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Gedichte über Kinderfeiern - Seite 4


Rumpelstilzchen

(Frei nach den Grimm Brothers)

Des Müllers Tochter, jung und herrlich,
war wunderbar wohl anzuseh´n.
Die Burschen fanden sie begehrlich
und wollten ihr den Kopf verdreh´n.

Der Müller aber hatte Pläne,
die hatte er schon lang´ gehegt.
Die waren hart, wie seine Zähne,
die er mit Sorgfalt stets gepflegt.

Die Tochter sollt´ am Hofe weilen,
vielleicht sogar als Königin!
Sollt´ nie der Armen Schicksal teilen,
so stand dem Müller oft der Sinn.

Und als der junge König freite,
da sprach er frei: „Mein Töchterlein,
bewahrt das Reich vor jeder Pleite,
aus Stroh spinnt Gold sie gut und fein!"

Nun war der König wohl gewogen,
lud sie gleich ein ins Königsschloss.
Hat sie ins Kämmerlein gezogen,
wo Stroh nur lag und mancher Spross.

„Hier spinne nun, sonst sollst du sterben,
verrät ihr nun der König hart.
Der nächste Morgen bringt Verderben,
steht mir nicht pures Gold parat.“

Die Türen schließt, das Mädchen traurig,
das nicht mehr weiß, wie ihr geschieht.
Von Ferne heult ein Käuzchen schaurig,
so etwas, wie ein Todeslied.

„Wie kann der Vater sowas sagen,“
schluchzt sie in Tränen aufgelöst.
Ins Dunkel klingt ihr wehes Klagen,
wo mancher Geist und Gnom schon döst.

Mit einem Mal steht in der Kammer,
ein garstig, altes Männlein nun.
„Was soll dein lauter Katzenjammer,
ach, sagt mir nur, was soll ich tun?“

„Der König gab mir Stroh zu spinnen
und morgen schon, da will er Gold!
Ich weiß nicht wie, kann nicht beginnen,
die Alchemie ist mir nicht hold!"

Das Männlein grinst und schaut verlegen.
„Ich spinn für dich, du schönes Kind,
Dein Halsband wäre mir ein Segen,
gibst du, der Zauber gleich beginnt!“

Die Müllertochter gibt ihm gerne,
der ihr das Leben vielleicht schenkt.
Dann schaut sie hoch, ins Reich der Sterne,
wo sie mit Schrecken weiter denkt.

Schnurstracks und dreimal nur gezogen,
das Stroh sich nun zu Golde spinnt.
Manch alte Spule schon verbogen,
die gleich an Form und Wert gewinnt.

Am Morgen ist das Stroh versponnen,
der König voller Freude staunt.
„Nun hat das Glück für uns begonnen,“
verkündet er gleich frohgelaunt.

Die Gier im Geiste ist ihm groß,
so spricht zum Müller er erfreut,
„Dein Töchterlein, ist wie ein Los,
des Glückes, das heut´ Nacht erneut.

So soll sie mir das Stroh nun spinnen,
das sich mein Reichtum nochmals mehrt.
Um Mitternacht darf sie beginnen,
kein Päuschen sei ihr dann gewährt!“

Und wieder sitzt in großer Kammer,
des Müllers Tochter in der Nacht,
Gar kläglich klingt auf´s Neu ihr Jammer,
der manche Geister schlaflos macht.

Schon steht das Männlein, da im Scheine,
der durch viel Kerzenlicht erstrahlt.
„Mein Kind, was gibt’s du mir alleine.
wenn wieder Gold für dich erstrahlt!“

„Dann sollst du meinen Ring hier haben,“
sie zeigt dem Männlein ihren Schmuck.
Und lacht ihn aus den alten Knaben,
der sich nun gibt den nächsten Ruck.

Kreuzquer und dreimal schon verbogen,
er wieder Stroh zu Gold nun spinnt.
Manch krumme Spule aufgezogen,
das gleiche Spiel auf´s Neu beginnt.

Am Morgen ist das Stroh gesponnen,
der König nun vor Freude hüpft.
„Die Beste bist du,“ sagt er ganz versonnen,
der erste, zarte Bande knüpft.

