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Gedichte über Ehre - Seite 2


Der Mann aus Eisen und Narben

Der Mann aus Eisen und Narben

Es gibt Männer,
die gehen laut durch diese Welt,
mit goldenen Worten auf den Lippen
und Jubel hinter jedem Schritt.

Und dann gibt es jene,
die schweigend durch die Hölle laufen,
deren Siege niemand feiert,
deren Wunden niemand zählt.

Er war einer von ihnen.

Ein Mann,
dem das Leben nicht nur Steine in den Weg legte,
sondern ganze Berge auf die Schultern warf.
Ein Mann,
dem man Stück für Stück alles nahm,
bis kaum noch etwas übrig blieb
außer Herzschlag und Wille.

Die Scheidung riss ihm das Herz aus der Brust.
Nicht nur Liebe ging verloren —
nein,
man entriss ihm seine Söhne,
sein Licht,
sein Zuhause,
den Sinn seiner Tage.

Von einem Augenblick zum nächsten
wurde aus einem Heim
Leere.
Aus Wärme
Kälte.
Aus Familie
Einsamkeit.

Und als wäre das nicht genug,
standen selbst jene nicht an seiner Seite,
die sein eigenes Blut waren.

Geschwister,
die ihn von Anfang an verstoßen hatten,
deren Blicke wie Messer waren,
deren Herzen niemals gönnten,
niemals trugen,
niemals fragten:
„Wie viel Schmerz hält ein Mensch eigentlich aus?“

Sie sahen nur den Mann,
der gefallen war.
Nicht den Kämpfer,
der jeden Morgen trotzdem wieder aufstand.

Denn niemand sah die Nächte,
in denen er gegen seine eigenen Gedanken rang.
Niemand hörte das Zittern seiner Seele,
wenn die Dunkelheit zu schwer wurde.
Niemand bemerkte,
wie oft er innerlich zerbrach,
nur um sich selbst wieder zusammenzusetzen.

Er hatte nie Zeit,
seine Wunden zu lecken.

Kaum hatte ein Kampf geendet,
stand schon der nächste vor der Tür.
Kaum war eine Narbe geschlossen,
riss das Leben sie wieder auf.

Und während andere urteilten,
mit kalten Worten und leichten Meinungen,
wusste niemand,
wie müde dieser Mann wirklich war.

Wie erschöpft seine Knochen waren.
Wie schwer seine Gedanken wurden.
Wie oft er sich heimlich wünschte,
endlich einmal jemanden zu hören, der sagt:

„Es ist okay, schwach zu sein.“

„Ich bin stolz auf dich.“

„Du hast genug gekämpft.“

„Hol Luft.“

„Ruh dich aus.“

„Du musst nicht alles allein tragen.“

Oder jemanden,
der sich schützend vor ihn stellt
und sagt:

„Keine Sorge.
Jetzt kämpfe ich für dich.“

Doch diese Worte
waren für ihn wie Regen ohne Wasser.
Schöne Träume,
die niemals Wirklichkeit wurden.

Und so blieb am Ende
nur ein einziger Mensch übrig,
der ihm Respekt zollte.

Sein Spiegelbild.

Jeden Morgen,
wenn seine müden Augen
dem Mann im Spiegel begegneten,
hörte er leise:

„Ich bin stolz auf dich.“

„Du schaffst das.“

„Du bist aus Grobstahl gemacht.“

„Unverwüstlich.“

Und obwohl seine Hände zitterten,
obwohl seine Seele blutete,
erhob er sich immer wieder.

Denn der Weg eines Kämpfers endet nicht,
wenn er fällt.

Er endet erst,
wenn er liegen bleibt.

Und dieser Mann
hatte gelernt,
dass selbst ein gebrochener Körper
noch eine letzte Kraft finden kann,
wenn das Herz einen Grund hat weiterzuschlagen.

Seine Mutter.

Seine Söhne.

Allein der Gedanke an sie
war wie Feuer in seinen Adern.
Wie Licht in völliger Dunkelheit.

Denn solange er kämpfte,
solange er stand,
waren sie sicher.

Und so zog er weiter,
mit Narben statt Rüstung,
mit Schmerz statt Frieden,
mit letzter Kraft statt Hoffnung.

Er wusste nicht,
wie viel Zeit ihm noch blieb.
Nicht, wie lange sein vom Kampf gezeichneter Körper
noch tragen würde.

Aber eines wusste er:

Lieber stehend sterben
als kniend leben.

Und vielleicht,
irgendwo zwischen all den Schlachten,
zwischen all den stillen Tränen,
zwischen all den Nächten voller Einsamkeit,
wird irgendwann doch jemand vor ihm stehen
und endlich sagen:

„Du hast genug gelitten.“

„Komm her.“

„Jetzt bist du nicht mehr allein.“

Bis dahin
geht der Kämpfer weiter.

Still.
Müde.
Verletzt.

