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Gedichte über das Leben - Seite 1598


Lied zur deutschen Einheit

Was habt ihr verloren, ihr seligen Leute,
Jetzt fällt hinein die grausige Meute;
Groschen und D-Mark, sie heulen schon,
Ihr wünschtet euch schließlich diesen Lohn.

Ihr kauftet ein die Apfelsinen,
Doch nun sieht man es euch an, an eueren Mienen;
Wolltet ihr etwa die Arbeitslosen,
Oder gelüstete es euch nach Lottoglückslosen.

Warum ändert ihr die Geschichte nicht,
Was zwang euch untertan zu sein, so spricht,
Warum träumt ihr von hohen Wohnungsmieten,
Der Eigner wird euch das Billigwohnen verbieten.

Für vierzig Mark in zwei Zimmern zu hausen,
Die Marktwirtschaft wird über euere Köpfe brausen
Und manches Glück zertreten;
Möchtet ihr dann auch wieder zu einem Gotte beten.

Warum trog euch euer Selbstvertrauen,
Hattet ihr zu einem alternativen Sozialismus überhaupt
kein Vertrauen?
Oh tapferer Arbeiter drüben sprich!
Warum betrügst du uns und ebenfalls dich.

Das Soziale nämlich der Marktwirtschaft,
Hat vielen von uns Westdeutschen geschafft;
Ihr saht bloß den Schein unserer Welt,
Doch vergaßt ihr, ein "Noske" hat stets bis heute gebellt.

Warum habt ihr euerem Marx nicht geglaubt?
Warum ist er in Bürokratenhirnen verstaubt?
Ließe sich mit ihm eine neue Zukunft nicht wagen?
Nun müßt ihr das gemeinsame Leid mit uns Westdeutschen
tragen!

Ihr hattet wahrlich eine stolze Revolution,
So friedlich und machtvoll in eurer Nation;
Schon aber wendet ihr euere Wende;
Unsere Tradition aber ist die eine Erich Mende.

Das Wirtschaftswunder wünschtet ihr zu haben,
Ihr wolltet euch am Rockzipfel von Ludwig Erhard laben;
Warum zwangt ihr den Goliath nicht zum Kampfe?
Warum sangt ihr nicht neue Demokratie zur Klampfe?

Auch ihr hattet die Einheit verletzt,
Weil euch Schwarze zu Zeitrekorden der Einheit gehetzt;
Nun aber trinken wir auf unser gemeinsames Wohl,
Und wählen ab im Dezember, den Helmut Kohl.
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Anmerkungen zur deutschen Einheit

In unseren Städten schauern saure Regen,
Die Industriellen allerdings gar nicht verlegen,
Wie sie das Lied der sozialen Marktwirtschaft besingen,
Währenddessen andere noch mit ihrem Unwohlsein am Armentuch wringen.

Wenn die Schwarzen ihr Gezeter entfachen
Und klammheimlich über sogenannten sozialen Abstieg lachen,
Und das hohe Lied von ihrer sozialen Ader sprechen,
In Wirklichkeit aber der wahren Einsicht gebrechen,
Der Einsicht über die reale Wirkung von Marktgesetzen,
Und mit diesen weiterhin die hohe Moral der Soliraität verletzen;
So also sind bedenkliche Zeiten längst angebrochen,
Es hat in meinen Notizen darüber so jämmerlich nach Moder gerochen
Und anch über vierzig Jahren altem Schimmel,
Graue Nebelschwaden steigen auf zum Himmel.

Und der Mehmet, der ist aus der Türkei angereist,
Es hat ihn fürwahr an den Rand unserer Gesellschaft verwaist,
Schlecht bezahlt und weidlich angefeindet;
Früher hat er in Anatolien noch geruhsam Schafe und Ziegen geweidet
Und die pralle Sonne Anatoliens genossen,
So also sind ihm die Zeiten verflossen.
Seitdem lebt er in einem Kellerloch,
In Nachbarschaft von ihm eine Maritta Koch,
Eine fettfeiste Säuferin,
Mit einem herrlich gewaltigen Doppelkinn.
Heute spart der Mehmet auf ein Geschäft
In der Türkei, währenddessen ganztägig im Hofe ein Köter kläfft.

Solch eine deutsche Einheit sei nicht um jeden Preis,
Milliarden Mark der "Solidarität": dieser Preis ist heiß
Und wundersame Glaubenstüten für viele andere,
Damit uns so mancher als Bettler entgegenwandere.
Daß wir beizeiten die Währungsunion besingen,
Auch Nato-Melodien möchten dabei laut erklingen,
Und um jene Demokraten einzuvernehmen,
Ihre Identität mit Lug und Trug zu rauben und zu lähmen.
Bedenkliche Zeiten sind eingekehrt,
So lange Stoltenberg die Diskussion mit Soldaten bis zur Oder beschwert:
Bedenkliche Zeiten sind mir eingefallen,
Sosehr sie von sozialer Marktwirtschaft scherzen und lallen
Und jene Demokraten mit der Bundeswehr verwalten,
Um derweise Europa in weitere Lager zu spalten.