„Ein drittes Mal, so sollst du Mädchen,
mir nochmals spinnen Stroh zu Gold,
die größte Kammer, hier im Städtchen,
die hab ich nur für dich gewollt!“

So sitzt die Gute in der Kammer,
schon wieder nun zur Mitternacht
und wieder klingt ihr lauter Jammer.
„Ich hab´ noch niemals Gold gemacht!“

Schon steht das Männlein da im Lichte,
das nun vom fahlen Monde fällt.
Ein Zaudern steht ihm zu Gesichte,
sein Lachen sich im Nu erhellt!

„Da bin ich um dir Gold zu spinnen,
wohl heute Nacht zum letzten Mal.
Was gibst du mir, soll mir verrinnen,
die Nacht noch einmal voller Qual?"

„Nichts kann ich dir für heute geben,
du nahmst das Halsband und den Ring,
Ich kann dir schenken nur mein Leben,
an dem fürwahr ich niemals hing!“

„Behalte es, das Männlein schlucket,
ch gebt mir erstes Kindelein!“
Und wie sie auf das Stroh so gucket,
spinnt er schon Fäden, golden fein.

Der teuflisch Pakt, er scheint besiegelt,
das Männlein spinnt die ganze Nacht
und als die Kammer ist entriegelt,
ward alles Stroh, zu Gold gemacht!

Der König froh, die Tochter sehnend,
so nimmt er sie alsbald zur Frau.
Sich wohl im großen Glücke wähnend,
da er als König, wirklich schlau.

Und da die Liebe nun auch brennet,
die Königin ein Kind bekommt.
Das sie mit Namen "Sarah" nennet,
schon steht das Männlein, da gar prompt.

„Nun will ich euer Kind mir holen,
das ihr dereinst des Nachts verspracht.
Ich schlich herum auf leisen Sohlen,
damit den Pakt, ihr niemals bracht!

So gebt das Kind, ihr müsst bezahlen,
den Preis mir nun, für eure Schuld!“
Man hört schon seinen Kiefer mahlen,
voll Argwohn und voll Ungeduld.

Ihr könnt die Tochter mir nicht nehmen,
die Königin kämpft wohl bis zuletzt.
Das Männlein tut sich furcht bar grämen,
den Mantel er vor Wut zerfetzt.

„Oh kannst du meinen Namen nennen,
in dritter Folge, will ich ruh´n.
Brauchst dich vom Kinde dann nicht trennen,
du dummes, altes Gackerhuhn!"

„Ach magst du vielleicht Udo heißen,
gar Konrad, Willi, Isidor.
Das Mannlein, mit dem Haar, dem weißen.
„So heiß ich niocht ich armer Tor!

Ich komme morgen Nacht dann wieder
und frage dich zur Geisterstund´.
nach meinem Namen wohl und bieder,
wohl unter all der Sterne Grund!"

Die Königin schickt hundert Mannen,
zu hören wie der Männer Klang.
Schon reiten beherzt von dannen,
der Königin ums Herz wird bang.

DDDie zweite Nacht, die selben Spiele,
das Männlein stapft mit festem Fuß.
„ Es gibt der Namen, gar so viele,
so sag mir meinen nun zum Gruß!"

„Magst du als Paul, dich wohl bekennen,
als Gollum und als Schnabelhans.
Mag man als Tunichtgut dich kennen?"
Das Männlein macht nhun großen Tanz.

„Oh nein, oh nein, so heiß ich nicht,
so lass dich mir´s nicht sagen.
Du dummes,altes, Mondgesicht,
gar traurig dein Betragen!

Kannst du meinen Namen nennen,
nicht morgen in derselben Stund´,
musst du dich von dem Kindlein trennen,
weil töricht ist des Menschen Grund“

Am Morgen kommt ein schwarzer Reiter,
mit Nachricht für die Königin.
„Ein Männlein sprach er tanzte heiter
und sprach manch Worte ohne Sinn.

Rief heute back ich, morgen brau ich,
hol übermorgen mir das Kind.
Das war ein purer Schrecken, grauslich,
wie furchtbar manche Männlein sind!"

