Sortieren nach:

Gedichte über Briefe - Seite 3


Die Bank im Schatten

Sie steht im warmen Sommerwehen -
sieht dort, die Bank am Wege.
Sie will nur ruhn, vom weiten Gehen;
fühlt sich endlos matt und träge.

Die letzten Schritte hin, zur Bank,
fallen ihr unsagbar schwer.
Sie kommt oft her, in stillem Dank;
spürt sich dann wieder etwas mehr.

Die dicke Eiche, ihr zur Linken,
senkt Schattenarme über sie.
Hier kann sie frei in sich versinken
und findet Friede, wie sonst nie.

Das Blätterrascheln nimmt sie ganz
mit fort, als flögen sie spazieren:
als würden Baum und sie im Tanz
sich da, am nahen Wald verlieren.

Sie lässt Erinnern in die Stille;
hüllt sich in jenes, was mal war -
zückt ihr Notizbuch, ihre Brille
und fährt sich durch´s verschwitzte Haar.

Dann schreibt sie ein paar Zeilen nieder.
Vielleicht wird es ein langer Brief -
blickt in die Ferne immer wieder,
als wenn sie nach jemanden rief.

Sie schreibt, als ginge sie auf Reise;
als könne sie an Uhren drehen.
Vergangenes....das Laute, Leise...
Von Liebe, Sehnen und Verstehen.

Auch ins Gestern schweift die Seele,
als ein ferner Freund ihr schrieb,
dass er alle Tage zähle -
von Zeit auch, die ihnen noch blieb.

...Daß er sie nochmal halten will,
in seinen rastlos zitternden Händen.
Dann sei es gut - und tröstlich still
und alles Bangen soll dann enden.

Versöhnt schrieb sie: wir sind vereint,
wohin wir wann auch gehen.
Zuviele Tränen sind geweint...
Sie stoppte jäh, um aufzusehen.

….Da steht jemand am Waldesrand;
winkt mit rastlos zittriger Hand.
Der Abendwind zischt flüsterleise,
als ruh auch er von langer Reise.


© Ralph Bruse
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen




Weihnachtszeit - Weihnachten hinter Gittern

Weihnachtszeit

Es ist so weit,
es kommt die Weihnachtszeit.
Eine Zeit, wonach nicht jeder schreit.
Mit der Sehnsucht nach den Lieben,
ach könnte man diese Zeit nur verschieben.

Weihnachtszeit, die kommt schon bald,
der Brauch dafür ist schon sehr alt.
Wenn man im Gefängnis sitzt,
fühlt man sich so richtig durchgeschwitzt.

Es macht mich wahnsinnig, die schönste Zeit im Leben,
das Fest der Liebe im Gefängnis,
werde ich ohne Familie erleben.
Es macht mich traurig und einsam,
geht das nicht gemeinsam?

Mein Leben ist beschissen,
ach wie werde ich meine Lieben vermissen.
Immer die gleichen Wände,
ich hoffe, es nimmt bald ein Ende.

Die Umgebung ist sehr kalt,
Erinnerungen wärmen mich,
doch das Gefängnis macht mich alt.
Die Zeit hier drin prägt mein Leben,
das kannst du in meinen Augen sehen.

Spuren, die ich hinterlasse
und mich selbst dafür hasse.
Ach du schöne Weihnachtszeit,
bitte gib mir hinter Gittern ein wenig Heiterkeit.
Dass ich diese Zeit gut überstehe
und nach vorne sehe.
Ja, ich habe Taten gesetzt,
wurde oft aufgehetzt.

Ließ mich mitreißen auf die andere Spur
und jetzt schaue ich auf die Uhr.
Die Zeit steht einfach still,
vergeht nicht, tut nicht, was ich will.

Jetzt muss ich mit der Strafe leben,
werde meine Familie lange nicht sehen.
Dass es so weit kam,
was habe ich den Menschen nur angetan?

Wie mache ich das wieder gut?
Lieber Gott, mir fehlt der Mut.
Jeder hat eine zweite Chance verdient,
ich bin mit dieser Situation schon genug bedient.

Ich werde mich ändern,
durch die Straßen schlendern.
Keinen Blödsinn mehr machen,
das bleiben die alten Sachen.

Lass die Vergangenheit hinter dir,
das wünsche ich mir.
Und ist sie für dich nicht so gut,
dann schau nach vorne
und fasse neuen Mut.

Ach du schöne Weihnachtszeit,
hörst du, wie mein Herz nach dir schreit?
Ganz allein in meiner Zelle,
weißt du, dass ich mir so Weihnachten nicht vorstelle?
Wer weiß, wie viele Jahre ich hier noch verbringe,
ich vermisse die einfachsten Dinge.
Die Ungewissheit frisst mich auf,
wann ist meine Strafe endlich aus.

Und dann kam der lang ersehnte Brief,
es war das Christkind, das nach meiner Freiheit rief.

© Nicole Sunitsch
nicolesunitsch.blogspot.com
... hier klicken um den ganzen Text anzuzeigen