Sortieren nach:

Gedichte Über Gedanken - Seite 624


Mein Kopf sagt: es ist vorbei. Mein Körper sagt: es passiert noch.

Es ist still.
Die Nacht ist längst hereingebrochen,
und alles um mich wirkt friedlich.
Aber in mir da ist Krieg.

Ich liege im Bett.
Die Tür ist abgeschlossen, die Fenster zu.
Ich bin allein.
Und trotzdem spüre ich ihn.

Nicht ihn als Mensch.
Sondern das, was er hinterlassen hat.
Das, was sich in meinen Körper eingebrannt hat,
wie Rauch in Kleidung, der nie ganz verschwindet.

Mein Herz schlägt zu laut.
Meine Muskeln sind angespannt,
mein Atem flach,
mein ganzer Körper bereit zur Flucht
obwohl niemand da ist.

Ich weiß, dass ich heute sicher bin.
Aber mein Körper glaubt das nicht.

Weil es damals auch leise war.
Weil er auch kam, als alles ruhig schien.
Weil ich damals auch dachte: Es passiert doch nichts.
Bis es passierte.

Seitdem trägt mein Körper Erinnerungen,
die mein Kopf längst zu vergessen versucht hat.
Aber mein Körper hat nicht vergessen.

Manchmal fühlt es sich an,
als wäre ich innerlich immer noch dort:
gefroren,
ohnmächtig,
abgeschnitten von mir selbst.

Als hätte ich mich nie ganz zurückgeholt.
Als wäre ein Teil von mir dort geblieben
wo mein Nein übergangen wurde,
wo mein Körper mir genommen wurde.

Und seitdem ist nichts mehr wie vorher.

Berührungen können plötzlich zu viel werden.
Ein bestimmter Tonfall, ein Geruch, ein Blick
und alles in mir springt an.
Ich ziehe mich zurück,
bin wieder dort,
auch wenn mein Kopf sagt: Es ist vorbei.

Am Tag sieht man mir das nicht an.
Ich lache.
Ich rede.
Ich funktioniere.
Aber manchmal sitze ich ganz still,
und spüre, wie mein Inneres zittert,
ganz ohne Grund
nur weil mein Körper sich erinnert.

Es ist nicht vorbei.
Nicht für mein Nervensystem.
Nicht für mein Inneres Kind,
das damals nichts tun konnte
und bis heute nicht weiß, wie es sich retten soll.

Ich bin nicht schwach.
Ich bin nicht überempfindlich.
Ich bin nicht dramatisch.

Ich bin eine Frau,
die Gewalt erlebt hat
und deren Körper bis heute versucht, das zu überleben.

Ich wünsche mir mehr als das.
Ich wünsche mir,
dass mein Körper wieder glauben darf:
Ich bin jetzt sicher.
Ich darf Nein sagen.
Ich darf weich sein.
Ich darf mich spüren,
ohne Angst vor dem, was kommt.

Ich überlebe jede Nacht.
Und jeden Tag.
Aber ich will mehr als überleben.
Ich will leben.
Ganz.
Und heil.
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Ich bin ein Baum

Wenn ich ein Baum wäre,
wüsstest du mit dem Wissen, dass ich ein Baum bin,
noch lange nicht, wer oder was ich bin.

Es gibt Tannenbäume, Laubbäume, Obstbäume,
so viele Arten, so viele Sorten...

Jeder ist anders beschaffen, sieht anders aus,
hat andere Bedürfnisse,
wächst und gedeiht,
je nachdem,
auf welchem Untergrund er gewachsen,
welchen Umwelteinflüssen er ausgesetzt ist,
ob ihn jemand zuschneidet,
pflegt
und natürlich,
wie alt er ist.

Der eine ist schmal, der andere weit ausladend,
der nächste hoch, der andere schief,
der eine dick, der andere dünn,
krumm, gerade, hochgewachsen,
der eine hat viele Blätter,
wieder ein anderer viele Früchte,
der nächste hat Nadeln, der übernächste lasst alles fallen.
Der eine grün, der andere rot, der nächste gelb
und der übernächste bunt.
Du siehst ihn und denkst – ja klar…

Ich bin wie ein Baum...

Einzigartig...

Ich bin - ein Menschen-Baum.
Eine ganz besondere Sorte,
bei der du jeden Tag
entdecken kannst,
was sie ausmacht.

© A. Namer
Es ist wunderschön der Natur verbunden zu sein - wir können sehr viel von ihr lernen. Unter anderem, dass jeder Baum, jede Blume, ja - jeder Grashalm einzigartig ist. So wie du und ich. Ich hatte unendlich viele Gedanken bei diesem Text. Vor allem wollte ich die Vielfalt aufzeigen, die sich - in allem - so sehr in der Natur zeigt. Kein Mensch käme auf die Idee zu sagen, dieser Baum ist nicht in Ordnung, weil seine Blätter grüner sind als bei einem anderen. Kein Mensch käme auf die Idee, einem Laubbaum zuzuschreiben, er müsste die selben Eigenschaften wie ein Nadelbaum haben. Ist ja klar, er ist ein Laubbaum. Bei uns Menschen ist da gar nichts klar. Jeder soll bei der gleichen Größe ein bestimmtes Gewicht haben, einen bestimmten Blutdruck, bestimmte Blutwerte. Egal wie alt er ist - egal welche Sorte "Mensch" er ist... Ich möchte das jetzt einfach mal so stehen lassen...einfach mal so zum Nachdenken...
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen