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Gedichte über Angst - Seite 316


Nach uns die Sintflut

Die Bibel ist eine Sammlung von Geschichten,
von aus vielen Kulturen aufbereiteten Berichten,
über einst etwa so vorgefallenen Ereignissen,
verpackt in anschaulichen Gleichnissen.

Eine der wohl größten Weltkatastrophen
ist eine Erzählung in vielen Frühkulturen,
als große Sintflut ist sie Stoff von Dystop'en,
Archäologen fanden davon faktische Spuren.

Gründe für die Sintflut ist meist Gottes Zorn
oder der Götter über Fehler der Menschheit,
überliefert in bekannter schriftlicher Form
als Mahnung für die nachkommende Zeit.

Ob Sumerer oder Babylonier darüber erzählen
in ihrem Atraḫasis- oder Gilgamesch-Epos,
auch die Griechen zu Deukalion es erwähnen,
bei Noahs Arche staunen die Gläubigen groß.

Nicht Götter sondern das Erdklima ist ein Grund,
es bestimmt die Bedingungen fürs Erdleben,
dieser Treibhauseffekt durch CO2 ist ungesund,
durch ihn wird es mehr Wetterextreme geben.

Der Klimawandel geht nicht gleich wieder weg,
weil viele ihn gern leugnen oder bagatellisieren,
die Anzahl heißer Tage pro Jahr im Schnitt
steigt stetig an, das ist kein bloßes Alarmieren.

Der von Menschen gemachte Treibgasausstoß
beschleunigt den natürlichen Klimawandel!
Der Verlust an Menschenleben steigt rigoros,
weil Entscheidungsträger egoistisch handeln.

Mit Blick auf die anderen Verursacherstaaten
werden die Sorgen der Wissenschaft belächelt,
Ignoranten sind für Anpassung und Abwarten,
wollen ein "Weiter-so!", Kühlanlagen befächert.

Aus kapitalistischen Gewinnsteigerungszielen
schiebt man wieder Maßnahmen weiter auf,
den (Staats-)Kosten für Unwetter zu Widerwillen,
die Lobbys nehmen das immer gerne in Kauf.

Als drittgrößte Volkwirtschaft dieser Erde
hat Deutschland immer schon eine Vorreiterrolle,
deutsche Innovationen in erneuerbare Gewerke,
"zukunftsträchtige Arbeitsplätze" ist die Parole.

Stattdessen mit offenen Augen in die Dystopie,
statt rechtzeitig Treibgasalternativen zu fördern,
der eigene Wohlstand zu lieb, reine Egomanie,
"nach uns die Sintflut, bitte mich nicht stören!"

© meteor 2025
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Wenn Tränen sich nicht trauen

Man sagte mir:
Gefühle sind schwach.
Schluck sie runter.
Mach dich nicht lächerlich.
Schon gar nicht in unserer Familie.
Nicht auf offener Straße.
Nicht vor Leuten.
Nicht mal vor dir selbst.

Also habe ich sie versteckt.
Hinter einem Lächeln, das zu eng war.
Hinter einem Nicken, das nicht ehrlich war.
Hinter einem Herz,
das so oft sagen wollte:
Siehst du mich?
Doch stattdessen schwieg.

Ich habe gelernt zu überleben
mit einem Kloß im Hals
und Fluten hinter den Lidern,
die nie schwimmen durften.

Jetzt sitz ich hier
mit einem Körper,
der nicht weiß,
was Weinen bedeutet.
Mit einer Angst,
die fragt:
Was, wenn du mich nicht hältst,
wenn ich falle?

Ich möchte weinen lernen.
Wie man sprechen lernt.
Stolpernd.
Ehrlich.
Mit zitternder Stimme.
Mit jemandem, der bleibt.

Ich möchte fühlen dürfen.
Nicht perfekt. Nur echt.
Und nicht allein.

Ich will mich nicht mehr entschuldigen
für meine Tränen.
Sie sind kein Defekt.
Sie sind das,
was mich menschlich macht.

Und vielleicht fängt es so an:
Ein leiser Moment,
mit einer Hand, die mich hält.
Ein tiefer Atemzug,
der mir erlaubt: Du darfst traurig sein.

Ein ehrliches Wort
in einem sicheren Gespräch.
Ein zittriges „Ich bin gerade traurig“,
und jemand,
der nicht wegläuft.

Ein Lied,
das mich weicher macht.
Ein Blick in den Spiegel
ohne Urteil.

Ein Tag,
an dem ich nicht alles schaffe
und ich trotzdem gut bin.

Vielleicht sind es Tränen,
die ganz leise kommen,
nur ein paar
doch ich lasse sie.
Einmal.
Und noch einmal.
Und irgendwann
ohne Angst.

Ich wünsche mir,
dass eines Tages
jemand da ist,
der sagt:
„Lass los. Ich bin hier.“
Und dass ich dann glaube,
dass das stimmt.

Und bis dahin
halte ich mich selbst
so gut ich kann
in der Stille,
in der Hoffnung,
im Mut,
der mit jedem Herzschlag wächst.

Denn vielleicht
ist Schwäche gar keine.
Vielleicht ist Weinen
der Anfang
von allem,
was heilt.
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