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Gedichte über Abenteuer - Seite 253


Jamestown 1827

(auch als Lied, nach der Melodie "Moorsoldaten")

Hört, was ich euch will heut' erzählen,
eine Mär von Angst und Pein,
von Verrat und tiefer Trauer,
nicht mehr soll's verschwiegen sein.
Ich zog fort in die Ferne,
lief, über mir die Sterne,
durch's Moor.

Fing als Ärztin an zu wirken
Tag und Nacht, von früh bis spät,
bis einst in dunkler Nacht und Regen
Lizzy Miller vor mir steht.
Zwei Finger war'n gebrochen,
so kam sie angekrochen
vom Moor.

Hab sie danach oft behandelt,
war'n verbunden freundschaftlich.
Doch eines Sonntags kam' Soldaten
mit 'nem Bildnis, das ihr glich.
Da hab ich sie verraten,
dort an die Soldaten
im Moor.

Am Abend war ich in der Taverne,
kam mit Freunden dann zurück.
Ein Tumult herrschte in der Ferne,
über die Wiese ging mein Blick.
Was ich sah, war mir zuwider,
die Kälte zog in die Glieder
vom Moor.

Soldaten stießen Lizzy Miller
auf die Knie ins feuchte Gras.
Panisch fleht sie um ihr Leben
in Todesangst und leichenblass.
Unbarmherzig steht der Hauptmann,
ein Soldat legt das Gewehr an
und schießt.

Plötzlich herrscht um uns nur noch Stille,
jemand spricht mich von hinten an:
"Frau Doktor, woll'n Sie sich das ansehen,
ob man noch 'was machen kann?"
Ich steh erst wie festgewachsen,
spring dann in hohen Sätzen
zu ihr.

Doch ein Blick reicht, dass es zu spät ist,
der Schuss war sauber ausgeführt.
Man will sie schon zum Waldrand schleifen,
wie sich's für Hochverrat gehört.
Wir streiten um die Tote
und trag'n sie zum Friedhofe
am Moor.

Schaffen ihr dort ein Begräbnis,
singen bis die Stimme bricht.
Trauernd kehren wir nach Hause,
schnell schwindet das Tageslicht.
Ich kann es nicht ertragen,
ich habe dich verraten
im Moor!

Wie kann ich jetzt damit leben,
kann ich denn noch Ärztin sein?
Wird mir einst diese Schuld vergeben?
Das weiß der Herrgott nur allein.
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Jemand erreichte heiter, das Ende seiner Entwicklungsleiter

Wer über das Ende seiner Entwicklungsleiter steigt,
dem sich eine Plattform zeigt.
Müde lächelnd wird ihm dann klar,
dass das nicht das Ende war.
Denn die Reise ins Licht geht heiter,
auf einer weiteren Leiter weiter.
*
Jemand schaute tief in sich
und erkannte sein innerstes Ich.
Er sah Vater, Mutter und das Kind,
die durch: “Ich liebe mich !”
drei zu eins verbunden sind:

“Nach vielen Jahren voller Bürden,
meisterte ich viele Hürden.
Gedanklich verleih ich mir 'nen Orden:
Ich bin zu meiner besten Version geworden !
Einer Version, die nicht sein sollte,
jedoch ich selber werden wollte.

Egal was andere denken, sagen, meinen,
ich erschuf die Vision des Einen,
mit Tugenden, die nicht nur gut erscheinen
und liebevollen Gedanken, den guten, reinen,
konnte ich mich mit mir selbst vereinen.”

Und auf Gedanken folgten Worte, Taten,
bis Wünsche in die Realität eintraten.

“Im gesamten Sein, nicht nur auf Erden,
will ich eine Version aller meiner Selbste werden.
Ohne okkulte Bücher mühevoll zu wälzen,
werde ich mich mit mir verschmelzen.
Ich verbrenne im Phönix und trete neu in's Leben ein.
Aus dieser Vision wird mein neues Ich dann sein.
In allen Räumen und zu allen Zeiten,
werde neue Wege ich beschreiten.
Mein Schlachtruf wird durchs All erschallen:
‘Zum Wohle von mir und möglichst allen !’ ”
*
Gott schaute auf die Erde herunter.
Er wurde munter,
indem er sich über ihn neigte
und mit dem Finger nach unten zeigte.

Doch Jemand erkannte,
das Gott ihm einen Tipp zu sandte.
Auch wenn es wie eine Drohung erschien,
so zeigte doch nur der Daumen auf ihn.
Ein Finger zeigte in die dunkle Unterwelt,
die Wesen des Lichtes nie gefällt.
Doch drei Finger zeigten gekrümmt nach oben,
wo verantwortungslose Geister toben !