Dann sprach er: „ Ach, das niemand weiß,
so wohlgemach bei allen Nöten,
das ich nun Rumpelstilzchen heiß,
das mag kein einzig Vöglein flöten!"

„Ach. Rumpelstilzchen, ist sein Name!"
Die Königin vor Glück berauscht
und hofft, dass Gott sich ihr erbarme,
auch wenn sie ihn oft ausgetauscht.

Und als das Männlein steht zur Stunde,
wo Mitternacht sich gerad´ entfacht.
Da bellen leis´ des Königs Hunde,
die Königin voll Freude lacht.

„Wie heiß ich wohl zum letzten Male,
stell ich die Frage nun hier an.
Dann Müllerkind, den Lohn mir zahle.
den unser Handel einst ersann!"

Die Königin, sie will sinnieren:
„Ich glaub du heißt gar Kunibert,
vielleicht auch Max, klingt Stimmvibrieren,
vielleicht auch Otto, oder Gert."

„Nichts ist hier wahr, das Männlein fauchet,
du kennst nun meinen Namen nicht!"
Sein karges, graues Köpfchen rauchet,
als Königin noch einmal spricht.

„Vielleicht magst Willehad, du heißen,
auch Rumpelstilzchen klingt nicht schlecht!“
Da donnert es, aus Nebel weißen,
das Männlein keift mit letztem Recht.

„Das hat der Pfarrer dir gemunkelt,
das hat der Satan dir gesagt.
Das hat ein Dämon dir gefunkelt,
das hat der Teufel nur gewagt!"

Schon reißt es ihn nun in der Mitten,
entzwei, das Männlein ist nicht mehr.
So ließ das Ende sich nicht bitten,
zwei Hälften bleiben, kalt und leer.

Nun endet wieder, hier ein Märchen,
das manchem Kinde ward erzählt.
Es sträuben sich so manche Härchen,
wo uns derweil ein Alptraum quält!

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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Der Wolf und die sieben Geißlein

(Frei nach den Grimm Brothers)

Es gab da einmal eine Geiß,
die hatte sieben Kinder gleich.
Die trug ein Fell, das war schneeweiß,
die war an Mutterpflichten reich.

Und als die Geißlein Hunger hatten,
auf Blätter und nach grünem Futter,
das gleich bei Walde wuchs, beim satten
und großen Feld, da sprach die Mutter:

„Der graue Wolf, der bringt Gefahr,
so schließ mir Kinder, gut die Türen.
Und bleibt im Hause, ist das klar?
Sollt´ nicht des Wolfes Atem spüren!“

„Das ist ganz klar, lieb´ Mütterlein,
meckern die Geißenkinder.
Der Wolf kommt nicht zu uns herein
und auch nicht die drei Rinder!“

„Die grasen meist am Brombeerbusch,
dort hinten bei den Buchen.
Die brüllen rum mit lautem Tusch,
die soll´n uns nicht besuchen!“

Die Mutter nun nach Futter sucht,
während die Kinder spielen.
Der Isegrim am Fenster flucht,
um nach ihnen zu schielen.

Schon pocht es an die Eingangstür:
„Ach Kinder ruft die Mutter,
fand grünen Klee über Gebühr
und bring euch nun das Futter!"

Doch klingt der Geißin Stimme rau,
auch hört man´s zweimal husten.
„Du bist der Wolf, bist alt und grau,"
die kleinen Geißlein prusten.

Der Wolf ist sauer, knurrt vor Wut.
„Ich werd´ euch schon erhaschen,
Euch widerliche Geißenbrut,
mit Griebenschmalz vernaschen!“

Die Geißlein aber lachten nur:
„Du spielst uns kein Theater.
Nun geht zurück in die Natur,
du alter Wolfenvater!"

Der Wolf, der kauft sich Kreide nun,
für eine Stimme fein und rein.
Er mag nicht rasten, mag nicht ruh´n,
erneut treibt er sein Stelldichein.

