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Gedichte über das Leben - Seite 1603


G. Deutsche Einheit

Lothar, Helmut, Oskar und Erich sitzen an einem Tisch
eines Aussiedlerheimes. Lothar und Erich kommen von drüben, Helmut und Oskar sind aus dem Westen. Die vier
haben sich nach einem Fußballspiel kennengelernt, feiern gemeisam den Gewinn der Fußballweltmeister-chaft und warten auf die Ergebnisse der deutschen Einheit.

Helmut:
Der Matthäus war der beste,
Er schoß den Ball sehr feste,
In das Tor der anderen rein,
Nicht schlecht auch der Uwe Bein.

Erich:
Den Litti habt ihr von drüben,
Aus Berlin, doch muß er noch üben
Denn Ball in das Tor dort zu schießen,
Wie wir alle in Deutschland doch wissen.

Helmut:
Deutschland, einig Vaterland,
Diesen Umstand hat keiner verkannt,
In solchen seligen Zeiten,
Möchte man als Kanzler durch das Land schon reiten,
Durch das ganze Land,
Und diesmal nur wenig Sand
In die Augen der Menschen streuen,
Was ist es schön, daß alle sich freuen.

Erich:
Ich bin Maurer und ohne Job und Wohnung;
Ist dies etwa die ganze Belohnung,
Daß ich viele Jahre unserem Land gedient habe,
Daß ich mich nunmehr an Sozialgeldern labe.
Gewiß, herrlich blau der kleine Zehner
Leider im Grab schon der Erich Wehner,
Hat unser Glück nicht erleben dürfen,
Daß wir nun gemeinsam nach Goldgräbern schürfen.

Helmut:
Ich bin nach Rom gefahren,
Um mich um die Mannschaft zu scharen,
Hatte beinahe den Pott in meinen Händen
Und dachte: Jetzt erst recht die Geschichte wenden.

Oskar (zu Erich und Lothar):
Ihr seid mit zu vielen angereist,
Dies hat die Stimmung in unserem Land vereist,
Doch feiern wir nun einmal dieses Fest,
Weil die SED dieses Fest uns feiern läßt.

Erich:
Die Alten werden es heute bereuen,
Daß wir uns über die Einheit nun freuen;
Sie haben uns abziehen lassen,
Daß wir den Feind nun selber anfassen.
Der Schutzwall ist nun gefallen,
So daß unsere Köpfe jetzt wallen,
Ob eurer vielen Millionen
Mark, die mit euch wohnen, die mit euch wohnen.

Lothar:
Gottlob, wir alle haben gewonnen,
Dem Diego das Blut geronnen,
Gewonnen haben wir alle,
So sprachs auch der Rummenige Kalle.

Alle:
Prost, prost, meine Herren!
Wir wollen einen heben,
Nach Höherem nun auch streben,
Wir alle sind Weltmeister,
Wir werden noch viel dreister,
Prost, prost, meine Herren!

Erich:
Übrigens streben unsere drüben nach Arbeitslosen
Und denken in Lottoglückslosen
Und wünschen sich Slips, statt Unterhosen,
Was wird nur aus den Arbeitslosen.

Lothar:
Der Mensch drüben versteht zu kämpfen,
Die Sinne seines Übermutes zu dämpfen;
Denn rasch keimte der Übermut,
In den Adern kochte das rote Blut;
Doch im Kopfe schon die Mark,
Macht ihre Körper mutig und stark;
Darum malten sie schwarze Kreuze,
Entschuldigung, daß ich mich jetzt erst recht schnäuze.
Was wird nun aus meinem Trabanten,
Den schenk ich den vielen Verwandten,
Zum Beispiel den beiden Tanten,
Die möchten so gern den Trabanten.

Oskar:
Nun, ich wähle die SPD,
Immerhin weiß ich, wo ich dann steh;
Sie wird es richtig machen,
Die Politik wieder rot entfachen.

