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Gedichte über das Leben - Seite 1254


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Selbst & Sicher

Text gegen Diskriminierung von Menschen und gegen Menschenfeindlichkeit)


Geh aus dem Schatten
deiner Verachtung heraus,
trete zurück in die vergangene Spur.
Das was erkaltet und gesperrt,
das einst windete und wetterte,
das von außen Eingerissene, das sich
der vertrauensvollen Verbundenheit
entfernte, das was nie sein sollte,
die unmögliche Tatsache.
Nimm dieses fremde Blut, den dir
geschenkten Schmerz des Schicksals,
schütte sie zurück ins Meer der
Unschuld. Wähle neu, eine andere
Form des Schutzes, erinnere dich der
menschlichen Werte und lasse sie zu.
So wie jede Zulassung es wünscht.
Die Erniedrigung führt den, der sie
ausübt, nicht zum gewünschten Platz
an der Sonne. Sie beinhaltet weder die
Schlüssel, noch Tor, noch Tür zur Freiheit.
In der Wunde wurdest du geboren,
die von Schmerzen belebt, in der Wunde
wirst du sterben! Sie aber verleiht dir
die Gabe zur Einsicht und Verantwortung.
Zu Lebzeiten pulsiert sie in den Adern,
und wandelt sich in Wut, die von Kraft und
Willen geprägt, konsequent und einsichtig
ist. Sie ermutig zu Auseinandersetzung
und Kompromiss. Aus der Verachtung
heraus hast du andere beschämt und
deklassiert, aber leider dich selbst nie
wahrgenommen, stattdessen trinkst du
leidenschaftslos und unentwegt aus der
Quelle der Unerbittlichkeit, die aus dem
Brunnen der Gnadenlosigkeit entspringt.
Du möchtest verhindern, nicht wissend,
was dich so verletzt und andere verletzt.
Du kennst nur die Spur der inneren
Genugtuung und Befriedigung, bist in der
Lage zu fühlen, wenn du die Schmerzen
des anderen siehst. Es genügt dir, mein
Gott es genügt dir nicht!
Wann ziehst du endlich den Vorhang
auf, öffnest das Fenster und blickst in dich
selbst?



© Marcel Strömer
(Magdeburg, den 15.01.2016)

Alle Rechte vorbehalten, besonders das Recht auf Vervielfältigung und Verbreitung, sowie Übersetzung. Kein Teil des Textes darf ohne schriftliche Genehmigung des Autors reproduziert oder verarbeitet werden!
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Frau Frigg im märkischen Heideland

Die Seuche war ins Haus gekommen,
sie hatte Kind und Kuh genommen,
auch noch die Katze weggerafft
Den Bauer hatte das geschafft!

Nun saß er arm und still am Feuer,
die Zwölften kamen ungeheuer:
der Wind, der fegte um das Haus,
die Tür sprang auf, ihn packt der Graus

Doch draußen in der bitt‘ren Kälte
stand nur ein kleiner armer Welpe
Die Frau, sie holte ihn herein -
Von nun an fiel ein heller Schein

ganz warm und freundlich in ihr Leben
Das Hündlein konnte sie erheben
Ein Jahr, da ging‘s den dreien gut
Dann kam erneut die Zeit, die ruht

Es klopfte drei Mal an die Tür  
Der Bauer hatte ein Gespür
und öffnete der Himmelsfrau
Die sprach: ‚sei ohne Furcht, vertrau,

mein Hündlein fordere ich zwar,
das ich verlor im letzten Jahr
Doch ihr ward ja sehr gut zu ihm
und hattet Böses nie im Sinn

So geb ich euch den Segen drauf
Mit eurem Hof geht's nun bergauf!'
Frau Frigg, sie rief den Hund zurück
Der sprang zu ihr und war verzückt

Das neue Jahr bracht' reiche Ernte
Das Unglück sich fortan entfernte
Viel Kälber gab es, Ferkel, Lohn
- und sogar noch einen Sohn


Zu einer alten Sage in der Zeit der Rauhnächte, den 12 geweihten Tagen zwischen dem Mond- und dem Sonnenjahr, die eine Zeit der Ruhe und der größeren Durchlässigkeit zwischen Himmel und Erde waren. Frigg(a), die Frau Odins,  ist die nordische Göttin des Herdfeuers und des Haushaltes, die in Deutschland in der Holle und ihren Parallelgestalten weiterlebte. Sie ging in dieser Zeit durch die Lande und sah nach dem Neuanfang. - Die märkische Heide liegt in Brandenburg.
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Ein Reiter in den Zwölften

Die Müllerin, sie sah gut aus,
doch ihren Nachbarn war's ein Graus
Als Hex' war sie im Dorf verschrien,
 war viel zu frei, wie's ihnen schien

Hing Wäsche in den Zwölften auf,
der ruhigen Zeit im Jahreslauf
Der Jäger holt dich, warnte man
Sie lachte nur und sprach: na dann!

Am Abend die Geschicht' begann
Es hob ein starkes Wehen an
Ihr war's, als ob man sie berühr'
Da trat ein Reiter in die Tür,

ganz rüstig und mit weißem Bart
'Willst mitreiten?' hat er gefragt
Der Müllerin war angst und bang,
zum Glück, sie zauderte nicht lang,

sprach klare Worte, holt' ihr Kleid
Der Jäger war schon marschbereit
Da riss der Sturm ihr 's aus der Hand
Und weht' das trockene Gewand

dem Reiter grade vor die Füss',
was nichts Gutes ihr verhieß
'So willst du mitreiten', fragte er
Sie drang in ihn und flehte sehr:

'Hab Haus und Hof und Mann und Knecht,
es geht uns gut, wir sind nicht schlecht'
Der Fremde hob die Hand nach ihr
'Oh nein', schrie sie, 'lass mich doch hier,

ich trag ein Kind in meinem Bauch!'
Denn auch bei IHM ist es so Brauch,
Rücksicht zu nehmen auf die Frau,
und sei das Leben noch so rau

Im Kind fängt es von vorne an
Da hält man inne, selbst als Mann
So sank die Hand langsam herab,
berührte ihre Brust ganz knapp

Der Reiter ging, ihr wurde weh
Das blieb ihr lange Zeit, oh je
Doch auch im neuen Jahreslauf
hing sie stets Wäsche draußen auf!


Die 12 Tage zwischen dem Sonnen- und dem Mondjahr, die sog. 'Rauhnächte', galten früher als heilige Ruhezeit. Da war Odin, der 'wilde Jäger', mit seinem Heer verstorbener Seelen in den Naturgewalten unterwegs. Wer z.B. in dieser Zeit draußen Wäsche aufhing, gab, so glaubte man, dem Gott des Totenreiches auch Macht über sich.
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