© jogdragoon
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Wylde Nacht

Ins Dunkel unter den Eichen
da sieht man zwei Schatten schleichen.
Der Wylde Wald ruft, der Wylde Wald lockt!
Passt auf, dass ihr euch versteckt,
bevor sie euch finden und wir davon künden:
"Der Wald hat wieder verschluckt!"

Es wispern Stimmen im Unterholz,
doch umzukehren versagt der Stolz.
Da tönen die Trommeln, ein mystischer Klang,
unsern zwei Liebsten wird ums Herze so bang.
Schon seh'n sie die Flammen und tanzende Schatten
und hören der Flöten Gesang.

Es tanzen gar düst're Gestalten,
's sind finstere Mächte am walten.
Hexen, Dämonen, schon ham sie gesehen
die Lauscher im gaukelden Schein.
Schnell war'n sie gefangen, oh, wie sie da bangen,
die letzte Stunde wird's sein!

Die Hexen dann kreischend weben
den Zauberbann über die beiden,
voller Begehren und Liebe und Lust!
Und blind in haltloser Hast
sie dann beginnen sich zu verschlingen
am Feuer, das knistert und zuckt.

Doch als sie stöhnend am Ende,
da trennen sie magische Hände,
geben ein Kleid ihr aus Borke und Laub.
Ihm wachsen Hörner aus dem Haupt!
Ein Hirsch, eine Weide, verwandelt sind beide,
bedeckt von Asche und Staub.

Keiner sah sie je wieder,
doch horch, es riefen die Jäger
zur Jagd auf den prächtigen Hirsch.
Mit Hunden war'n sie auf der Pirsch,
hetzten ihn zum Leide unter die Weide.
Die Trauer hat hat ihr die Rinde zerfurcht.

Und als vergangen neun Monde,
da krümmt sich vor Schmerzen die Weide,
es splittert der Stamm, ein Loch plötzlich klafft,
ein Wesen mit Hörnern steigt aus dem Schacht.
Die Hexen, sie stampfen, die Satyre tanzen
und feiern das Kind der wylden Nacht.
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Sophia und Flori - Eine folgenschwere Reise

