Profil von Ralph Bruse

Typ: Autor
Registriert seit dem: 17.12.2022

Kontakt Daten


Homepage:
https://dichterstube.jimdofree.com/

Statistiken


Anzahl Gedichte: 66
Anzahl Kommentare: 83
Gedichte gelesen: 202.917 mal
Sortieren nach:
Titel
26 Am Meer sitzen
Vorschautext:
Kein Licht flirrt in der klaren Nacht.
Doch – dort vom Hafen her
steht noch eins auf stummer Wacht,
als hielt es tapfer irgendwer.

So sitze ich zu später Stunde
am leeren, langen Strand.
Ich ging so gern und weit die Runde
wie einst durch stilles Land.

Die Beine sind zu alt und müd,
nach einundneunzig Jahren.
...
25 Tiefsee
Vorschautext:
Wir wollen uns dort wiedersehen,
wo wir vor Längerem schon waren.
Ist es an uns, dann auch zu gehen,
bei jedem Wind in lichten Haaren?

Wir können hier, am Ufer, sitzen,
wie weltfremd, ohne Blick zur Uhr -
die Sommertage ganz verschwitzen:
tief in uns, oder schweigend nur.

Und kommt die Nacht auf leisen Sohlen,
sind wir eventuell mal fort -
...
24 Nicht allein
Vorschautext:
Es stand ein Haus für sich allein,
im Dämmern, auf der leichten Höhe.
Kein Mensch geht hin, oder kehrt ein,
als dulde es auch keine Nähe.

Nur neulich kam ein Mann dorthin.
Er suchte wohl die Stille -
sagte sich, wenn ich schon hier bin,
dann ist es wohl auch Gottes Wille.

Die schwere Türe...Er klopft an.
Und ahnte: niemand öffnet sie.
...
23 Der Zauberer
Vorschautext:
Er saß auf jener Bank im Hafen,
beinah reglos, doch nicht stumm.
Die Augen zu, als würd´ er schlafen,
weh'n leise seine Worte um.

Das wirre Haar hob sich im Wind.
Hoch aufgestellt der Kragen,
vernimmt man Silben, wie vom Kind;
hört sich der Mann bald sagen:

> Du hast die Liebste nicht beschützt,
auch die kleine Tochter nicht.
...
22 Hafenstadt im Regen
Vorschautext:
Regen hat das Licht verschlungen.
Drängend kommt schon Nacht heran.
Auf dem Parkplatz lärmen Jungen;
küssen Mädchen dann und wann.

Sieh - die klein'ren Kinder springen
munter noch in Riesenpfützen!
Und im Bürgersaal - da singen
Männer mit Matrosenmützen
Seefahrtslieder,
immer wieder.

...
21 Wo die Tiere sind
Vorschautext:
Am morschen Giebel jagen Spatzen
und Schwalben pfeilschnell surrend hin.
Vom Wald, das Knarren, leise Kratzen,
genügen sich ganz ohne Sinn.

Im Winter ruht das Haus verlassen.
Doch nun wehn warme Winde.
Die Rehmutter zupft Gräsermassen,
beäugt vom scheuen Kinde.

Am Abend wühlen Borstenschweine
um´s Haus, im wilden Garten -
...
20 Alter Mann
Vorschautext:
Alter Mann


Es ging ein alter Mann im Regen
den leeren, grauen Bahnsteig lang.
Sein Gang: in Zeitlupe bewegen.
So sank er auf die harte Bank.

Die Gleise schimmerten im Licht,
das sich an die Nacht verlor.
Er blickte auf, doch sah er nicht:
um ihn schloss sich Tür und Tor.
...
19 Selene
Vorschautext:
Selene


Am Haus,
das Mädchen,
ohne Schuh,
tastet mit Händen immerzu,
sich durch den bunten Frühlingsgarten.

Der Kater streicht ihr um die Beine.
Das Knirschen weisser Kieselsteine...
Als würde alles auf sie warten.
...
18 So und so
Vorschautext:
Der eine freut sich über sein Stück Land am Meer.
Dem anderen reicht der Wind.

© Ralph Bruse
17 Josef
Vorschautext:
Josef


Er steht vor seiner kleinen Kate,
in hellstem Licht, zur Vordertür -
zieht vielleicht den Tag zu Rate.
Vielleicht steht er auch nur so hier.