Erich:
Die PDS müßt ihr nun wählen,
Sie wuchert in unseren Seelen;
Sie wird uns nichts mehr stehlen,
Die PDS müßt ihr nun wählen.
Die SED hat mich ausgeschlossen,
Gefallen von hohen Leitersprossen,
Auf Betonboden aufgeschlagen,
Niemanden kann ich nunmehr überragen.
Ich bin Maurer und ohne Job und Wohnung,
Ist dies die einzige Belohnung,
Daß ich vierzig Jahre habe geheizt,
Ob mich das Land drüben noch reizt?
Darum bin ich abgehauen,
Um im Westen nach Arbeit zu schauen;
Auch die DKP hat mich abgewiesen,
Ich würde ihr die Stimmung vermiesen,
Habe ihr früher das Geld überwiesen,
Jetzt haben sie mich abgewiesen.

Lothar:
Du bist selber schuld an deiner Lage,
Was lehnst du dich aus dem Fenster, wage,
Wage es nicht, dich gegen den Weltmarkt aufzulehnen,
Dies möchte ich nur so nebenbei erwähnen;
Unsere Märkte sind älter als du,
Jetzt schlagen vor dir alle die Türen zu;
Und drüben werden viele entlassen,
Doch viele träumen von Untertassen,
Von fliegenden Gesetzen der Ökonomie
Und neuer Maschinentechologie;
Eine Maschine ersetzt den Mann
Weil er nicht wie die Maschine so gut und preiswert arbeiten kann.

Helmut:
Ganz gleich, was jetzt passiert,
Ich bin doch gut rasiert,
Trage keinen grauen Bart,
Bin noch gut in Schuß und in Fahrt.
Meine Wangen sind ganz kahl,
Wir schreiten bald zur Wahl;
Vergessen der Marx, Karl,
Von Dresden bis nach Marl,
Und auch der Illitsch Lenin,
Gilt nichts im Osten Berlin.
Ich bin so kahl rasiert,
Die beiden aber werden nicht rehabilitiert.

Alle:
Prost, prost, meine Herren!
Wir wollen einen heben,
Nach Höherem wieder streben.
Wir alle sind Weltmeister,
Wir werden noch viel dreister.
Prost, prost, meine Herren!

Eine Stimme, während die vier die Weltmeisterschaft im besonderen und die deutsche Einheit im allgemeinen weiterfeiern:

Auch wenn sie es nicht glauben,
Wir werden niemanden ausrauben,
Und nach anderen Ländern ausspähen
Und im Weltkrieg nun aufgehen,
Auf zu einem neuen Versuch,
Greift die Fahne, die Flagge, das Tuch;
Schwarz-rot-gold, es lichtet,
Auf daß uns kein Scherge mehr richtet.
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I. In einem türkischen Gefängnis (anno 1980)

Auf, auf, zack, zack!
Du gehörst zum Kurdenpack,
Befestigt die Elektroden,
An nackten Männerhoden.

Warum hast du Flugblätter verteilt,
Warum an einer Ecke verweilt,
Wir haben alles verboten,
Insbesondere und vor allem die Roten.

Bergtürken seid ihr,
Keine Kurden, ein bloßes Tier,
Ihr habt uns nun zu dienen,
Vor uns hinzuknieen.

Der Evren hat geputscht
Und am NATO-Speichel gelutscht,
Jetzt haben wir die Macht,
Was habt ihr euch eigentlich gedacht.

Daß Wahlen würden alles ändern,
Geschickt manipuliert in unseren Sendern,
Die Medien beherrscht und auch die Presse,
Ich schlag dir jetzt in die Fresse.

So und so, wenn du noch einmal lachst,
Du glaubst wohl, daß du noch wachst,
So und so, wenn du noch einmal lachst,
Du glaubst daß du noch wachst.

Und im vollen Rechte bist,
Rasch angewandt meine Schergenlist,
Und die Elektroden,
An nackten Männerhoden.

Dein Gesicht nun schon ganz blau,
Was ist eigentlich mit deiner Frau?
Du hast sie alleine gelassen,
Wir dich nunmehr lieblich anfassen.

Du bist ein Kurdentier,
Ein Bergtürke, wir,
Wir werden dich weiter quälen,
Dies möchte ich nur so erwähnen.

