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Gedichte über Gefühle - Seite 1817


Mein Gesicht trägt schwarze Blüten

Schweigen. Mein Gesicht trägt schwarze Blüten.
Die Nacht frisst Schlaf, der Tag trinkt Tränen
und meine leeren Augen gähnen.
Wie kann mein Mund die Stille hüten?

Diese Stummheit in der Tiefe... Ich frage dich:
Ja, wenn sie riefe aus der Sprödheit des Gebeins…
Wär mein dunkles Leid dann plötzlich deins?
Sähest du hinter allen meinen Wunden MICH?

Diese Ruh zermalmt mit stumpfen Zähnen
uns inmitten ihrer dumpfen Schwere.
Fühlst du auch, dass in der Leere
wir uns plötzlich sterblich wähnen?

Wir, die einst die Ewigkeit gepachtet,
sind uns nun fremd und splitternackt – sag wie
kann man dem entkommen was die Ödnis spie,
die uns wie Sirup zäh umnachtet?

Unsere Seelen wollen ineinander schwingen,
doch greifen lange Finger aus dem stillen
dunklen Spiegel – lähmen unsren letzten Willen
auf frohe Töne: Horche, unsre Gräber singen!

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Hier eine ÜBERARBEITETE VERSION dieses Gedichtes, die sich sowohl rhythmisch als auch am Ende inhaltlich von der 1.Version unterscheidet:

Nur Schweigen. Mein Gesicht trägt schwarze Blüten.
Die Nacht frisst Schlaf, der Tag trinkt Tränen
im Spiegel seh ich leere Augen gähnen.
Mein Mund will einst Erlebtes sorgsam hüten.

Doch völlig ruhig ist’s in der Tiefe. Ich frag dich:
Wenn Stille riefe aus den bleichen Knochen
in denen sich mein dumpfes Leid verkrochen,
bemerktest du seitab der Angst auch mich?

Sag, fühlst auch du, wie ich, die Leere,
urplötzlich dies sich-sterblich-wähnen,
wie zwischen ihren stumpfen Zähnen
die Ruhe uns zermalmt in ihrer Schwere?

Wo Seelen wollen ineinander schwingen,
da ragen kalte Hände aus dem stillen
zersprungen Spiegel, zwingen meinen Willen
zu frohen Tönen. Horch – die Gräber singen!

Wir, die scheinbar Ewiges erschufen
sind uns nun fremd und splitternackt! Sag, wie
kann ich bestehen? Was die Ödnis spie,
wird allzeit mich beim Namen rufen.

© Anouk Ferez ; 5. Oktober 2015

Liebe Leser, warum poste ich 2 unterschiedliche Versionen ein und desselben Gedichtes? Um einmal exemplarisch zu zeigen, WAS ein einziger (!) Überarbeitungsgang inhaltlich & stilistisch alles bewirken kann..
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Die Sehnsuchts - nass aufgepressten Lippen im Schnee..

Die Sehnsuchts - nass aufgepressten Lippen im Schnee..

Kalt, bitterkalt. Nein, dies war es nicht. Eisigkalt. Eisigkalt war es. Vivien erstarrte vor Kälte. Vor eisig bitterer Kälte, erstarrte sie. So ein Mist!" So ein verflixt - verdammter Mist!"
Mist!" Meine Hände gleichen einem Eiszapfen. Wäre ich doch blos nicht alleine aufgebrochen.Vivien zerplatzte in selbstmitleid. Man..!" Man, verdammt nochmal!" Sie schleppte sich mit wiederwillen weiter stets voran. Immer weiter und weiter.. Weiter. Der Schneesturm er nun grundnah war, erfasste ihr Haar. Ihr Haar und zerzauste es, wild - durcheinander. Er zerzauste es so enorm, dass es sie schlichhinweg mal in den Wahnsinn trieb. In den Wahnsinn!" Grundgegebene Kacke!" Kacke!" Ihr Gesicht nass und bläulich erstarrt, so stand sie da.. Verzweifelt. Ja, richtig verzweifelt stand sie da. Einfach da. Wo ist nur die Hütte?" Wo ist nur diese verdammte Hütte?" Vivien ermannte sich im Selbstgespräch.. Wo nur?" Wo!" Sie stampfte durch den Schnee, sie fluchte und fluchte.. Aua!" Aua, du Vollidiot!" Du Vollidiot!" Ihr Fuss gleichte einem taubem Ohr.. Hey süsse, hast du dir sehr weh getan?" Vivien fand sich urplötzlich in starken fremden Armen wieder. Ihre Augen infizierten sich miteinander so sehr, dass sie nicht mehr voneinander ablassen konnten. Ihre Blicke trafen sich wie ein Blitz!" Wie ein Blitz!" Ein Schauer lief über ihren Rücken, Gänsehaut. Gänsehaut pur!" Pur!" Und zugleich, kochendheiss. Kochendheiss!" Ihre nassen feuchten Lippen knabberten aneinander bis zum beidergleichen Vulkansausbruch. Zungen sie umeinander schlugen, zart umfasst mit vollen Zügen. Vivien schnappte nach Luft. Wer bist du eigentlich und wo kommst du urplötzlich her?" Wo?" John.. John ist mein Name. Ihre Augen zogen sich aus, aus. Aus!" So aus, dass sich die sehnsuchtsgeprägten nassen Lippen im Schnee immer wieder fanden..

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gez.: Mareike Rauh
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