Zur Probe verbrachte ich eine Nacht im Bette,
Es handelte sich unächst um einen Schabernak bloß, um eine Wette:
Darum küßte ich an der Muse
Und köpfte schon auf ihren Rock und ihre Bluse:
Ich habe ihr das Lied der deutschen Einheit anders gesungen,
Wie offen und ehrlich haben meine Melodien ihr geklungen;
Keim einziger schiefer Ton war dabei,
Ich glaube, ich riß ihr sogar ihre Bluse entzwei;
Währenddessen ich ihr von Mehmet erzählte,
Und sie fragte, ob sie schon einmal an einer Urne wählte;
Denn sie war gerade aus Leipzig gekommen,
Vorher hatten wir zwei Runden bloß um die Wette geschwommen.
Hinweggefegt meine Notizen bedenklicher Zeiten,
Ich werde sie künftig noch oft zur Liebe und Einheit
verleiten;
Doch meine Wette ward verloren,
Für eine einzige Nacht nämlich habe ich sie ursprünglich auserkoren.
Sie aber übte sich selbst in eigenem Verlangen,
Wie sehr wir zwei zunächst und dauerhaft um Vorrechte rangen.
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Zum Wohl, Herr Kohl

Vor etwa eineinhalb Jahren reiste ich mit einem Zug
In die DDR, zwei Koffer ich damals bei mir trug,
Und blickte neugierig zum Fenster hinaus,
Besah dieses, jenes, ich glaube jedes Haus;
Folgte mit meinen Augen ihren blauen Kitteln,
Jener fleissigen Menschen ganz ohne Doktortiteln;
Wie sie Stahlgerüste mit einem Karren transportierten
Und Gerüst für Gerüst auf Halden und Haufen gruppierten,
Ähnlich wie bei uns vor vierzig Jahren,
Hier würde kein Arbeiter derweise in eine Schicht einfahren.

Und also öffnete ich das Fenster und streckte hinaus
meinen Kopf,
Und dachte dabei, ihre Industrie, nicht die Menschen an einen Tropf;'
Sie selber luckten sehr entspannt aus ihren Augen;
Diese Menschen würden fürwahr für anderes noch taugen,
Als Bürokratenhirnen zu gehorchen,
Jene als angebliche Sozialisten durch ihre Geschichte storchen.

"Sind sie auch von drieben?
Hat man sie ebenfalls vertrieben?
Und schließen sie bitte die Scheiben!
Ich möchte mit einer Erkältung im Abteil nicht verbleiben!"
Sprach es mich an von der Seite,
Ob auch ich einen Satz über das "Drieben" ausbreite;
Doch hielt ich mich mit meinem Munde geschlossen,
Gerade nämlich habe ich mich in die Deutschen von drüben verschossen.

Nun also reichen wir uns doch die Hand.
Habt ihr dies oder das schon gekannt?
Wir zeigen einander wie Kinder ihre Gaben,
Was die einen oder was die anderen wohl an sich haben:
Nun laßt uns schon ein Glas erheben,
Davon wird Europas Erdball gewiß nicht erbeben.

Zum Wohl, Herr Kohl!
Zum Wohle uns Deutschen unserer Geschichte;
Wir rechnen nach, in zwanzig Jahren historischem Lichte,
Und achten, daß wir niemanden verlieren,
Daß wir künftig ganz ohne Ausgrenzung in unsere gemeinsame Zukunft stieren.
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Zeugen im Zeugenstand

Was zeugten die Zeugen im Zeugenstand?
Deutschland stand schon oft an der Wand!
Einst in über zweitausend Ländereien zerspittert, Haben damals Fürsten und Grafen Morgenluft gewittert;
Im Siebzehnten Jahrhundert war es gewesen;
Darüber habe ich im Geschichtsbuch gelesen.

Bismarck endlich hat die Nation geeint,
Und selbst Bayern und die Preußen vereint
Und die Sozialistengesetze erlassen,
Übte er landesweit die Sozialisten zu hassen
Und übte und schritt mit Flottengesängen,
Die auch heute noch gar nicht anders klängen.

Mit einem Hurra auf den Lippen zu den Waffen gegriffen,
Und lauthals die erste Strophe des Deutschlandliedes gepfiffen,
Um aller Welt die Größe des Reiches zu zeigen,
Um größeren Reichtum für die deutsche Geschichte abzuzweigen;
Dann aber wendete sich das Glück,
Und das Reich verlor einen Krieg, Stück um Stück.

Es kam die Restauration im deutschen Land,
Nach der Revolution, den Bluthund "Noske" nicht verkannt,
So daß die Roten damals pflanzten jenen mißlichen Samen,
Daß auch die Braunen in der Geschichte nicht verkamen;
Und so sei auch Görner herzlichen Dank,
Daß das Reich wieder einmal blutrot versank.

Zehn Jahre Erprobungszeit,
1923 war deren Weg noch zehn Jahre weit;
"Mein Kampf" brauchte zehn kurze Jahre dann,
Um zuzuschlagen und bald irgendwann,
Setzte Hindenburg den Adolf Hitler als Kanzler ein,
Und so schrien, polterten und mordeten alle im Verein.

Was konnten wir aus unserer Geschichte herauslesen,
Die leiblichen Zeugen im Zeugenstand sind gerade am Verwesen.
So also haben wir zu neuen Zeugen zu greifen,
Der wissenschaftlichen Dokumentation, um unseren Land ein neues Gewand überzustreifen.
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