Langsam erhob sich die Sonne über den Horizont.
Ihre Lichtstrahlen tauchten den frühen Morgen in ein bläuliches Licht.
"Die blaue Stunde !" dachte sich Sophia.
Sie war heute früh wach geworden.
Sie konnte kaum schlafen, denn heute war DER Tag.
Der Tag an dem ein großer Wunsch war werden würde.
Doch es war noch zu früh und so beschloss sie, sich, in eine bunte Decke eingehüllt, vor ihr kleines, irisches Natursteinhaus, auf die bequeme Bank, zu setzen und den Sonnenaufgang zu geniessen.
Doch immer wieder kreisten ihre Gedanken um ihn.
Sie wusste, dass es erst so um die fünf Uhr sein musste.
Die Zeit für den Sonnenaufgang an einem Spätsommertag in Irland.
Sie nippte an ihrem Becher mit Kräutertee, den sie mit Schwarztee vermischt hatte.
Das nahm ihr schon mal ein wenig die Müdigkeit.
Schlafen ging nicht mehr. Richtig wach sein, auch nicht.
So betrachtete sie, wie die Gegend um sie herum, mit ihr erwachte.
Das Licht wurde immer stärker und die langen Schatten, die die Morgensonne warf, wurden kürzer.
Sie wollte wieder nervös an ihren Fingernägeln kauen, doch erinnerte sie sich an einen Spruch ihres Vaters:
"Wenn Du schon an den Fingernägeln kauen musst, dann wähle jedes Mal einen anderen Finger aus !"
Gemeint war, dass damit die aktive Aufmerksamkeit, über eine Entscheidung,
in ihr Bewusstsein gelenkt wurde.
Damit konnte diese automatische Reaktion auf Nervosität, beherrscht werden.
"Wie vertreibe ich mir die Zeit ?" dachte sie.
Sie hatten sich für 10 Uhr verabredet. Vorher ging es nicht.
"Fünf Stunden !" sagte sie zu sich selbst.
"Genügend Zeit für eine Wanderung. Die muss allerdings anstrengend genug sein, damit ich abgelenkt werde!
Sein Vater und seine Mutter sind nachher auch da.
Sie hatte sich ihn ausgesucht.
Flori wurde er genannt und sie liebte seine lebhaften Augen.
Auch sonst war er sehr agil.
"Überall muss er seine Nase hineinstecken, doch dass werde ich ihm noch abgewöhnen !" dachte sie herrisch.
Sie ging wieder ins Haus und zog sich für die Wanderung an und schmierte sich ein Brot für das Frühstück.
Sie packte es mit einer Thermoskanne, voll mit ihrem Lieblingstee, in ihren kleinen Rucksack
und setzte ihn sich auf.
Der kleine Nachbarberg war hoch genug, um eine kleine Herausforderung zu sein und sie beschloss, dass dessen Gipfel ihr heutiges Ziel sein sollte.
So schloss sie ihr Haus ab und machte sich auf den beschwerlichen Weg.
"Zwei Stunden hin und zwei zurück. Damit bleibt genügend Zeit für eine Frühstückspause auf dem Gipfel."
Sie war diesen Weg schon einige Male gelaufen.
Nach ungefähr einer Stunde wurde der Untergrund immer steiniger.
Bisher war das nie ein Problem gewesen.
Doch dieses Mal war sie unachtsam, weil sie wieder einmal nur an Flori dachte, stolperte
und verdrehte den Knöchel ihres linken Fusses.
Das tat weh. Höllisch weh.
"Doof und Dumm !" schimpfte sie über sich selbst.
Glücklicherweise sah sie ein bisschen weiter den Weg herab jemanden.
Er kam auf sie zu und erreichte sie nach einer Weile.
Dann blieb er vor ihr stehen, stützte sich auf seinen Wanderstab und schaute nachdenklich auf den Knöchel, der schon angeschwollen war und fragte:
"Hallo Sophia, das sieht ja nicht gut aus.
Ich nehme an, dass ich Dir helfen darf ?"
Sophia blickte, mit leicht von Schmerzen verzerrtem Gesicht, in das Gesicht von Martin.
Sie kannte ihn noch von früher, als sie zusammen in die Schule gingen.
Sie hatten sich immer ein wenig gehänselt, denn sie mochten sich.
Das hatten sie sich früher jedoch nie eingestanden.
"Gerne nehme ich Deine Hilfe an, Martin" antwortete sie ihm.
Er reichte ihr seinen Wanderstab und half ihr, sich aufzustellen.
Hilfreich unterstützte er sie beim Abstieg.
Es war 11 Uhr, als sie bei ihrem Haus ankamen.
Kaum hatte sie sich hingesetzt, ließ sie sich von Martin ihr schnurgebundenes Telefon reichen und telefonierte.
Martin sah sie erstaunt an, sagte aber nichts.
Er hörte, wie sie sagte: "Leider kann ich nicht kommen, um Flori abzuholen.
Ich habe mir wohl meinen Knöchel verstaucht und bin gerade nach Hause gehumpelt.
Ich melde mich, sobald ich eine Idee habe, wie es weitergehen soll."
Martin fragte sie, worum es denn geht und sie antwortete:
"Ich habe mir einen Welpen gekauft und wollte ihn heute abholen.
Nun wird da wohl nichts mehr draus."
Martin sagte, dass es wohl erst einmal wichtiger war, festzustellen, was mit ihrem Fuß los ist.
Er ging zu seinen Eltern, bei denen er zwei Wochen Urlaub verbringen wollte, holte sein Auto
und fuhr mit Sophia zur Arztpraxis.
Der Arzt besah sich den Fuß genau und konnte Sophia wieder heim schicken. Ihr Knöchel war zum Glück tatsächlich nur verstaucht und sie durfte ihn vorerst nicht schwer belasten.
Wieder zu Hause, seufzte sie und sagte:
"Dann wird das wohl nichts mit Flori !"
Doch Martin antwortete: "Ich habe eine Idee !
Was hälst Du davon, wenn wir Flori abholen und wir uns gemeinsam um Deinen Fuß und den kleinen Sonnenschein kümmern ?"
"Würdest Du das wirklich für mich tun ?"
"Du weisst gar nicht, wie gerne !"
So holten sie zusammen den Welpen ab.
Sophia hatte schon alles für ihn vorbereitet.
Hochglücklich humpelte sie zur Couch, setzte sich und nahm den kleinen, beigefarbenen Labrador Welpen, den ihr Martin reichte, in den Arm.

Sophia sah Martin liebevoll an, kraulte ihren Welpen und sagte:
"Vielen lieben Dank, Martin.
Und die Lektion, die ich gelernt habe, ist:
Wenn ich mit meinen Gedanken abgelenkt bin, dann besteige ich keinen Berg !"

*

Wenn unerfüllte Gefühle nach der Zukunft streben,
kannst Du kaum erwarten, sie zu erleben.
Es zieht Dich zu dem, was Du liebst !
Bevor Du Dich in Gefahr begibst,
auf eine unwegsame Reise,
halte inne und sei weise:
Verschieb die Reise !

Suche die innere Ruhe und lausche dem Wind,
bis Deine Gedanken bei der Reise sind.

Auch als Musikvideo: youtu.be/PtdOL8x1CLo?si=fAVJFFJSKDWdF7Ui
(Allerdings auf Englisch ;-)

© jogdragoon
Veritas tua, veritas mea,
hae sunt mendacia nostra
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