Und wieder klopft zur Tür er an
und säuselt: „Macht mir auf, ihr Kleinen.
Bin eure Mutter, die gewann,
will euch nun geben Hafer, feinen!“

„Du lügst, sprach da ein Geißenkind,
zeig deinen Huf vorm Fenster!“
Am Häuschen rüttelt nun der Wind,
als schüttelten Gespenster.

„Das ist nicht unser Mutter Fuß,
schrie´n sieben junge Geißen,
Der hier ist grau, dir Wolf zum Gruß,
du kannst uns nicht bescheißen!“

Der Wolf drauf hin zum Bäcker läuft,
den Lauf sich weiß zu machen.
Er taucht in Mehl ihn und er säuft,
von Honig und solch Sachen.

Und wieder klopft er donnert an,
die Geißlein nun erschrecken.
Gleich spricht der, wie er sich ersann,
mit süßem Stimmgeblecken.

„Ach, Kinder öffnet mir das Tor,
schaut auch die weißen Füße,
Das Mütterlein, steht doch davor
und bringt euch beste Grüße!"

Nun machten ihm die Geißen auf,
schon sprang er in das Zimmer.
Die Geißlein nahmen es in Kauf
und hatten keinen Schimmer.

Der Wolf sie allesamt nun fraß,
der hielt nicht viel vom fasten.
Das Jüngste, er dabei vergaß,
das saß im Uhrenkasten.

Und als die Mutter heim nun kam,
war groß gar ihr Erschrecken,
konnt´ kein´s der Kinder, brav und zahm,
im Hause noch entdecken.

Das Haus schien auf den Kopf gestellt,
die Möbel auch zerbrochen,
Das macht die Alte nun vergrellt
und schießt ihr in die Knochen.

Sie sucht, sie ruft, mit Wehgeschrei,
sieht man durch´s Haus sie eilen.
Als ob das schon das Ende sei,
so zwischen all den Zeilen.

Da meldet sich das jüngste Kind:
„Mich hat er glatt vergessen,
die anderen, hat ganz geschwind,
der böse Wolf gefressen!"

Und als die Geißin Ausschau hält,
liegt der am Apfelbaume.
Vergessen scheint der Rest der Welt
in seinem schönen Traume.

Des Wolfes Bauch sich fleißig regt,
die Geißlein sind am leben.
Schon wieder eines sich bewegt,
nur eines kann´s hier geben!

Die Geißin jagt im schnellen Lauf,
nach Haus´ und holt ein Messer,
dann schneidet sie den Bauch ihm auf,
dem grauen Geißenfresser.

Die Geißlein springen froh umher,
nun scheinen sie errettet.
Des Wolfes Bauch ist platt und leer,
ans Schicksal nun gekettet,

„Hopp Kinderchen jetzt schnell und fein,
die Geißin drängt zur Eile,
Bringt Felsen mir und Wackerstein,
das reicht für eine Weile.

Und damit füllt sie ihm den Bauch,
näht dann mit groben Faden.
ihm zu, den grauen Balg nun auch,
noch immer sehr geladen!

Und als der Wolf kurz drauf erwacht,
es ihm nach Wasser dürstet,
Auch hat er sich seit gestern Nacht,
die Zähne nicht gebürstet.

So schleppt er sich zum Brunnen schwer,
und dort Labsal zu suchen,
der Bauch der wackelt hin und her,
man hört ihn wieder fluchen.

„Was rumpelt da in mir herum
ich dacht´ das wären Geißlein,
die sind so schwer und stumm
als wären sie aus Stein!"

Und als er sich zu trinken bückt,
stürzt er in kühle Fluten,
sein Spiegelbild ihn kurz entzückt,
das längst nicht mehr im Guten.

Der graue Isegrim ertrinkt,
in jenes Wassers Schwalle.
Bis an den tiefen Grund, er sinkt,
der Brunnen, wird zur Falle.

„Das ist das Ende uns´rer Not,
hört man die Geißlein singen.
Der Wolf ist tot, der Wolf ist tot!"
Die frohen Lieder klingen.

Und wenn sie nicht gestorben sind,
dann tanzen sie noch immer.
Am Brunnen dort im Abendwind,
wohl unter Mondes Schimmer.

© Hansjürgen Katzer, Januar 2012
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