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Gedichte Über Arroganz - Seite 15


Wenn das Volk durch die Gassen schreit (Song)

[Strophe 1]
In den Straßen liegen Schatten, die kein Morgenlicht mehr kennt,
Kinder stehen an den Tafeln, weil ihr Hunger niemals pennt.
Alte zählen ihre Münzen, doch der Monat ist zu lang,
und im Amt sitzt ein System, das sie bricht — Stück für Stück, Jahr für Jahr, lebenslang.

Mütter tragen leere Tüten, Väter schweigen ihren Schmerz,
Hartz‑4‑Briefe wie Fesseln, schwer wie Steine auf dem Herz.
Und die Bosse füllen Kassen, während wir die Reste zählen,
und die Eliten trinken Sekt — auf das Volk, das sie bestehlen.

[Strophe 2]
Da sind Bettler an den Brücken, da sind Kinder in den Archen,
da sind Flaschensammler nachts, die durch die kalten Straßen marschieren.
Da sind Menschen an Suppenküchen, die mal Träume hatten, groß,
doch der Preiswucher frisst Löhne, und der Mietwucher frisst das Dach überm Kopf.

Da sind Obdachlose im Winter, die der Frost im Schlaf umarmt,
da sind Mülltonnensucher, deren Würde längst verarmt.
Und am Rand der großen Städte, wo kein Kameralicht mehr steht,
liegen Armutsgräber stumm — weil niemand ihren Namen trägt.

[Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — wir wollen leben, nicht nur überleben,
wir wollen Mensch sein, nicht nur Akten in Behördenregalen kleben.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Mauer aus Schweigen endlich zerreißt.
Gerechtigkeit — für die, die niemand sieht,
für die, die fallen, während oben einer verdient.

[Strophe 3]
Regierungen zählen Zahlen, doch sie zählen keine Tränen,
sie reden von Reformen, doch sie meinen nur ihr eigenes Lehnen.
Sie bauen goldene Paläste aus den Steuern unsrer Not,
und sie nennen es Verwaltung — doch es ist Verrat am Brot.

Sie feiern ihre Diäten, ihre Boni, ihre Macht,
während unten ganze Leben in der Dunkelheit verbracht.
Doch ein Funke wird zur Flamme, wenn die Masse sich erhebt,
und ein Schrei wird zur Bewegung, wenn das Volk zusammensteht.

[Final-Refrain]
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
durch die Straßen, durch die Gassen dieser Zeit.
Gerechtigkeit — für die Kinder, die frieren,
für die Alten, die kämpfen, für die, die verlieren.
Und das Volk ruft, das Volk schreit,
bis die Kälte der Welt endlich weicht.
Gerechtigkeit — für die, die niemand hört,
für die, die leben wollen, bevor ihr Leben stirbt.

© Horst Bulla
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Der krumme Lutz

Ein Vater hatte einst zwei Söhne,
der eine war gesund und stark,
der andere bekam zumeist nur Häme,
als Krüppel war sein Leben karg

Der Vater starb mit e i n e m Erben
Dem ersten gab er Burg und Hof
Dem krummen Lutz blieb das Verderben
Er schlief im Stall und galt als doof

Sein Anteil ward ihm vorenthalten,
so ging er in den tiefen Wald
Er konnt' nicht länger an sich halten
und weinte hemmungslos. Sobald

er konnte wieder sich erheben,
sah er ein Mütterchen, das sponn
Sie fragte ihn nach dem Ergehen
und bot ihm ihre Hilfe an

Drei Jahre pflegte er den Garten,
bestellte dieser Frau das Haus
Er konnt‘ noch mal von neuem starten,
gesundete, wurd‘ gradeaus

Dann machten sie sich auf die Reise,
sie wanderten zum hohen Herrn
Die Alte bat den Bruder leise,
auch dem den Anteil zu gewähr'n

Der Burgherr warf sie aus dem Zimmer,
beschimpfte sie als Lumpenpack
Die Frau nahm ihren Stock: ‚für immer
geschehe dir, wie du es sagst!‘

Sie stieß den Spinnstock in die Linde,
die Vögel flohen furchterregt
Die Burg, der Herr und sein Gesinde,
sie wurden bald hinweggefegt

Das Glück verließ sie allerorten
Die Burg verfiel, der Bruder starb
Das Gold, das konnten sie noch horten,
das nahm er nicht mit in sein Grab

Der Lutz bekam das halbe Erbe
und zog damit in fernes Land,
erwarb ein Gut und etwas Erde
und fand die Frau, die zu ihm stand

Noch einmal wollte er sie sehen,
die Frau, der er einmal gedient
Er fand sie nicht - ein leises Wehen
nur strich ganz kurz durch sein Gemüt


Nach der Sage 'Der krumme Lutz vom Schellenberg am Main', die zum Kreis der Holle-Sagen gehört
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