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Gedichte über Tiere - Seite 219


Schweinchens Tod

Schweinchens Tod

Die Sonne schien, der Tag war groß,
Doch jetzt entschied des Schicksals Los,
Woran niemand hätte gedacht
Nach dieser klaren, schönen Nacht.

Das Schweinchen, dieser kleine Schlingel
Lief mit dem hochgeschraubten Kringel
Den beiden Männern freudig nach
Und dachte an kein Ungemach.

Ganz ahnungslos und wie ein Schaf
Rannt' es dahin und grunzte brav,
Denn es war jung, der Tag war schön,
Da musste Fluren man begeh'n.

Doch ungefähr nach hundert Metern,
Wo Lerchen, Elstern fröhlich zetern,
Wurd's mit dem Strick zu Fall gebracht,
Obwohl oben der Himmel lacht,

Brutal die Kehle durchgeschnitten,
Das Blut lief aus des Halses Mitten,
Es chancenlos, konnte nicht fliehen
Und nicht mehr hin zum Tröglein ziehen.

Denn unaufhaltsam floh sein Leben,
Nichts konnt' den Beinchen Kraft da geben:
Bewegungslos und grad heraus
Haucht' es den letzten Seufzer aus.

Der Teufel kennt ja keine Gnade,
Die Schlange beißt in Ferse, Wade.
So wird er immer frevelnd bleiben
Es hinterrücks mit allen treiben.

Und die Kumpane mit Geschick
Packen das Schweinchen beim Genick,
Dann, ohne einen Gnadenblick,
Befestigen sie am Hals den Strick.

Nun zerren sie im Sonnenschein
Das tote Tierchen zu sich heim,
Wo schon am Herd die Töpfe stehen,
Die dann die Mahlzeit werden sehen.

Dabei war es doch Schweinchens Glück,
Freudig zu laufen, voll Geschick
Auf ein recht langes Leben hoffen,
Von Leid und Tod lang nicht betroffen.

Doch ist der Satan immer wach,
Er droht mit seinem Ungemach,
Sucht nach den eignen Missetaten,
Wo alles Leben nimmt nur Schaden.

Deshalb, sei ja niemals naiv,
Weil selten noch der Teufel schlief,
Wo immer nur im Selbstvermessen
Gekillt wird, was noch nicht gefressen.


©Hans Hartmut Karg
2019

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