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Anzahl Gedichte: 66
Anzahl Kommentare: 83
Gedichte gelesen: 198.208 mal
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Titel
46 Die Schreibende
Vorschautext:
Sie sitzt am Tisch, in ihrer Küche -
ein Blatt Papier in beiden Händen.
Vom Hof her: Stimmen, Grillgerüche
und Lachen hallt von weißen Wänden.

Sie schließt das Fenster. Setzt sich wieder;
starrt auf das helle, leere Blatt.
> Wo sind sie hin, die alten Lieder,
die nur so fielen?, < fragt sie matt.

Sie greift zum Stift. Das erste Wort
ist....Heute. Nur das eine: Heute.
...
45 Hausbesuch (Teamwork)
Vorschautext:
Wir wollten nur spazieren gehen,
raus, aus unserer beengten Welt.
Nun steht es da im Frühlingswehen,
wie für uns beide hingestellt...

Man ist ja nett und fragt erstmal:
> Was soll die Klitsche kosten? <
Da nennt der Geier eine Zahl,
daß uns fast die Ohren rosten.

Der Kerl muß weg, beschließen wir
und sperr'n ihn ein im Keller.
...
44 Über Land
Vorschautext:
Dem Überland-Bus kaum entstiegen,
umfing mich königliche Stille.
Die Sorgen kamen zum Erliegen
und fern schien mir auch jeder Wille.

So ließ ich mich ins Weite treiben:
vorbei an Felder, Wiesen, Fluss.
Nirgends wollte ich wirklich bleiben,
weil ich ja nirgends bleiben muß.

Die Wanderkarte in den Händen,
warf ich nur kurz den Blick darauf -
...
43 Nicht allein
Vorschautext:
Es stand ein Haus für sich allein,
im Dämmern, auf der leichten Höhe.
Kein Mensch geht hin, oder kehrt ein,
als dulde es auch keine Nähe.

Nur neulich kam ein Mann dorthin.
Er suchte wohl die Stille -
sagte sich, wenn ich schon hier bin,
dann ist es wohl auch Gottes Wille.

Die schwere Türe...Er klopft an.
Und ahnte: niemand öffnet sie.
...
42 Der Zauberer
Vorschautext:
Er saß auf jener Bank im Hafen,
beinah reglos, doch nicht stumm.
Die Augen zu, als würd´ er schlafen,
weh'n leise seine Worte um.

Das wirre Haar hob sich im Wind.
Hoch aufgestellt der Kragen,
vernimmt man Silben, wie vom Kind;
hört sich der Mann bald sagen:

> Du hast die Liebste nicht beschützt,
auch die kleine Tochter nicht.
...
41 Hafenstadt im Regen
Vorschautext:
Regen hat das Licht verschlungen.
Drängend kommt schon Nacht heran.
Auf dem Parkplatz lärmen Jungen;
küssen Mädchen dann und wann.

Sieh - die klein'ren Kinder springen
munter noch in Riesenpfützen!
Und im Bürgersaal - da singen
Männer mit Matrosenmützen
Seefahrtslieder,
immer wieder.

...
40 Wo die Tiere sind
Vorschautext:
Am morschen Giebel jagen Spatzen
und Schwalben pfeilschnell surrend hin.
Vom Wald, das Knarren, leise Kratzen,
genügen sich ganz ohne Sinn.

Im Winter ruht das Haus verlassen.
Doch nun wehn warme Winde.
Die Rehmutter zupft Gräsermassen,
beäugt vom scheuen Kinde.

Am Abend wühlen Borstenschweine
um´s Haus, im wilden Garten -
...
39 Morgens am Stausee
Vorschautext:
Vor´m Himmel zieht ein Sperber Kreise.
Im Feld duckt sich ein scheues Reh.
Vom Birnbaum pickt die Haubenmeise
den Tau und schwirrt dann fort, zum See.

Dort stakst ein Storch am Ufer lang.
Das Schilfgras raschelt heute nicht.
Nirgends durchdringen Laut und Klang
das diesig feuchte frühe Licht.

Nur Friede schläft in allen Dingen;
in heimlichem, beschütztem Leben.
...
38 Hafenbar
Vorschautext:
Sie trank das soundsovielte Glas Wein.
Stimmen hüllten sie ganz ein
und ihr Lied - das von der Liebe.

Sie sang es; spürte sich selbst nicht,
als ob sie starb im blauen Licht -
und was von ihm ihr immer bliebe.

Matrosen murrten. Manche brüllen.
Sie will nur ihre Sehnsucht stillen:
sang ganz für sich allein - und ihn.

