wohnt,
das Riesengebirge, blieb nicht verschont.
Hirschbergs Keller, die vierte Etage,
waren nicht befahrbar mit der Bagage.

Die Glatzer Festungs-Katakomben
widerstanden zwar russischen Bomben,
doch die Eingänge waren zu klein,
da passten nicht sieben LKW rein.
Mancher wähnte sich ganz schlau
und suchte in den Gruben von Braunau.
Gauleiter Erich Koch leitete die Aktion,
und endete in Polen als Dieb und Spion.

Da man ihn endlos schlaflos gequält,
hatte er einmal im Halbschlaf erzählt,
von Edelsteinfelsen und Eulenbergen
wo die sieben Kisten sich verbergen.
Der Lauscher hat schlecht übersetzt,
was der Gauleiter im Schlaf gepetzt.
Die Gegend, die der einst ausgesucht,
ist nämlich die Karpaczer Eulenschlucht.

Über dem Bergwerk, um das es sich dreht,
ein riesiger edler Granatenfelsen steht.
Wir putzen gerade Schaufel und Spaten
und überschlagen alle Bergwerks-Daten.
Wir wollen doch jenseits der Grenze hoffen,
dass dort der Tunnel noch nicht offen.
Kommt mit uns mit, in diesen Tagen,
helft, die Kisten nach draußen zu tragen.

08.08.2013 © Wolf-Rüdiger Guthmann
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Der Schritt

Es war so ein Tag. Ich dachte über Menschen
nach die ich hasse. Und ob ich sie ermorden
könnte. Ich dachte darüber nach wie Pleite
ich bin. Und ob ich einen Bankraub ausüben
könnte. Ich dachte über die Wahrheit nach.
Und ob ich mit der Lüge nicht einfacher lebe!
Es war so ein Tag. Ich war auf der anderen
Seite. Nur ein Schritt von mir entfernt. Und
ich finde Mord. Und ich finde Verbrechen.
Und ich finde Lügen. Nur ein Schritt von mir
entfernt ist alles verloren. Nur ein Schritt von
mir entfernt tobt der Krieg.

Es war so ein Tag. Ich dachte über Pläne nach.
Und ob ich alles zerstören könnte wenn nichts
funktioniert! Ich dachte über meine Ansichten
nach. Und ob ich Menschen schaden könnte,
die anders denken. Ich dachte über Wissen nach.
Und ob ich Menschen damit unterdrücken
könnte. Es war so ein Tag. Ich war auf der
anderen Seite. Nur einen Schritt von mir
entfernt. Und ich finde Zerstörung. Und ich
finde Intoleranz. Und ich finde Unterdrückung.
Nur einen Schritt von mir entfernt, ist alles
verloren. Nur einen Schritt von mir entfernt
tobt der Krieg!

Es war so ein Tag. Ich liege auf dem Bett.
Und auf der einen Seite der Wand sehe ich
Fotos: „Mit Freunden! Mit Festen! Mit
Reisen! Mit Lachen!“ Und ich erinnere mich
an Diskussionen. Und ich erinnere mich an
Besuche. Und an gute Zeiten. Aber auf der
anderen Seite der Wand, ist alles leer. Und
ich überlege, wie ich sie fülle. Soll ich einen
Schritt gehen. Und einen Kuss auf sie malen.
Und Blumen! Und Licht! Und Träume! Soll
ich das Beste aus der anderen Seite machen.
Mit all Ihrer Leere. Oder soll ich sie dem
Krieg überlassen!

Klaus Lutz
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