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Gedichte über Chancen - Seite 2


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Hainbuche

Gott zum Gruß,
du kühle Schöne
voll innerer Feuersglut,
ob du mich suchst oder fliehst,
noch immer gefällt‘s dir gut,
wenn Blicke du auf dich ziehst,
wie einstens in jungen Jahren,
als warst du noch unerfahren.

Diszipliniert, von Vernunft geleitet,
fest wie ein Fels in der Brandung,
schier jeder Belastung gewachsen,
die eigenen Grenzen hast klar du erkannt,
doch bringst du dich um die Zeit, die schreitet,
überlegst und wägst ab in jeder Gewandung,
magst nicht schäkern und flachsen,
hast noch keinen den Liebsten genannt.

Wünscht dir doch einen von tiefstem Herzen,
der warm und gefühlvoll zu dir steht,
willst doch bewundert und anerkannt sein,
stehst auf Kriegsfuß mit deinen Gefühlen.
Spinnst lieber Träume und leidest Schmerzen,
wenn‘s Nichtalltägliche vorüber geht,
hat ausgetrunken das letzte Glas Wein,
mag nicht mehr länger im Dunklen wühlen.

Dein Pflichtbewusstsein hat dich daran gehindert,
ihn zu nehmen und zu schätzen, wozu er sich bekannt,
bar jeder Konsequenz, die Faulheit als Passion
und ohne irgend erkennbares Ziel.
Aufrichtig wohl, doch an Tugenden vermindert,
als kreativer Mensch durchaus seelenverwandt
mit Sinn für Farbe und Proportion,
für Kunst und Musik, doch ist ihm alles Spiel.

Wo du nicht lange fackelst und entschlossen handelst,
belässt er’s dabei, traut seiner Stärke nicht,
zeigt keine Willenskraft, keine Wünsche er nennt,
er hat wohl weder Willen noch irgend Wunsch.
Da, wo du ehrlich und unerschrocken wandelst,
Gerechtigkeit ist deiner Waage Gewicht,
gähnt er nur träge, der er Alles kennt,
Aufmerksamkeit ist ihm kalter Punsch.

An sich ist er ohne die schlimmsten Makel,
die niemals du je wirst können verzeihn,
doch willst du loyal sein und tolerant,
weil er’s nicht besser zu wissen scheint,
weiß er’s besser als du und das Orakel,
schenkt dir dein Glas ein mit reinem Wein,
da nichts ist ihm neu und alles bekannt,
er lacht nur und hat es nicht böse gemeint.

Meinst du zu ihm: Du hast Zorn in der Stirn,
brummt er: Hab keinen erschlagen,
doch soll ich dir etwas sagen,
ich hätt‘s mal besser gemacht!
Wobei er auch noch herzlich lacht:
Ich kenne mein blödes Gesicht,
das schönste ist es wohl nicht,
der Zorn wohnt im Herzen und nicht im Hirn.

Schickst du ihn nach Hause zu seiner Frau,
meint er lachend: Die kennt mich doch,
was soll ich der noch erzählen?
Sagst du ihm ernst, das weißt du genau,
grinst er wie ein Dreikäsehoch:
Was soll ich sie unnötig quälen,
der ich nicht auf ihre Fehler schau?

So nagle ruhig dein Fenster zu,
er wird dir die Nägel nicht ziehen,
das sollen mal ruhig die Vöglein tun,
und zupf dir das Heu aus den Haaren,
nicht dass es noch irgendwer sieht.
Weit jenseits der Hügel lässt er dich in Ruh,
brauchst ihn bestimmt nicht zu fliehen,
kannst gerne allein mit dir wachen und ruhn,
einsam in deinen verbleibenden Jahren,
zu spät ist’s, wenn Winter ins Leben zieht.
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