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Gedichte über Emotionen - Seite 447


Dein Dritter Todestag mein erster, an dem ich es wirklich weiß

Heute ist der Tag.
Drei Jahre.
Seit du fort bist.
Und heute ist das erste Mal,
dass ich es wirklich weiß.

Ich sitze hier,
mit schwerem Herzen
und zu vielen Erinnerungen,
die plötzlich laut werden.
Und einer Leere,
die heute größer ist als sonst.

Ich denke an all die Male,
wo ich traurig war
und du da warst.
Wie du einfach meine Hand genommen hast,
so selbstverständlich,
so ruhig.
So lange,
wie ich es brauchte.

Manchmal hast du nichts gesagt.
Manchmal nur das:
„Jetzt essen wir erstmal einen Keks.
Oder ein Stück Schokolade.
Dann geht es dir bestimmt bald besser.“

Und oft hast du recht gehabt.

Heute würde ich so gerne
deine Hand spüren.
Noch einmal.
Nur für einen Moment.
Ein kleines Stück Schokolade,
mit deiner Stimme daneben.
Ein „Ich bin da“,
von dir.

Aber du bist nicht mehr da.

Im Jahr 2022 hatte ich es gespürt.
So deutlich.
Irgendwas war passiert.
Mit dir.
In dir.
Ich habs gefühlt, Oma.
Aber ich hatte solche Angst,
dass mein Gefühl stimmt.
Und ich habe gewartet,
mich gedrückt vor der Wahrheit
bis ich es nicht mehr aushalten konnte.
Und gefragt habe.
Und erfahren habe:
Du bist schon lange nicht mehr da.

Ich war nicht da.
Nicht bei dir.
Nicht in deinem letzten Moment.
Und das tut weh.
So sehr.

Du warst so oft mein Halt
und ich war es nicht für dich.

Aber vielleicht hast du es gespürt:
Wie sehr ich dich gebraucht habe.
Wie oft ich mir gewünscht habe,
du wärst meine Mama gewesen.
Weil du mein Zuhause warst,
mein sicherer Ort,
mein Licht,
wenn alles andere dunkel war.

Ich glaube,
du hättest mehr für mich getan,
wenn du gewusst hättest wie.
Aber deine Liebe war schon alles.
Du warst mein Trost,
mein Keks,
meine stille Rettung.

Heute halte ich mich selbst,
so gut ich kann.
Und ich halte dich
in Gedanken,
in meinem Herzen,
in all den Tränen,
die heute endlich fließen dürfen.

Ich liebe dich, Oma.
Ich vermisse dich.
Und ich danke dir.
Für alles.

Ich hoffe, du bist jetzt ein Engel,
der über meinen Sohn und mich wacht,
sanft und still,
uns liebend beschützt,
so wie du es immer getan hast.

Ich hätte dich so gern noch einmal gehalten, Oma aber heute halte ich dich in mir. Und das wird für immer so bleiben.
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Wenn Tränen sich nicht trauen

Man sagte mir:
Gefühle sind schwach.
Schluck sie runter.
Mach dich nicht lächerlich.
Schon gar nicht in unserer Familie.
Nicht auf offener Straße.
Nicht vor Leuten.
Nicht mal vor dir selbst.

Also habe ich sie versteckt.
Hinter einem Lächeln, das zu eng war.
Hinter einem Nicken, das nicht ehrlich war.
Hinter einem Herz,
das so oft sagen wollte:
Siehst du mich?
Doch stattdessen schwieg.

Ich habe gelernt zu überleben
mit einem Kloß im Hals
und Fluten hinter den Lidern,
die nie schwimmen durften.

Jetzt sitz ich hier
mit einem Körper,
der nicht weiß,
was Weinen bedeutet.
Mit einer Angst,
die fragt:
Was, wenn du mich nicht hältst,
wenn ich falle?

Ich möchte weinen lernen.
Wie man sprechen lernt.
Stolpernd.
Ehrlich.
Mit zitternder Stimme.
Mit jemandem, der bleibt.

Ich möchte fühlen dürfen.
Nicht perfekt. Nur echt.
Und nicht allein.

Ich will mich nicht mehr entschuldigen
für meine Tränen.
Sie sind kein Defekt.
Sie sind das,
was mich menschlich macht.

Und vielleicht fängt es so an:
Ein leiser Moment,
mit einer Hand, die mich hält.
Ein tiefer Atemzug,
der mir erlaubt: Du darfst traurig sein.

Ein ehrliches Wort
in einem sicheren Gespräch.
Ein zittriges „Ich bin gerade traurig“,
und jemand,
der nicht wegläuft.

Ein Lied,
das mich weicher macht.
Ein Blick in den Spiegel
ohne Urteil.

Ein Tag,
an dem ich nicht alles schaffe
und ich trotzdem gut bin.

Vielleicht sind es Tränen,
die ganz leise kommen,
nur ein paar
doch ich lasse sie.
Einmal.
Und noch einmal.
Und irgendwann
ohne Angst.

Ich wünsche mir,
dass eines Tages
jemand da ist,
der sagt:
„Lass los. Ich bin hier.“
Und dass ich dann glaube,
dass das stimmt.

Und bis dahin
halte ich mich selbst
so gut ich kann
in der Stille,
in der Hoffnung,
im Mut,
der mit jedem Herzschlag wächst.

Denn vielleicht
ist Schwäche gar keine.
Vielleicht ist Weinen
der Anfang
von allem,
was heilt.
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