...
37 Glück, wenn man so will (Teamwork)
Vorschautext:
Glück, wenn man so will


Er sitzt im Staub am Wegesrand,
den Rucksack zu den Füßen.
Die Thermoskanne in der Hand
trinkt er vom schwarzen Süssen.

Der Kaffee rinnt ihm kalt zu Magen.
Er trinkt ihn gern so mit Bedacht.
Sieht auf, zum Himmel, ohne Klagen,
wo es schon dämmert in die Nacht.
...
36 Die Brücke
Vorschautext:
Die Brücke


Beim zehnten Glockenschlag zur Nacht,
schloss er das hohe Kirchentor -
vernahm, daß jemand leise lacht:
dicht hinter ihm, oder davor.

Da draußen war es auch kaum heller,
als im finstersten Nebelwald.
Er sah sich um und ging dann schneller:
frierend, denn es war lausigkalt.
...
35 Die Einsamen
Vorschautext:
Die Einsamen


Abends - meist zu später Stunde
geht er müde für sich hin;
taumelt einsam seine Runde,
ohne Ziel und ohne Sinn.

Nur dort, am Haus der Malerin
bleibt er öfter stehen,
blickt versonnen zu ihr hin,
wenn kalt die Winde wehen.
...
34 Abend im Stadtpark
Vorschautext:
Zwei alte Frauen tratschen leise
ihr immer altes Lied.
Ein Mann führt seinen Hund im Kreise -
beide schwach und müd´.

Der Bettler findet seine Bank;
schnarcht bald verboten laut.
Ein Mädchen huscht am Teich entlang,
aus dem der Mond nach oben schaut.

Enten sammeln sich zur Ruh´
am dürren Pfahlholzhaus.
...
33 Du...
Vorschautext:
Du...


Wie kann ich dich in Worten schreiben,
um jedes einzeln auch zu fühlen?
Ganz schlicht, ohne zu übertreiben
und doch die heisse Stirn mir kühlen?

Vielleicht sind Worte viel zu klein,
im Vergleich zum großen Sehnen.
Es soll ja auch die Seele sein,
die sich füllt mit Freudentränen.
...
32 Die alte Windmühle
Vorschautext:
Die alte Windmühle


Was zog uns immer hin, zur Mühle;
was hielt uns lachend spielend, hier:
in grauen Schatten und der Kühle,
wo niemand sonst mehr war - nur wir?

Maschinen: Trichter, Karren, Bänder
schwiegen rostend schon seit Jahren.
Der neue Wind schob sie an Ränder,
wo sie doch Brot für alle waren.
...
31 Pappelallee
Vorschautext:
Pappelallee


Der Tag schwebt blau hin in Alleen,
wo lange Silberpappeln stehn,
die sich in leichter Brise wiegen.

Hin - und wieder klingt im Winde,
ein Lachen, wie von einem Kinde -
holt es wieder im sanften Fliegen.

War vielleicht doch aus alter Zeit;
...
30 Strandszenen
Vorschautext:
In der Bar, mit Blick zur See,
saß ein Mann vor schwarzem Tee,
gebeugt, hinter ein Zeitungsblatt.

Die Zeitung sank; er schaute raus;
zog seine Stirn ein wenig kraus;
atmete tief, als wär er matt.

Am Haff, die Dame mit dem Hut,
ging hin, wie es sonst keine tut:
in gelassener Eleganz.

...
29 Perfekt
Vorschautext:
Im Grunde bist du schon vollkommen,
wenn du mit Stolz von dir sagen kannst:
ich bin es nicht.


© Ralph Bruse
28 Zwei Sterne
Vorschautext:
Wir sind wie Sterne.
Lassen uns, wie wir sind.
Du und ich.
Je nach Laune leuchten
wir einzeln, oder zusammen.
Tragen Sorgen, Schmerz,
Hoffen, Bangen und Lachen
zu uns hin.
In Freundschaft. Und Liebe.

Im Dämmern steigen wir himmelan.
Bei Tag ins Unendliche.
...
27 Wo die Tiere sind
Vorschautext:
Am morschen Giebel jagen Spatzen
und Schwalben pfeilschnell surrend hin.
Vom Wald, das Knarren, leise Kratzen,
genügen sich ganz ohne Sinn.

Im Winter ruht das Haus verlassen.
Doch nun wehn warme Winde.
Die Rehmutter zupft Gräsermassen,
beäugt vom scheuen Kinde.

Am Abend wühlen Borstenschweine
um´s Haus, im wilden Garten -
...