Deine Finger nun in den Schraubstock,
Nun ist deine Hand dran, glaub doch,
Glaub doch, was du willst,
Deine Renitenz du mit übermütigem Mute stillst.

Du kannst uns nicht entfliehen
Auf Narben und blutigen Schwielen,
Die Folter ist eine Zier,
Wir danken dir, wir danken dir.

Und auch die Peitsche leider,
Gehört zum Werkzeug, Neider,
Neider habe ich so ganz viele,
Da ich an deinen Hoden spiele.

Auf, auf, zack, zack!
Du gehörst zum Kurdenpack,
Befestigt die Elektroden,
An nackten Männerhoden.

Du zählst zur mißlichen Opposition,
In unserer stolzen türkischen Nation,
Warum du die Blätter verteilt hast?
In aller Stille, Eile, Hast.

Wir werden dich nun auch richten,
Mit unserem Recht, mitnichten,
Ganz, wie es uns geboten,
Verboten vor allem die Roten.

Wir sind die Schrecken der Welt,
Fürwahr ein gewaltiger Held,
Die Folter angewandt,
Ich foltere dir wieder die Hand.

Du wirst bei uns in bälde baumeln,
Nur noch wirr und irgendwie taumeln,
Wir werden dir Schmerzen hinzufügen,
Warum auch sollte ich lügen.

Bald wird es für dich enden,
Wir werden dich weiter verwenden,
Den Strang schon bald aufgehangen,
Was sollen wir nun auch anfangen.

Jetzt ist es bald endlich aus,
Du widerliche Kurdenlaus,
Wir werden einen Strang um dich legen,
Allein der Flugblätter wegen.

Auf, auf, zack, zack!
Du gehörst zum Kurdenpack,
Befestigt die Elektroden,
An nackten Männerhoden.

Wo ist deine Frau verblieben,
Du möchtest wohl noch lieben,
Du hast sie alleine gelassen,
Wie sehr mußt du sie auch hassen.

Und wo sind deine Kinder?
Du trägst so gern einen Binder,
Du hast sie alle verraten,
Du bist vollkommen mißraten.

Ich bin dein Folterschinder,
Verraten also auch deine Kinder,
Du hast keine Ehre im Leibe,
Ich den Nagel in deine Hand dir nun treibe.

Im weiteren du möchtest irren,
Mich mit deinem Mute verwirren,
Die Finger breche ich im nu,
Werde ich dich quälen immerzu.

Und nun endlich ein letztes mal,
Sag ich dir in diesem Saal,
Daß wir dich bald hängen müssen,
Doch erst noch mit Folter küssen.

Wo sind deine Freunde verblieben,
Die sich an deinem Mute rieben,
Sie haben dich ausgenutzt,
Derweil du deine Seele mit neuem Mute putzt.

Ich bin fürwahr nicht gehässig,
Während der Folter bin ich lässig,
Ich liebe diese Instrumente,
Bis zu meiner Altersrente.

Ich liebe mein ganzes Leben,
Derweil wir nach Folter streben,
Die Folter ist eine Zier,
Wir danken dir, wir danken dir.

Auf, auf, zack, zack!
Du gehörst zum Kurdenpack,
Befestigt die Elektroden,
An nackten Männerhoden.

Und auch die Elektroden wieder,
Singen mir liebliche Lieder,
Es ist noch längst nicht aus,
Du widerliche Bergtürkenlaus.

Und schon bald wir dich endlich gebrochen,
Es hat so selig gerochen,
Du hast ein paar Freunde verraten,
Bist unter die Verräter geraten.

Gar viele hast du genannt,
Dich in Widersprüchen verrannt,
Doch haben wir der Namen viele,
Dies gehört halt zu unserem Spiele.

Wir werden noch viele einfangen,
Was sollen wir mit dir noch anfangen,
Du wirst noch viele verraten,
Du bist halt ziemlich mißraten.

Du bist ein mißratener Sohn,
Der Folter vergönnter Lohn,
Du wirst weiterhin singen bald,
Bist du 35 Jahre alt.

Auf, auf, zack, zack!
Du gehörst zum Kurdenpack,
Befestigt die Elektroden,
An nackten Männerhoden.
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