Die Sonne wärmt ihn wunderbar.
Er möcht´ am liebsten bleiben.
Vom Meer, der Wind, zerzaust sein Haar.
Der kann ihn nicht vertreiben.
...
16 Alt
Vorschautext:
Alt

Ist es dir, als ob die Winde
leiser werden, oder stumm?
Oder ist´s wie mit dem Kinde,
das sich unentwegt schaut um?

Gebeugt der Gang. Müd´ jeder Schritt,
wandert dein Blick zur Uhr.
Ihr Tick Tick Tick geht mahnend mit
und schmerzt in einer Tour.

...
15 Lange her
Vorschautext:
Lange her


Du hast geschrieben, jahrelang -
doch letztlich schlief es ein.
Dein Lachen, dein beschwingter Gang,
wehen ins Vergessensein.

Sag ich auch, daß wir Kinder waren,
die Treue sich einst schworen:
holt Schweigen es mit Haut und Haaren;
gehn Wort um Wort verloren.
...
14 Erinnerungen
Vorschautext:
Erinnerungen sind wie Fenster zum Hof.
Die Sonne schafft es kaum dorthin.
Wenn doch, sitzt vielleicht jemand
im warmen Spätabendlicht:
mit sich selbst redend,
schweigend,
lächelnd,
in Tränen,
oder ins Nachtblau schauend.
Und immer: gedankenverloren.

(c) Ralph Bruse
13 Idylle
Vorschautext:
Ein Haus.
Ein Baum.
Ein Adler fliegt.
Die alte Pappel, drunter, wiegt
sich schief und stur im lauen Wind.

An jener Silberpappel,
spielt ganz für sich allein,
ein Menschenkind im Dämmerlicht
und kichert immerzu.

Kleine Hände kratzen flink;
...
12 Besserwisser
Vorschautext:
Recht haben
oder: Besserwisser


Der Mensch - voila' - hat immer recht.
Man nennt´s: freie Meinungs-Kultur.
Der Unterschied ist wie ein Specht,
der laut klopft, oder leise nur.

Der eine sagt: ich denke mir.
Die andere: ich weiß.
Ein dritter schwört auf sein Pläsier
...
11 Die Einsamen
Vorschautext:
Die Einsamen


Abends - meist zu später Stunde
geht er müde für sich hin;
taumelt einsam seine Runde,
ohne Ziel und ohne Sinn.

Nur dort, am Haus der Malerin
bleibt er öfter stehen,
blickt versonnen zu ihr hin,
wenn kalt die Winde wehen.
...
10 Komm
Vorschautext:
Komm


Komm, wir laufen in den Morgen.
Wir lassen alle Sorgen ziehen
und alte Rituale fliehen.
Die Stille werden wir uns borgen.

Da draußen wehen feuchte Schleier
verschlafen über Wiesen hin -
und wir staunen, mittendrin,
im Perlenfunkeln, nah dem Weiher.
...
9 Strandszenen
Vorschautext:
In der Bar, mit Blick zur See,
saß ein Mann vor schwarzem Tee,
gebeugt, hinter ein Zeitungsblatt.

Die Zeitung sank; er schaute raus;
zog seine Stirn ein wenig kraus;
atmete tief, als wär er matt.

Am Haff, die Dame mit dem Hut,
ging hin, wie es sonst keine tut:
in gelassener Eleganz.

...
8 Mensch
Vorschautext:
Sie schreibt: vergiss dein Lächeln nicht,
auch wenn du lieber weinen willst.
Von hier kommt jetzt zu dir mein Licht:
solang´, bis du den Kummer stillst.

Das schreibst du einfach so - in Sorge,
von Mensch zu Mensch - von dir zu mir.
Was ich mir noch in Scheu dann borge,
ist doch Geschenk - und bleibt im Hier.

Ich kneife mich dann öfter mal
und denk´: kannst du so selbstlos sein?
...
7 Der Eigenbrötler
Vorschautext:
Im Dorf, die Leute, mögen ihn,
auch wenn er kauzig ist und spröde.
Sie sehen ihn früh auswärts ziehn:
allein hin, an des Weihers Öde.

Dort wirft er seine Angel aus;
setzt sich ins feuchte Ufergras.
Nie bringt er Fische mit nach Haus.
Wohl auch, weil er sie schlicht vergaß.

Die Angel ist ihm Alibi -
das Schweigen ihm ein wahrer Freund.
...