Aber unbezwungen.
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AURORA - ERBIN DER STERNE

Die nächtliche Stunde hat ihren Schleier ausgespannt.
Unser Gott-Designer malt das Gewölbe schwarz
und beschmückt es mit Sternen, den glitzernden Diamanten.
Dazwischen setzt Er silberne Mondscheibe.
Wie herrlich vollzieht sich das Naturwandeln,
lässt sich kaum in Worte und Sätze fassen.
Jede Schilderung, jede simple Beschreibung
wird im Angesicht jenes Wunders, verblassen.

Eine helle, weibliche Gestalt in ein hauchdünnes Gewand gehüllt,
schlendert geräuschlos durch den heiligen Wald.
Ihr langes, seidiges Haar schwebt im Winde.
Ihr Kleid duftet nach Flieder, und des Ahorn Rinde.
Aus ihrem Herzen erwächst eine zarte Rose,
eine Rose die geprägt ist von der Trauer und von dem Frohsinn.
Ihr Gesang und ihr Atem vibrieren in Luft.
Sie erklingen als Melodie der Bäche und Flüsse.
Ihr Gang ist leicht und schwungvoll zugleich,
kaum berührt sie den Erdboden mit den Füssen.

Wer ist das Weib mit dem weichen Gesicht,
der weißen Lichtkrone und den Augen wie ein Amethyst?
Ist sie ein menschliches Wesen aus Fleisch und Blut?
Ein Gemälde? Ein Mosaik in Farbenglut?
Oder ein Geist aus dem stillen Friedhof und einer Gruft?
Ist sie ein weibliches Zauberwesen
mit dem Schwan und die Fee Namens Leda?
Oder eine Gottheit aus dem hinduistischen Weda?

Aus ihren Armen strahlt der Weisheit Licht.
Dieses verleiht sie den Menschen und der Erde,
weil sie unsere Hirtin ist und wir ihre Herde.
Ihre kleinen Füße gleiten sanft über dem Gras,
sie beugt sich und sammelt frische Blumen mit Fleiß.
Die Blätter baumeln auf ihren Zweigen und flüstern vertraut mit ihr.
Einen prachtvollen Blumenkranz flechten ihre zarten Hände,
bald wird sie die Mutter Erde küssen und ihre Arbeit vollenden.
Sie wirft ihr Blumen – Werk in die nahe liegende Wasserquelle,
eine heilende Wasserquelle, die sich aus einem Fels ergießt.
Sie ist wie sanfte Musik, die dein Ohr langsam hineinfließt.

Wie kommt sie hierher, was hat sie vermisst?
Es ist rotes und blaues Blut, welches durch ihre Adern fließt.
Sucht sie nach der Seele eines holden, tapferen Helden,
in den Parkanlagen, Friedhöfen und Wäldern?
Sucht sie einen ehrenhaften, noblen Prinz?
Oder vielleicht einen charismatischen Vagabunden?
Bald wird sie ihren Geliebten, und ihr wahres Heim finden.
Dies wird ihren Sehnsucht-Schmerz nach Heimat lindern.
Bald wird sie sich mit ihm in einer sternenklaren Nacht vermählen.
Dies ist in den Sternen geschrieben, dies wird bald geschehen.

Von den Sternen kam sie,
dem Samen der Erde und des Universum entstammt sie.
Jetzt ist sie in ihrer weiblichen Gestalt erschienen,
hat ihre Hand zum Himmel gerichtet und auf einen Stern gedeutet…
Gibt es jemanden, der sie schon mal sah,
zur Morgenstunde aus dem Tau, Nebel und Wind emporsteigend,
und sich dann beim Baumpflanzen verneigend?
Wer sie in sein Herz und seine Seele schließt,
wer ihre Erscheinung und ihr Gesang immer wieder vermisst,
der wird ein dauerhaftes Glück, große Liebe finden und Seelenverwandte,
sowohl in den Städten als auch auf dem Lande.

Ihr Symbol - eine Silbermünze, auf welcher graviert ist eine junge Frau,
die Frau, die einen Baum in die Erde pflanzt...
Und das Ganze, auf einem Stück der Ahornrinde.
Ein winziger Funke ihres Wesens wohnt inne,
in jeder Mutter, jeder Geliebten, jeder Jungfrau, jedem Kinde.
Die Neuigkeit, dass es sie gibt, wird getragen durch Winde.
Ich möchte sie als eine sinnliche oder außersinnliche Vision erleben.
Einmal und dann immer wieder,
mit ihr durch den Wald, Park oder Friedhof spazieren gehen;
Mich mit ihr, wie mit einer Schwester zu den Wolken emporheben
und sie in ihrem vollen Glanze erleben!

Ich erschuf einen Mythos, einen Engel Namens Aurora,
nach dem Bilde einer jungen, frommen Frau,
einer Frau, die einen Baum in die Erde pflanzte.
Sie bringt mit sich einen unendlichen Frieden und eine neue Chance.
Sie wird in Vergessenheit bringen, was damals geschah,
als das Kreuz vier Hacken bekam, und eine Waffe war.

© AGNES VON ANGELIS
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