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Gedichte über den Glauben - Seite 36


Religionsmissbrauch

Nichts ist seit jeher so beständig
als der Krieg der Ideologien.
Selten dabei selbst eigenhändig
sind Wortführer mittendrin.

Ihre Taten sind die der Anstifter,
der Lügner und Faktenschinder,
der Spalter, der Volksvergifter,
der begeisterten Narrativerfinder.

Seit es Glaube gibt unter Menschen
wird er für alle Ziele missbraucht,
instrumentalisiert ohne Bedenken,
umgedeutet wie es einem taugt.

Religion benutzt für politische Zwecke,
einseitig oder gar falsch ausgelegt,
um weltliche Anschauungen zu decken,
Taten zu rechtfertigen, weil es geht.

Gerechter Terror gegen Ungläubige,
Gottes Wille sei bei all dem gewiss.
Gar Lohn für besonders Frömmige,
Märtyrer, Heilige gibt es im Paradies.

Menschenopfer der modernen Art,
mit Sprenggürteln und Granaten.
Eingeschüchtert durch jede Gräueltat,
auch an Abtrünnigen, die Gott verraten.

Kritik gegen Gottesdiener und -dinge
ist Blasphemie und Gott gelästert.
Heuchelei und scheinheiliges Gesinge,
schon ist das eigene Leben verbessert.

In der Theorie ist Gott allmächtig,
er braucht keinen Menschen für sein Tun.
Selbsternannte Vertreter sind verdächtig,
alles in seinem Namen für sich ist nun.

Das Christentum hat angeblich gelernt,
viel Leid hat es über Menschen gebracht.
Ihr Einfluss nun per Verfassung entfernt,
trotzdem werden Steuern dargebracht.

Solange Religionen nicht darauf verzichten,
Ungläubige laut Heiliger Schrift zu richten,
solange sind sie gegen die Menschenrechte,
Religionsfreiheit ja, nur ohne das Schlechte.

© meteor 2025
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Die Rückkehr des Perlentauchers

Er tauchte auf, er kam zurück
Am Strand, wo Kinder spielten
Mit Tang umhangen, Gischtgesicht
Im Mittagslicht erschienen
Ein Munkeln, Tuscheln, umgeschart
Ist er’s; aus welchen Tiefen
Und welchen Wassern unerwart’
Kam die Gestalt gestiegen?

Die Älteren berichten sich
Dass einst, vor vielen Jahren
Ein junger Mann von dannen wich
Er sei zur See gefahren
In Sturm und Drang der Nacht gefolgt
Dem Ruf, vom Wind getragen
Bis er im Klippenrausch verscholl
Dort, wo die Nymphen baden

Der Weg, der ihm hier offen war
Er hat ihn nie beschritten
Die Frau, die ihm versprochen war
Viel Jahr hat sie gelitten
Eltern, Geschwister, Freunde gar
Er war ihnen entglitten
Die Welt, von der er träumte, war
Kein Land für ihre Sitten

Ja, dort am Abhang stand sein Haus
Heut von Geröll verschüttet
Von da führte ein Steg hinaus
Der dann ins Wasser mündet’
Drum bleibt auf eurem Weg und Stand
So hatte man verkündet
Den Jüngeren, und sie ermahnt
Dass keiner mehr verschwinde

Doch manche glaubten, dass er Glück
Am Horizont gefunden
Dass er vom Himmelslicht ein Stück
Sich mitnahm, von dem runden
Dass er auf Wolkenpferden ritt
Und lachte auf uns unten
Mit Drachen rang und Bücher schrieb
Von allen diesen Wundern

Berauschend, wie im Wind verschwand
Und aufging in den Wellen
Der Glücksritter, der Wildsylvan
Der Taucher in den Schnellen
Geblendet wie von Glitzersand
Ein strahlender Geselle
Prall spiegelt sich in seiner Hand
Die volle Sonnenperle

Ist er derselbe, der da geht
Und ob er uns vertraut ist?
Wie kann es sein, dass er noch lebt
Und wieder aufgetaucht ist?
Die Perlensuche lag ihm wohl
Wie feurig er erlaucht ist
Nun sprich zu ihm, und frag ihn schon
Ob er wieder zuhaus’ ist

© Sankt Nimmerlein
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