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Gedichte über Sonstiges - Seite 142


Ist das noch Badespaß?

Heute kommt unsere Enkelin,
nach Badespaß steht ihr der Sinn,
wir fahren in das „Bade-Land“,
das jedem Schulkind hier bekannt.

Vor der Halle eine Schlage.
Wir sind geduldig, - warten lange.
Ferienzeit, das kann passieren,
nur die Nerven nicht verlieren.

Beim Umziehen gibt es ein Problem,
eine Kabine wäre angenehm,
doch jede Zelle ist belegt.
Es scheint, dass sich hier gar nichts regt.

Das Hallenbad ist überfüllt.
Es wird geschrien und gebrüllt.
Erschrocken fragt die Enkelin.
Wo legen wir uns denn jetzt hin?

Kein freier Stuhl, auch keine Liege,
ich merke, dass ich Panik kriege.
Am Fenster wird ein Plätzchen frei.
Wird es denn reichen für uns Drei?

Nun versuchen wir in dem Wasserbecken,
ein freies Plätzchen zu entdecken.
Das Strudelbecken reizt ungemein,
dort schleusen wir uns jetzt mal ein.

Im Schwimmbad gibt’s ein Wellenbecken.
Auch dieses gilt es jetzt zu entdecken.
Hier spielt man Faustball, - ohne Wellen.
Die Bälle durch die Halle schnellen.

Schon knallt ein Ball mir ins Gesicht.
Er nimmt mir gleich das Augenlicht.
Ich stehe im Dunkeln kurze Zeit,
dem Jungen tut es furchtbar leid.

Ich sitzt im Wasser, die Hand vorm Gesicht
und bange um mein Augenlicht.
Der Schädel dröhnt, ich kann nichts sehen,
kleine Sternchen sich im Kopfe drehen.

Mit dem linken Auge kann ich erkennen,
dass die Kinder aus meinem Blickfeld rennen.
Ich bin geschockt, steig aus dem Becken.
Jetzt heißt es erst mal Wunden lecken.

Nur raus aus diesem Bad - nach Haus.
Hier halte ich es nicht mehr aus.
Badespaß war das heute nicht,
eher ein Attentat auf mein Augenlicht.
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Wiederkehr

Er war ein Schreiner,
wie schon der Vater vor ihm.
Der Duft von Fichtenholz
gehörte zu seinen Händen,
lange bevor Pulver
und Rauch sie zeichneten.

Die Werkbank war seine Welt,
nicht das Gewehr.
Ein Hobel sprach leiser
als jeder Befehl,
und aus einem Brett
entstand mehr Zukunft
als aus allen Parolen.

Dann kamen Arbeitsdienst,
Musterung
und Regensburg.
Dort lernte er einen Freund kennen,
einen Bauernsohn aus Kelheim.
Sie ahnten nicht,
dass ihre Wege
bis nach Polen
und tief nach Russland führen würden.

Von Warschau
erzählte er nur einen Satz:
Man müsse sich schämen,
wenn ein Offizier
Wohnungen plünderte,
als gehöre ihm
das Leben der anderen.

Sein Freund
kam einmal
auf Heimaturlaub.

Als er zurückkehrte,
hieß es,
er habe
den eigenen Hof
angezündet.

Mein Vater
glaubte es nie.

Man schickte ihn
dorthin,
wo der Krieg
am wenigsten
Menschen verschonte.

Er sagte später nur:
„Sie machten ihn
zum Kanonenfutter.“

Er kam
nicht mehr zurück.

Später erzählte mein Vater
von einem kleinen Dorf
in Russland.

Keine Soldaten.

Nur alte Menschen.
Frauen.
Kinder.

Er schickte sie fort,
hinauf in den Wald,
bevor andere kamen.
Vielleicht rettete er ihnen
das Leben.

Dann traf ihn
ein Schuss
in den Magen.

Breslau.

Krankenhaus.

Kurz danach
fielen Bomben
auf die Stadt.

Er hatte sie
bereits verlassen.

Viele Jahre
sprach er kaum
über den Krieg.

Doch als er alt wurde,
kehrten die Erinnerungen
immer häufiger zurück.

Er erzählte
vom Freund aus Kelheim.

Von Warschau.

Von Russland.

Und von einem jüdischen Arzt
aus Münchberg.

„Ein hervorragender Arzt“,
sagte er.

„Er kam nach dem Krieg zurück
und wurde Chefarzt.“

Dann wurde es still.

Ich glaube,
nicht das Schweigen
war seine Erinnerung.

Sondern die Menschen,
die ihm
ein Leben lang
nicht aus dem Herzen gingen.
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