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Gedichte über Hoffnung - Seite 527


Was bleibt

Ich habe etwas tief in mir verschlossen
und stelle mir selber diese Frage,
wann die letzte Träne wird sein vergossen,
die Sehnsucht vorbei, nach dem was ich nicht habe?

Wann höre ich auf darüber nachzudenken
und finde endlich wieder Schlaf?
Wann höre ich auf mein Potential zu verschenken?
Wann wird dieses stumpfe Schwert wieder scharf?

Was habe ich vorzuweisen?
Die Liste ist denkbar klein.
Wann geht der rote Klumpen endlich wieder auf Reisen,
anstatt gefangen in der Brust zu sein.

Bevor das Feuer alles zerstört
und Menschen den Niedergang gebracht.
Wieder hat keiner zugehört,
wieder hat keiner es anders gemacht.

Und alles Mahnen, alles Reden und klagen,
das bringt nichts, wenn der Rest nur schweigt.
Selbst ein Leben später vermag ich nicht zu sagen,
was ist es denn, was bleibt?

Eine Lektion für die Erben?
Die Angst davor zu sterben?
Die Erkenntnis, dass sich der Tyrann auf Leichen bettet
und kein Gott uns letzten Endes rettet?
Die Einsicht, dass wir unmündig bleiben
und faul lieber gänzlich schweigen?
Anstatt ehrlich zu sein, lieber heimlich weinen,
und hier unser Leid dann reimen?

Und doch: da ist einer, der ließt,
der hofft, der glaubt, der Tränen vergießt.
er kämpft, doch ist gnädig und vergibt,
weil auch er einen anderen Menschen liebt
und weiß, jedes leben ist von unbezahlbaren wert.
Er läuft, er fühlt, lernt und erfährt:
Das Leben ist kein Einzelspiel,
mit mehreren kommt man schneller ans Ziel.
Er wird vorangehen, seinen Geist erweitern
und ja, er wird auch manchmal scheitern,
zu fallen, dem wird niemanden entgehen,
die Kunst ist, wieder aufzustehen.

Was aber ist es nun, das mich treibt zum schreiben?
Werde in tausend Jahren eh keinen mehr fehlen
Und doch, die Gefühle werden bleiben,
solange Geschichten von Ihnen erzählen.

was bleibt, das zeigt sie dir. Wir alle gehen fort,
Und doch: Ein Teil bleibt hier.

N.Fender
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Wenn Tränen sich nicht trauen

Man sagte mir:
Gefühle sind schwach.
Schluck sie runter.
Mach dich nicht lächerlich.
Schon gar nicht in unserer Familie.
Nicht auf offener Straße.
Nicht vor Leuten.
Nicht mal vor dir selbst.

Also habe ich sie versteckt.
Hinter einem Lächeln, das zu eng war.
Hinter einem Nicken, das nicht ehrlich war.
Hinter einem Herz,
das so oft sagen wollte:
Siehst du mich?
Doch stattdessen schwieg.

Ich habe gelernt zu überleben
mit einem Kloß im Hals
und Fluten hinter den Lidern,
die nie schwimmen durften.

Jetzt sitz ich hier
mit einem Körper,
der nicht weiß,
was Weinen bedeutet.
Mit einer Angst,
die fragt:
Was, wenn du mich nicht hältst,
wenn ich falle?

Ich möchte weinen lernen.
Wie man sprechen lernt.
Stolpernd.
Ehrlich.
Mit zitternder Stimme.
Mit jemandem, der bleibt.

Ich möchte fühlen dürfen.
Nicht perfekt. Nur echt.
Und nicht allein.

Ich will mich nicht mehr entschuldigen
für meine Tränen.
Sie sind kein Defekt.
Sie sind das,
was mich menschlich macht.

Und vielleicht fängt es so an:
Ein leiser Moment,
mit einer Hand, die mich hält.
Ein tiefer Atemzug,
der mir erlaubt: Du darfst traurig sein.

Ein ehrliches Wort
in einem sicheren Gespräch.
Ein zittriges „Ich bin gerade traurig“,
und jemand,
der nicht wegläuft.

Ein Lied,
das mich weicher macht.
Ein Blick in den Spiegel
ohne Urteil.

Ein Tag,
an dem ich nicht alles schaffe
und ich trotzdem gut bin.

Vielleicht sind es Tränen,
die ganz leise kommen,
nur ein paar
doch ich lasse sie.
Einmal.
Und noch einmal.
Und irgendwann
ohne Angst.

Ich wünsche mir,
dass eines Tages
jemand da ist,
der sagt:
„Lass los. Ich bin hier.“
Und dass ich dann glaube,
dass das stimmt.

Und bis dahin
halte ich mich selbst
so gut ich kann
in der Stille,
in der Hoffnung,
im Mut,
der mit jedem Herzschlag wächst.

Denn vielleicht
ist Schwäche gar keine.
Vielleicht ist Weinen
der Anfang
von allem,
was heilt.
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